TBuxtehudes Bürgermeisterkandidaten im Check von Bürgern und TAGEBLATT
Die drei Bürgermeisterkandidaten in Buxthude auf der Bühne beim TAGEBLATT-Forum zur Kommunalwahl (von links): Clemens Ultsch, Ralf Dessel und Katharina Mewes. Foto: Vasel
Ralf Dessel, Katharina Mewes und Clemens Ultsch antworten im TAGEBLATT-Forum in Buxtehude: Schulsanierung, Bahnhofsbau, bezahlbares Wohnen - darin unterscheiden sie sich.
Buxtehude. In Buxtehude haben die Bürger die Wahl - vor allem auch die Auswahl: Zwei Männer und eine Frau bewerben sich um das Bürgermeisteramt. Die Kommunalwahl am 13. September elektrisiert die Menschen in der Stadt. 140 Besucher finden sich am Donnerstagabend beim TAGEBLATT-Forum mit den drei Bürgermeisterkandidaten in Höfts Markthaus im Buxtehuder Ortsteil Neukloster ein. Ausverkauft!
Die TAGEBLATT-Redakteure Anping Richter und Karsten Wisser moderieren den Abend. In den ersten 60 Minuten konfrontieren sie die drei Bürgermeisterkandidaten Ralf Dessel (parteilos, unterstützt von CDU, SPD und FDP), Katharina Mewes (BBG/FWG, unterstützt von den Grünen) und Clemens Ultsch (Die Linke) mit brisanten Themen der Stadt. Die Antworten sind jeweils auf maximal zwei Minuten begrenzt.
Die Moderatoren und TAGEBLATT-Redakteure Anping Richter (links) und Karsten Wisser (rechts) vor Beginn des TAGEBLATT-Forums zur Kommunalwahl mit den Buxtehuder Bürgermeisterkandidaten Ralf Dessel (Zweiter von links), Katharina Mewes und Clemens Ultsch. Foto: Sulzyc
Mit einem Sanierungsbedarf von 208 Millionen Euro allein an den Buxtehuder Grundschulen bekommt es der künftige Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin zu tun. Wie lässt sich der Schulbau finanzieren?
Zusätzliches Geld von außen müsse her, sagt Ultsch. Als Bürgermeister würde er die Landesregierung an ihre Verantwortung für Schulen erinnern.
Ohne Schuldenaufnahme gehe es nicht, sagt Mewes und äußert noch eine Idee zur Schulnutzung: Die Gebäude könnten am Wochenende zum Beispiel für Angebote an Senioren genutzt werden.
75 Millionen Euro habe die Stadt in Schulen und Sporthallen in den vergangenen Jahren bereits investiert, sagt Ralf Dessel. Die Kommunalaufsicht dulde eine höhere Schuldenaufnahme, wenn es um Investitionen in Schulen gehe.

Während der Pause unterhalten sich die Besucher und früheren langjährigen Führungskräfte der Buxtehuder Politik Dr. Harald Stechmann (links) und Wilfried Peper. Foto: Sulzyc
Aber ist dann noch Geld da, um zusammen mit der Deutschen Bahn den Bahnhof in Buxtehude neu zu bauen? Der geplante Bahnhofsneubau wurde in dieser Woche zum Politikum: Stadtbaurätin Michaela Springhorn rät überraschend von dem Vorhaben ab - und geht damit innerhalb der Stadtverwaltung auf Konfrontationskurs.
Beim TAGEBLATT-Forum wird deutlich: Michaela Springhorn steht mit ihrer Haltung nicht allein da. Früher sei er ein Befürworter des Bahnhofsneubaus gewesen, sagt Ultsch. Mittlerweile nicht mehr. Er vertraue der Expertise der Stadtbaurätin. „Egal wie schön ein Bahnhof ist - davon fährt noch keine S-Bahn pünktlich.“
„Ich habe Bedenken, mit der Deutschen Bahn in ein so großes Kooperationsgeschäft zu gehen“, sagt auch Mewes. Beim Bahnhof sollte Buxtehude kleinere Brötchen backen.
Pikant ist die Frage für Ralf Dessel. In der Stadtverwaltung gehört der Fachbereichsleiter zur Führungsspitze wie die Stadtbaurätin. Er rät zu dem geplanten Bahnhofsneubau: „Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit.“
Das wollen Bürger von den Kandidaten wissen
Auf Bierdeckeln notieren die Besucher in einer 15 Minuten langen Pause Fragen an die Kandidaten. Mehr als 50 beschriebene Pappdeckel kommen zusammen. Mit den Bürgerfragen konfrontieren anschließend die Moderatoren die drei Bewerber für das Bürgermeisteramt.

Während der Pause sichten TAGEBLATT-Mitarbeiter Rainer Thumann (von links) und die TAGEBLATT-Redakteure Karsten Wisser, Anping Richter und Fenna Weselmann Bierdeckel mit Fragen aus dem Publikum. Foto: Vasel
Mehrere Bürger fragen die Kandidaten nach ihrer beruflichen Qualifikation dafür, mehrere Hundert Mitarbeiter zu führen. Erster Stadtrat und Jurist Ralf Dessel ist ja Führungskraft. „IT, Personal, Rechtsamt, Ordnungsamt - ich habe große Teile der Verwaltung geführt“, antwortet er.
Manche sehen genau darin ein Manko: Die Schulen seien marode. Ob Dessel als Bürgermeister denn genau so weitermachen wolle, fragt ein Besucher. Er sei nicht allein für alles verantwortlich, antwortet Dessel. Der Rat der Stadt habe ja Entscheidungen getroffen.
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Sie arbeite in der Universitätsverwaltung in Hamburg, antwortet die Wissenschaftlerin Katharina Mewes. In Schnittstellen habe sie mit Teams zu tun, die 30 bis 50 Mitarbeitende haben.
Als hauptberuflicher Betriebsrat sei er häufig mit Führungskräften in Austausch, sagt Ultsch. Ein Bürgermeister sei ja Führungskraft von Führungskräften, fügt er noch hinzu.
Bezahlbare Wohnungen: Wo sollen die herkommen?
Zunehmend mehr Menschen sorgen sich, dass sie sich ihre Wohnung oder ihr Haus nicht mehr leisten können. Mehrere Fragesteller wollen wissen, was die Bürgermeisterkandidaten tun würden, damit das Wohnen in Buxtehude bezahlbar bleibt oder wieder wird.
Bezahlbares Wohnen ist ein zentrales Wahlkampfthema von Clemens Ultsch. Er befürwortet, dass die Stadt selbst Wohnungen baut und niedrige Mieten fördert. „Wir müssen auch die Zweckentfremdung von Wohnungen beenden“, sagt er.

140 Besucher machen sich beim TAGEBLATT-Forum in Höfts Gasthaus ein Bild von den drei Bewerbern für das Bürgermeisteramt in Buxtehude. Foto: Vasel
Kommunalen Wohnungsbau in Buxtehude hält dagegen Ralf Dessel für nicht realistisch. Damit das erfolgreich sein könne, bräuchte die Stadt einen eigenen Bestand von etwa 600 Wohnungen. Er setzt stattdessen auf eine Zusammenarbeit mit der Buxtehuder Wohnungsbaugenossenschaft.
Auf die Wohnungsbaugenossenschaft als Partner setzt auch Katharina Mewes. Bei der Vermarktung der wenigen städtischen Flächen für den Wohnungsbau müsse die Stadt auf sozialen Aspekten beharren, fügt sie noch hinzu.
Bleibt Dessel, wenn Mewes oder Ultsch gewinnt?
Was Bürger sich noch fragen: Sollte Ultsch oder Mewes die Bürgermeisterwahl gewinnen - würde Ralf Dessel „unter ihnen“ weiter in der Buxtehuder Stadtverwaltung arbeiten? Ja, antwortet der Erste Stadtrat. „Ich habe einen Vertrag bis 2030 und bin meinem Amtseid verpflichtet.“
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