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TChristkindpostamt: Vier Meter langer Wunschzettel und ein winziger Brief

Wolfgang Dipper und sein Team haben 28.000 Briefe im Christkindpostamt bearbeitet.

Wolfgang Dipper und sein Team haben 28.000 Briefe im Christkindpostamt bearbeitet. Foto: klempow

Vier Wochen Dauereinsatz, 28.000 Briefe. Er ist erschöpft, gibt Wolfgang Dipper vom Christkindpostamt zu. Erschöpft war vielleicht auch der Schöpfer eines besonderen Wunschzettels.

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Von Grit Klempow
Donnerstag, 25.12.2025, 07:50 Uhr

Himmelpforten. Dieser Wunschzettel wird im Christkindpostamt Himmelpforten in Erinnerung bleiben. Etwa fünf Jahre alt war der Verfasser. Des Schreibens noch nicht mächtig, wich er auf die beliebte Aufklebe-Technik aus. Wolfgang Dipper schmunzelt. „Da waren mehr als 100 Wünsche aufgeklebt, da musste ein ganzer Katalog dran glauben“, meint er.

XXL-Wunschzettel ist vier Meter lang

Das sorgte im Christkindpostamt für ungewohnten Platzverbrauch: Rund vier Meter lang war der Wunschzettel, auf dem sich die ganze Produktpalette an Spielzeug-Treckern, Autos und Playmobil-Sets befand. Angesichts von Zeitaufwand, Mühe und Materialverbrauch müsste der XXL-Wunschzettel fast schon vierfach gelten. Er treibt dennoch die Zahl der nach Himmelpforten gesandten Wunschzettel nicht über die 30.000er-Marke.

Liebevoll verzierte Post an den Weihnachtsmann.

Liebevoll verzierte Post an den Weihnachtsmann. Foto: Klempow

„Da wäre ich gerne mal wieder drüber gekommen“, sagt Wolfgang Dipper. Zeitweise sah es während der letzten Woche des emsigen Briefeöffnens, Lesens und Beantwortens auch so aus. „Ein paar Tage waren wir sozusagen drei Tage hinterher - aber dann ist es wieder abgeflacht“, so der Leiter des Christkindpostamts.

Post aus China an den Weihnachtsmann

Wie im vergangenen Jahr werden in der Bilanz wieder rund 28.000 Briefe an Weihnachtsmann und Christkind stehen. Mehr als 1000 aus dem Ausland - aus Ägypten kam einer, aus China rund 400. Und würde das ehrenamtliche, in zwei Schichten arbeitende Team das Briefgeheimnis nicht so genau nehmen, wäre durch die Wunschzettel eine sehr genaue Marktforschungsstudie, gestaffelt nach dem Alter der Kinder, möglich. Aber das Briefgeheimnis und natürlich die Autorität des Weihnachtsmanns stehen hier über allem.

Eines ist Helferin Brigitte Schulz aufgefallen: Vermehrt stand ein Haustier mit auf dem Wunschzettel. Und obwohl klar ist, dass Tiere kein geeignetes Geschenk zu Weihnachten sind, können sich die amtlich bestellten Helferinnen und Helfer des Weihnachtsmanns doch das Schmunzeln nicht verkneifen, wenn das Kind pragmatisch formuliert: „Zwei Meerschweinchen, aber bitte zwei, die keine Babys machen.“

Und weil sich eine andere kleine Wunschzettelschreiberin gut auskennt, hat sie zum echten Pferd dann gleich noch das Equipment von Trense bis Führstrick, Sattel und Satteldecke dazu notiert - ebenso den Farbwunsch: „Bitte in Pink!“

Familiäre Konflikte und überbordende Trauer

Glitzer, der aus Umschlägen rieselt, fein gezeichnete Weihnachtsbilder, gebastelte Tannenbäume, Buchstaben aus Moosgummi - wer dem Weihnachtsmann schreibt, der will ihm eine Freude machen und Eindruck hinterlassen. Aber manchmal sind es auch sehr schlichte, sehr stille Briefe, die im Umschlag stecken. Briefe, die von unerhörter Trauer erzählen, von familiären Problemen und ungelösten Konflikten. Oft sind es auch Erwachsene, die einmal ihre Sorgen loswerden wollen.

Brigitte Schulz kümmert sich im Team der Ehrenamtlichen um manchmal traurige Weihnachtspost.

Brigitte Schulz kümmert sich im Team der Ehrenamtlichen um manchmal traurige Weihnachtspost. Foto: Klempow

Dieser Briefe nimmt sich Brigitte Schulz an. Aber für die braucht sie auch einen ruhigen Moment. Oft muss sie erst mal über den Inhalt nachdenken - und vor allem, was eine geeignete Antwort sein könnte. Diese Gedanken nimmt Brigitte Schulz dann auch für eine stille Stunde mit nach Hause. Wenn die Hammaherin das Gefühl hat, keine angemessenen Worte zu finden, bittet sie auch schon mal um seelsorgerischen Beistand.

Christkindpostamt ist für Wunschzettel gedacht

Knapp 30 Briefe waren es in diesem Jahr, die besonders traurig oder aufwühlend waren. „Zu Corona-Zeiten hatten wir aber erheblich mehr“, sagt Brigitte Schulz. Im Vergleich zu 28.000 Weihnachtsbriefen ist der Anteil der Briefe mit speziellem Antwortbedarf eher gering. Und so soll es auch sein - das Christkindpostamt ist grundsätzlich für die Wunschzettel der Kinder gedacht. Trotz trauriger Sätze und der begrenzten Hilfsmöglichkeiten der Weihnachtsmann-Helfer im Christkindpostamt sagt Brigitte Schulz voller Überzeugung: „Das ist ein schönes Ehrenamt auf Zeit.“

Wolfgang Dipper hat jeden Tag seit Betriebsbeginn Anfang November im Christkindpostamt in der Villa von Issendorff verbracht. Ein bisschen erschöpft sei er. „Aber irgendwie auch glücklich.“ Für ihn gehe Weihnachten jetzt in die ruhige Phase.

Der Mini-Brief im Vergleich zum üblichen Umschlag. Er enthält einen bescheidenen, aber dennoch großen Wunsch.

Der Mini-Brief im Vergleich zum üblichen Umschlag. Er enthält einen bescheidenen, aber dennoch großen Wunsch. Foto: Klempow

Ganz nebenbei ist nicht nur einer der längsten Wunschzettel im Sonder-Postamt gelandet, sondern auch ein besonders kleiner, der fast durchs Raster gefallen wäre. Etwa drei mal zwei Zentimeter ist der Umschlag groß. Das Briefchen an Santa „Klaus“ enthält einen bescheidenen Wunsch, der ohne ein bisschen Weihnachtsmagie im Norden ein großer, wahrscheinlich unerfüllter bleibt: ein bisschen Schnee zu Weihnachten.

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