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Skurrile Entdeckung

TDa fehlt doch was: Warum ein Stader Jesus keine Arme hat

In der Gertrudenkapelle der St.-Cosmae-Kirche hängt ein Jesus ohne Arme am Kreuz.

In der Gertrudenkapelle der St.-Cosmae-Kirche hängt ein Jesus ohne Arme am Kreuz. Foto: Matthias Kastner

Absicht oder Versehen? Ein Jesus-Torso mit abgetrennten Armen in der St.-Cosmae-Kirche wirft Fragen auf und schickt uns eine Botschaft. Dies ist seine Geschichte.

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Von Lena Stehr
Freitag, 03.04.2026, 17:50 Uhr

Stade. Ein ungewöhnlicher Anblick erwartet die Besucher der Gertrudenkapelle der St.-Cosmae-Kirche in Stade: Am Kreuz hängt einen Jesus-Figur ohne Arme.

Jesus wurde einst körperlich unversehrt ans Kreuz genagelt

Das erscheint seltsam. Schließlich wurde Jesus von Nazareth - von Christen als Messias und Sohn Gottes verehrt - körperlich unversehrt ans Kreuz genagelt. Die Kreuzigung im Auftrag des Römers Pontius Pilatus, wahrscheinlich an einem Freitag der Jahre 30 oder 33 nach Christus, gilt als gesicherte Tatsache. Sie ist auch in frühen außerbiblischen Dokumenten belegt.

Warum fehlen dem Jesus in Stade also die Arme? Vermutlich seien die Gliedmaßen im Laufe der Zeit abhanden gekommen, sagt Pastor Tobias Grotefend. Wie das passieren konnte, werde aber wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Der Jesus ohne Arme ist mindestens 500 Jahre alt

Fest steht, dass der Torso des gekreuzigten Jesus im April 1998 in die Kirchengemeinde kam. Daran erinnert sich der Pastor im Ruhestand Manfred Küchenmeister. Eine Frau aus Schölisch schenkte die Figur kurz vor ihrem Tod der Kirche. Laut Kirchenführer der Cosmae-Kirche handelt es sich um eine spätgotische Arbeit aus der Schweiz. Der Jesus ist demnach mindestens 500 Jahre alt.

In St. Cosmae angekommen, wurde die Figur umgehend auf ein nachgearbeitetes Eschenholzkreuz montiert und an der rechten Kapellenwand aufgehängt. Dort hängt sie bis heute. Der Ort sei nicht zufällig gewählt worden, sagt Tobias Grotefend.

Der Christus am Kreuz in der Gertrudenkapelle der St.-Cosmae-Kirche hatte ursprünglich wohl Arme. Ans Kreuz wurde er nachträglich montiert.

Der Christus am Kreuz in der Gertrudenkapelle der St.-Cosmae-Kirche hatte ursprünglich wohl Arme. Ans Kreuz wurde er nachträglich montiert. Foto: privat

Denn auf dem mittelalterlichen Gertrudenaltar sei weder im aufgeklappten noch im geschlossenen Zustand eine Kreuzesdarstellung zu sehen. Durch den Jesus ohne Arme am Kreuz habe diese nördliche Seitenkapelle einen besonderen christologischen Akzent erhalten.

Der Stader Jesus ohne Arme ist kein Einzelfall

Der Jesus ohne Arme in Stade ist kein Einzelfall. Solche im Laufe der Zeit in Teilen zerstörten Jesus-Darstellungen gebe es häufiger. Manchmal würden sogar moderne Figuren ohne Arme gefertigt, um die Gebrochenheit von Jesus am Kreuz auszudrücken, sagt Tobias Grotefend.

Dazu passe auch ein Gebet aus dem Mittelalter, das mit den Zeilen beginnt: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.“ „Die Botschaft des Christus’ ohne Arme ist also, dass wir selbst aktiv werden und uns für ihn, unsere Welt und unsere Umwelt engagieren müssen“, sagt Tobias Grotefend.

Wann sagt man Jesus und wann Christus?

Wenn der Pastor von Christus spricht, meint er übrigens den Hoheitstitel, der im Urchristentum zum Beinamen von Jesus wurde. Er bedeutet, dass Jesus der Messias ist. Also der von Gott gesandte menschliche Retter, der Frieden bringt.

Der Name Jesus von Nazareth bezieht sich dagegen auf den historischen Menschen, der im 1. Jahrhundert in Palästina lebte. Die Bezeichnung Jesus Christus vereint die historische Person mit dem theologischen Glauben an ihn als Messias.

Offene St.-Cosmae-Kirche und Turmführungen

Wer den Jesus ohne Arme in der Gertrudenkapelle mit eigenen Augen sehen möchte, kann montags, dienstags, donnerstags, freitags und sonntags von 13 bis 17 Uhr in die St.-Cosmae-Kirche kommen. Mittwochs und samstags ist die Kirche von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Tickets für Turmführungen gibt es unter www.stade-tourismus.de.

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