TDamals gab es schulfrei: Horneburger Herbstmarkt einst und jetzt
Bunte Lichter gegen den Regen: Trotz des mäßigen Wetters sind schon vormittags einige Besucher auf dem Herbstmarkt in Horneburg. Foto: Haardt
Heute ohne Pferde, dafür mit viel mehr Fahrgeschäften: Das hat sich auf dem Pferdemarkt in den letzten Jahrzehnten verändert. Ein Stammgast erinnert sich.
Horneburg. Unter grauem Himmel blitzen und blinken die Schilder der Fressbuden und Fahrgeschäfte auf dem Horneburger Herbstmarkt. In der Langen Straße duftet es nach Churros mit Nutella. Aus der Richtung vom Großen Sande dröhnt Musik. Obwohl vormittags leichter Nieselregen auf die Besucher heruntertröpfelt, sind schon einige da und genießen das erste Bier an einem der Stände.
Das Wetter spielt nur bedingt mit. Die Herbstmarkt-Besucher halten mit wetterfester Kleidung und Regenschirmen dagegen. Foto: Haardt
Ernst-Erich Meyer, Horneburger und Stammgast auf dem Markt, meint zum Wetter: „Wir hatten schon alles: strahlenden Sonnenschein, Regen und Sturm.” Ausgefallen sei der Markt trotzdem nie. Und davon abgehalten, hierher zu kommen hat es ihn auch nicht. Meyer ist Jahrgang 1938 und hat es in seinem Leben nur drei Mal nicht zum Markt geschafft: „Da bemüht man sich zu Hause zu sein, da muss man ja da sein.”
Ähnliches Durchhaltevermögen beweisen die Horneburger dieses Jahr. Sie spannen Regenschirme auf, setzen ihre Kapuzen auf oder stellen sich an den Ständen unter.
Kein schulfrei mehr am Markttag
Später, gegen Mittag, mischen sich Kinder mit bunten Schulranzen unter die Menschen. Früher gab es am Markttag auch mal schulfrei, erzählt Ernst-Erich Meyer. Sein erster war ein Freitag Ende der 1940er Jahre, als der Markt das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand.
Damals war er Mittelschüler in Horneburg, und an Unterricht war am Markttag kaum zu denken, sagt er. Denn die Horneburger Mittelschule war zwischen 1948 und 1957 in einem Gebäude direkt am Marktplatz untergebracht. „Das ging gar nicht. Der ganze Platz war voller Leben”, erinnert sich Meyer.
Markt bleibt laut - auch ohne Pferde
Laut und lebhaft ist es nach wie vor auf der Marktmeile. Vor der Pizzeria Antico dröhnt Italo-Pop aus großen Lautsprechern. Beim Dosenwerfen ertönt ein lautes Klingeln, wenn jemand genügend Dosen umwirft, um einen Gewinn einzuheimsen.
Ernst-Erich Meyer erzählt, dass früher noch etwas anderes zur Geräuschkulisse des Marktes gehörte: die Pferde. Denn der Horneburger Markt hat seine Ursprünge im 18. Jahrhundert als Pferde- und Krammarkt. Bis zum Ersten Weltkrieg war er einer der größten Pferdemärkte Norddeutschlands, auf dem bis zu 1000 Tiere zum Verkauf angeboten wurden. „Die waren mit dicken Stahlketten angebunden”, erinnert sich Meyer an Märkte aus seiner Kindheit und Jugend.
Die Pferde sind nicht vollständig aus Horneburg verschwunden, verkauft werden sie aber nicht mehr. Stattdessen gibt es einen Streichelzoo und am Nachmittag Ponyreiten für Kinder.
Andreas liebt Dosenwerfen und Zuckerwatte
Für die ist der Markt nach wie vor ein aufregendes Ereignis. Der achtjährige Andreas ist mit seinem Vater unterwegs. Eines gehört für ihn zum Markt auf jeden Fall dazu: Dosenwerfen. Das will er unbedingt heute noch machen. Bei der Frage nach seinem Lieblingsjahrmarktessen strahlt er begeistert gegen den trüben Himmel an: „Zuckerwatte ist toll. Das einzig Doofe daran ist, dass danach immer so die Hände kleben.”

Der achtjährige Andreas hat viel Spaß auf dem Herbstmarkt. Dosenwerfen steht für ihn noch auf dem Programm. Foto: Haardt
Zwar wohnt Andreas erst ein paar Jahre in Horneburg, aber er war schon zwei Mal auf dem Herbstmarkt. Ob er nächstes Jahr wieder dabei ist? „Ganz bestimmt, wenn nichts dazwischenkommt.” Denn er habe hier immer sehr viel Spaß.
Vom Kettenkarussell zum Autoscooter
Dafür sorgen unter anderem die Fahrgeschäfte, die mit lauter Musik und schrillen Farben um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen. Gegenüber vom Kräuterbonbonstand am Burggraben, an dem es nach Lakritz und Fruchtgummis duftet, blinken die Lichter der Beat Box und von mehreren Greifautomaten.

Greifautomat und Bungeejumping: Das gab es früher nicht. Die ersten Fahrgeschäfte auf dem Markt waren Kettenkarussells. Foto: Haardt
Am Großen Sande locken der Night Dancer und der Autoscooter. Der sei etwa in den 60er Jahren fester Bestandteil des Marktes geworden, erzählt Ernst-Erich Meyer. Davor gab es als Fahrgeschäfte vor allem Kettenkarussells.
Markt bleibt Begegnungsort für Horneburger
Noch etwas habe sich mit der Zeit verändert, sagt Meyer: Vor allem in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Besucher mit Fahrrad und Moped zum Markt gekommen, erzählt Meyer. Später, mit dem einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung in den 50ern, kamen mehr und mehr Menschen mit dem Auto.
Horneburg
Herbstmarkt trotzt dem Regen
Dafür sei der Markt ein Begegnungsort geblieben: „Man kann sich einfach zwanglos mit Freunden treffen und sich unterhalten.” Und das tun die Besucher auch dieses Jahr bei Bier, Hotdogs und Schmalzkuchen - und trotzen gemeinsam dem Regen
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