TDas Hurricane von oben: Dieser Mann fliegt jedes Jahr übers Festival
Das legendäre Hurricane-Festival von oben. Vor 30 Jahren fand die erste Auflage in Scheeßel statt. Foto: Heyne
Autos, Zelte, Bühnen: Hobbyflieger Julian von Bothmer schaut seit über zehn Jahren aus mehreren hundert Metern aufs Hurricane-Festival. Das dient auch einem guten Zweck.
Scheeßel. Julian Graf von Bothmer ist eingefleischter Hurricane-Fan. Seit seinen Teenager-Zeiten ist das Mammutfestival am Eichenring für ihn, wie für so viele Fans aus der Region, ein fester Termin im Kalender. Allerdings kennt der Lauenbrücker das Musikspektakel nicht nur aus der üblichen Besucherperspektive – sondern auch aus der Luft. Sehr mehr als zehn Jahren stattet der Immobilienmakler, wann immer das Wetter es zulässt, dem Eichenring am Festival-Wochenende einen Besuch aus der Luft ab.
„Das Hurricane ist für mich ein Stück Freiheit“
Wenn der 47-Jährige vom Hurricane erzählt, gerät er ins Schwärmen: die Menschenmassen, die Anonymität, die ausgelassene Feierstimmung. „Das Hurricane ist für mich ein Stück Freiheit, ein Ort, an dem alle Generationen friedlich zusammen feiern – auch, wenn man sich in meinem Alter am Anfang fast etwas deplatziert fühlt. Das gibt sich aber spätestens nach dem ersten Bier“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Das Herz des Lauenbrücker Immobilienmaklers Julian von Bothmer schlägt fürs Fliegen und fürs Hurricane-Festival. Foto: Heyne
Ebenso besonders wie das Betreten des Infields ist es für den Hobbyflieger, das Gelände aus der Vogelperspektive zu betrachten – ein ganz anderer Anblick. Der erste Moment, wenn nach dem Abheben von der Graspiste des „Heimathafens“ Lauenbrück und einem Schwenk über Scheeßel das riesige Gelände auftaucht, wie ein Patchworkteppich aus Flächen mit parkenden Autos, Zelten- und Wohnwagenarealen und dem großen Infield mit den Bühnen.
„Das ist jedes Mal aufregend und einfach magisch“, schwärmt von Bothmer. Das Gewusel der insgesamt bis zu 70.000 Besucher vor den Bühnen, die schiere Größe der Fläche zwischen Scheeßel und Westervesede - da mischt sich die Vorfreude, später dort einzutauchen „mit dem Gefühl, ganz schön privilegiert zu sein, das aus dieser Perspektive erleben zu dürfen“, sagt der dreifache Familienvater. Ein Privileg, das er gern mit anderen teilt. Wann immer Zeit und Umstände es zulassen, lädt er andere ein, ihn auf einem seiner „Höhenflüge“ zu begleiten.
„Es macht immer Spaß, Leute mitzunehmen. Besonders, wenn sie noch nie mitgeflogen sind – auch ohne Festival sind die immer baff.“ Auch bei Gewinnspielen hat der Lauenbrücker Unternehmer schon Flüge übers Hurricane verlost – allerdings muss dann auch das Wetter passen. Mehr als einmal machten ihm Gewitter oder Wind einen Strich durch die Rechnung.
Vor zehn Jahren konnte die Hälfte der Bands nicht spielen
2016, im Unwetterjahr, in dem mehr als die Hälfte der Bands wegen Überschwemmungen nicht spielen konnte, musste auch von Bothmers Sportmaschine am Boden bleiben – die Startbahn war einfach zu nass. Dazu kommt, dass ein zweiter Versuch, sollte es am Freitagnachmittag nicht klappen, oft schwierig wird: „Wenn die Bedingungen dann doch optimal sind, muss man erstmal vom Platz runterkommen, und dann absolut nüchtern und nicht verkatert sein.“
Meistens gebe es wettertechnisch Lücken, „aber dann heißt es schnell sein.“ Im Zweifelsfall würde er aber dem Festivalbesuch am Boden den Vorzug geben: „Der Flug ersetzt keinesfalls das Hingehen und das Live-Erlebnis.“
Das Juni-Motiv in seinem Kalender kommt immer vom Hurricane-Festival
Seit wann der Hobbyflieger, der 2009 seinen Flugschein gemacht hat, den Eichenring von Lauenbrück aus anfliegt, weiß er nicht mehr genau. „Das erste Mal wird so 2013 gewesen sein“, so seine Mutmaßung. Für die jährlichen Luftbildkalender, die er mit professionellen Fotografien für einen guten Zweck herausgibt, ist das Motiv des Monats Juni jedenfalls schon gesetzt.
Analog, live und gemeinsam
Festival-Boom trotz höherer Ticketpreise
Und von Bothmer beobachtet als Chronist aus luftiger Höhe, wie das Festival sich gewandelt hat, professioneller und größer geworden ist. „Details sieht man aus der Luft natürlich nicht, aber große Veränderungen wie den neuen Weg abseits der Landstraße natürlich schon. Oder markante Punkte wie früher die Riesenrutsche oder seit einigen Jahren das Riesenrad.“
Auch gibt es Jahre, die ihm in besonderer Erinnerung geblieben sind. Etwa sein Bannerflug im Vorjahr. Das Banner mit den drei roten Herzen hatte er vor zehn Jahren extra für das Festival gekauft, um die Musikfans aus ganz Deutschland sichtbar aus der Luft zu begrüßen, „dann hat es aber jahrelang vom Wetter nicht gepasst“, erzählt der passionierte Hobbypilot. Schleppbannerfliegen sei nämlich alles andere als einfach, „da müssen die Bedingungen optimal sein.“
Viele Piloten fliegen über das Hurricane-Festival in Scheeßel
Die Zeiten, in denen der Pilot am dritten Juniwochenende mitunter der einzige im Luftraum über dem Beekeort war, sind längst vorbei. Der Flugverkehr über dem Hurricane habe enorm zugenommen. „Ein Geheimtipp ist das schon lange nicht mehr - wer ein Flugzeug hat oder leihen kann, schaut sich das Ganze von oben an.“
Eine Herausforderung stellt das für von Bothmer nicht dar: „Die wissen alle, was sie tun.“ Seine Instagram-Bilder oder Videos erfreuen sich übrigens reger Beliebtheit. Den Vogel abgeschossen hat indes dieser Post: Vor einigen Jahren inserierte er, aus einer Laune heraus, die Vermietung eines Einmannzeltes, ganz im Immobilienjargon. Normalerweise erzielen die von ihm inserierten Objekte dreistellige Likes - bei diesem Riesenspaß waren es 14.000.
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