Gewaltverbrechen

T„Das nimmt mich richtig mit“: Nachbarn im Kopenkamp sind schockiert

Sabine Timmann vom Verein Nachbarn im Kopenkamp und Wohnstätten-Chef Dr. Christian Pape können nicht fassen, was in Stade passiert ist. Der Tatort war Dienstagmittag noch abgesperrt.

Sabine Timmann vom Verein Nachbarn im Kopenkamp und Wohnstätten-Chef Dr. Christian Pape können nicht fassen, was in Stade passiert ist. Der Tatort war Dienstagmittag noch abgesperrt. Foto: Stehr

In einer Mutter-Kind-Wohngruppe im beschaulichen Stader Stadtteil Kopenkamp erschoss ein Vater am Montag sechs Menschen. Die Anwohner sind tief betroffen.

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Von Lena Stehr
30.06.2026, 18:00 Uhr

Stade. Dienstagmittag in der Dankersstraße in Stade. Fast genau 24 Stunden nachdem hier ein 45-jähriger Vater sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung erschossen hat, ist der Tatort weiterhin abgesperrt. Die Spurensicherung ist noch bei der Arbeit. Von weitem ist ein Mann im weißen Tatort-Schutzanzug zu sehen.

Wohnstätten-Mitarbeiter hörten die Schüsse

Direkt hinter dem rot-weißen Absperrband stehen noch immer mehrere Medienvertreter mit ihren Kameras. Eine Anwohnerin gibt gerade ein Interview. Ein Postbote auf dem Fahrrad hat Mühe, sich seinen Weg zu bahnen. Die Nachbarschaft steht unter Schock.

„Wir sind fassungslos. Das ist alles nicht zu begreifen“, sagt Dr. Christian Pape, Vorstand der Wohnstätte Stade. Die Wohnstätte vermietet mehr als 900 Wohnungen im beschaulichen Stadtteil Kopenkamp, zu dem auch die Dankersstraße gehört. Die Hauptgeschäftsstelle befindet sich nur etwa hundert Meter vom Tatort entfernt.

Seine Mitarbeiter hätten am Montag die Schüsse gehört, sofort die Türen verschlossen und die Informationen der Polizei mitgeteilt. Er selbst sei nicht vor Ort gewesen. „Ich bin froh, dass die Beamten die Situation so schnell in den Griff bekommen haben“, sagt Pape. Bis gestern habe er gar nicht gewusst, dass es in der Dankersstraße eine Jugendhilfe-Einrichtung gibt. Er ist damit nicht der Einzige.

Freunde sind in Sorge

Auch Jörg Struwe hat nicht mitbekommen, dass sich nur einen Katzensprung von seiner Wohnung entfernt eine Mutter-Kind-Wohngruppe in freier Trägerschaft befindet. Er sei am Montagmittag gerade in einem Nachbarstadtteil essen gewesen, als er von Freunden angeschrieben und gefragt worden sei, ob es ihm gut gehe. So habe er von der Tat erfahren. „Bei mir lief sofort ein Film im Kopf ab und ich habe mich gefragt, wie ich reagieren würde, wenn jemand mit einer Waffe vor mir stünde“, sagt der Stader.

Am Tatort in der Dankersstraße waren auch am Dienstagmittag noch Kamerateams. Die Spurensicherung war ebenfalls vor Ort.

Am Tatort in der Dankersstraße waren auch am Dienstagmittag noch Kamerateams. Die Spurensicherung war ebenfalls vor Ort. Foto: Stehr

Wie müssen sich die Opfer gefühlt haben und wie geht es deren Angehörigen jetzt, frage er sich immer wieder. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass am Montag zahlreiche Schaulustige in die Dankersstraße pilgerten, um einen Blick auf den Tatort zu erhaschen. Er habe das Haus, in dem sechs Mitarbeiter der Jugendhilfe-Einrichtung gestorben sind, bisher bewusst gemieden. „Es passieren ja überall immer mal schreckliche Dinge, das nimmt man so zur Kenntnis. Das hier nimmt mich aber richtig mit“, sagt Jörg Struwe.

Angst gehabt, das Haus zu verlassen

Erschüttert und schockiert ist auch Sabine Timmann. Sie gehört zum Verein Nachbarn im Kopenkamp mit circa 100 Mitgliedern. Sie lebt ebenfalls in der Dankersstraße und habe schon öfter Mütter aus der Wohngruppe spazieren gehen sehen. Zur Tatzeit sei sie Zuhause gewesen, wollte eigentlich gerade im Garten Büsche schneiden, als sie von mehreren Personen angeschrieben wurde, die sich Sorgen machten, sagt sie. Unter anderem auch von ihrer Tochter aus Wien.

Sie habe daraufhin das Haus aus Angst nicht mehr verlassen. Im Austausch mit Nachbarn und über die sozialen Medien habe sie sich informiert. „Wenn so etwas in unmittelbarer Nachbarschaft passiert, möchte man sich damit auseinandersetzen“, sagt sie. Sie habe auch eine Kerze aufgestellt, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Am Dienstagabend werde sie außerdem zur Andacht in die Kirche gehen.

„Die Stimmung im Kopenkamp lässt sich nur schwer greifen, mir kommt alles sehr surreal vor“, sagt Dr. Christian Pape. Hier seien sechs Menschen einfach aus dem Leben gerissen worden. Menschen, die morgens zur Arbeit gingen - und abends einfach nicht wiederkamen.

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