TDeswegen ist in Buxtehude schon jetzt Strandkorb-Zeit
Geschäftsführer Nils Gosebeck sitzt in der Ausstellung der Strandkorbmanufaktur Buxtehude. Greige, eine Mischung aus Grau und Beige, ist bei Strandkörben die Trendfarbe Nummer 1. Foto: Sulzyc
Die Produktion in der Strandkorbmanufaktur in Buxtehude läuft auf Hochtouren. Warum der lange Winter dem Unternehmen helfen könnte. Ein Besuch.
Buxtehude. Die ungewöhnlichen Glaskuppeln entlang der Bundesstraße 73 auf Höhe des Gewerbegebietes im Buxtehuder Ortsteil Ovelgönne sind ein Blickfang. Vor allem in der Dunkelheit, wenn sie beleuchtet sind. Sie erinnern an die Idee von Architektur einer Mondbasis.
Strandkörbe - für den Urlaub zu Hause
Wie Kunstwerke inszeniert stehen unter Glas Strandkörbe. Damit ist unübersehbar, wer hier ansässig ist: die Strandkorbmanufaktur Buxtehude. Das Familienunternehmen mit 36 Mitarbeitern gehört zu einer Handvoll Herstellern in Deutschland.

Die beleuchteten Glaskuppeln auf dem Gelände der Strandkorbmanufaktur Buxtehude entlang der Bundesstraße 73 sind ein Blickfang. Foto: Andreas Jantzen
Während an der See in Norddeutschland die Saison mit dem Aufstellen von Strandkörben Ende März beginnt, ist beim Hersteller in Buxtehude Ende Februar bereits Hochsaison. Die Produktion läuft auf Hochtouren.
1500 vorproduzierte Strandkörbe füllen zurzeit das Lager. In der ersten Märzwoche beginnt die Auslieferung. „Spätestens zu Ostern wollen Kunden ihren Strandkorb haben“, sagt Geschäftsführer Nils Gosebeck (37).

Die Produktion in der Strandkorbmanufaktur Buxtehude läuft Ende Februar auf Hochtouren. Geschäftsführer Nils Gosebeck blickt auf das prall gefüllte Lager. Foto: Sulzyc
Strandkörbe aus Buxtehude stehen selten an Stränden, sondern meistens in Gärten. „Ich produziere den Urlaub für zu Hause“, antwortetet Nils Gosebeck gerne auf die Frage nach seinem Beruf.
Der ungewöhnlich kalte und lang andauernde Winter in diesem Jahr könnte gut für das Geschäft sein. Die Menschen hätten den Winter satt und sehnten sich danach, den Frühling und den Sommer zu genießen, sagt Nils Gosebeck. Das könnte eine starke Nachfrage auslösen.
16 Grad draußen - und es hagelt Bestellungen
Sobald das Thermometer auf 16 Grad oder mehr steigt, löst das den Kundenansturm in der Branche aus. Nils Gosebeck erwartet, dass das in der nächsten Woche passieren wird.
Sechs unterschiedliche Modelle, vier unterschiedliche Geflechte, 60 unterschiedliche Stoffe: Knapp 100.000 Varianten könne die Strandkorbmanufaktur Buxtehude produzieren, rechnet Nils Gosebeck vor.
Auktion an der Nordseeküste
Ausrangierte Strandkörbe kommen unter den Hammer
In Buxtehude entstehen Strandkörbe in Handarbeit. Aus witterungsbeständigem Teak- und Mahagoniholz bestehen sie. Seit 2008 im Betrieb angestellt ist Thomas Vagts. Rund 22.500 Strandkörbe hat er in seiner Karriere gepolstert.

Mitarbeiter Thomas Vagts polstert einen Strandkorb. Foto: Sulzyc
In der Näherei verarbeitet Margarita Ruhl Stoffbahnen in den Farben Blau und Weiß. Diese Farbkomposition gilt als Klassiker. Denn mit Blau verbinden Menschen das Meer. Doch in Mode sind zurzeit andere Farben.

Der Stoffbezug in Blau und Weiß ist ein Klassiker bei Strandkörben: Margarita Ruhl näht einen Strandkorb-Stoffbezug. Foto: Sulzyc
Bei den Stoffbezügen seien Anthrazit und Sandtöne am beliebtesten, sagt Nils Gosebeck. Geflechte bevorzugen die Strandkorbliebhaber in Anthrazittönen oder in Brauntönen. „Wir bemerken einen kleinen Wandel von Anthrazit zu Greige“, sagt Nils Gosebeck. Diese Modefarbe ist eine Mischung aus Grau und Beige.
Strandkörbe in Buxtehude: So fing alles an
Die Geschichte der Strandkorbmanufaktur geht auf das Jahr 2003 zurück. Die Gründer Kay und Gabriele Gosebeck betrieben damals 15 Waschstraßen in Deutschland. Der Kaufmann Kay Gosebeck vermittelte zudem Immobilien. Ihn erreichte eine Anfrage, ob er vier Container mit 150 Strandkörben aus dem Hamburger Hafen vermarkten könne. Der ursprüngliche Abnehmer, ein Baumarkt in Deutschland, wollte sie nicht mehr.
Kay und Gabriele Gosebeck ließen sich auf das Geschäft ein. Die Nachfrage sei überraschend groß gewesen: Innerhalb einer Woche seien die Strandkörbe verkauft worden. Kay Gosebeck bestellte deshalb auf eigene Rechnung Strandkörbe in Indonesien. Zehn Jahre später entstand am heutigen Standort die Manufaktur mit eigener Produktentwicklung.
Ideale Werbeträger für die Strandkorbmanufaktur sind prominente Käufer. Manche erwähnen das in einem Post in sozialen Netzwerken. Die Influencerin Cathy Hummels zum Beispiel hat einen Strandkorb aus Buxtehude. Auch der frühere Fußballnationalspieler Thomas Müller.
Dazu sind die Glaskuppeln an der B73 da
Die Glaskuppeln an der B73 tragen das Muster eines Leder-Fußballs im klassischen Hexagon-Design. Unternehmensgründer Kay Gosebeck ist Edelfan des SV Drochtersen/Assel und des Hamburger SV. Sein Sohn und Geschäftsführer Nils ist Fan des FC Bayern München und Teammanager des TSV Elstorf.
Als Hinweis auf die Fußballleidenschaft seien die Glaskuppeln aber nicht gemeint. Er habe sie in Schleswig-Holstein entdeckt, sagt Nils Gosebeck. Ihr Zweck: die Schaustücke im Freien vor dem Schmutz zu schützen, der von den tausenden vorbeifahrenden Fahrzeugen auf der B73 ausgeht.
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