TDie Müllers und Fredenbeck: Der VfL-Virus erfasst jede neue Generation
Familienbande für den Handball: Britta, Jonah Tietjen, Hans, Ludwig, Stefan, Silke, Jannik, Niklas, Jesper, Sandra, Danny, Lars - alle Müller (von links). Foto: L. Müller (privat)
Wer in Fredenbeck über Handball spricht, kommt am Namen Müller nicht vorbei. Müller steht für den VfL-Handball seit Generationen. Warum eine Familie nicht anders kann.
Fredenbeck. Angefangen hat es in den Nachkriegsjahren. Der 1952 im Nachbardorf gegründete Fußballverein SV Deinste suchte Aktive und sprach auch Fredenbecker Jugendliche an. Hans Müller (Jg. 1944) erzählt: „Mein Bruder Ludwig, Hermann Wiebusch und ein paar weitere Fredenbecker wurden vom SV Deinste als Fußballer angeworben. Das Lockmittel war Beitragsfreiheit.“
Hans Müller, aktiv um 1970. Foto: privat
Als rückwirkend kassiert werden sollte, machten die Eltern nicht mit. Die Jungen wechselten zum VfL Fredenbeck. So seien Ludwig und er selbst zum Handball gekommen. Als Aktive spielten die Brüder dann in der ersten Fredenbecker Männermannschaft in der Oberliga und Regionalliga bis 1975 (Ludwig) und 1979 (Hans).
Auch danach blieben beide dem VfL verbunden
Die Brüder wirkten als Trainer und Co-Trainer verschiedener Mannschaften, als Schiedsrichter bis in die Oberliga hoch, sie waren Hallensprecher, Spielwart, Kassenwart oder Vorsitzender bzw. 2. Vorsitzender. „Ludwig Müller hat gefühlt 1000 Jahre bei den Spielen der 1. und 2. Herren, der Damen und der A-Jugend Eintritt kassiert.“
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Ludwig und Hans, beide inzwischen auch verheiratete Väter, haben den Handballvirus dann in ihren Familien verbreitet. Jörg (Jg. 1972), Sohn von Hans, brachte es bis in den Kader der Zweitligamannschaft 1998/99, spielte viele Jahre in der zweiten Herren, Tochter Britta (Jg. 1983) war bei den Fredenbecker Damen aktiv.
Ludwig Müllers Söhne, Stefan (Jg. 1965) und Lars (Jg. 1970), waren über Jahre Aktive in der 1. und 2. Bundesliga. Schon früh waren sie als Fans ihrer Väter bei den Spielen dabei. „Die saßen bei Auswärtsspielen in der letzten Reihe und haben Radau gemacht“, erinnert sich Klaus Brokelmann. „Wir wurden so frühzeitig eingebunden“, ergänzt Lars Müller.
Sie machen alles - Vom Thekenteam bis zur Geschäftsstelle
Stefan Müller, bis 1988 in der 2. Bundesliga aktiv, wechselte nach dem Erstligaaufstieg in die zweite Mannschaft und übernahm seitdem bis heute zahlreiche Aufgaben im Verein. Unter anderem gründete er zusammen mit Bruder Lars 2019 den Jugendförderverein und ist seitdem dessen Vorsitzender.
Außerdem war er 2. stellvertretender Vorsitzender, Co-Trainer der 1. Herren, und bis heute Co-Trainer der 2. Herren. Gemeinsam mit Ehefrau Silke und Sandra, Ehefrau von Lars, sorgt er im „Thekenteam“ seit langer Zeit für die Beköstigung der Fans bei den Heimspielen der 1. Herren. Die beiden Frauen übernehmen auch sonst vielfältige Aufgaben im Verein. Silke leitet unter anderem auch die Geschäftsstelle.

Lars Müller mit dem Neuzugang Mestrovic. Foto: Verein
Lars Müller begann ab der Saison 1990/91 in der ersten Männermannschaft. „Als Aushilfe“, wie er sagt, von 1993 bis 1996 dann fest. Nach einer Stippvisite beim TSV Bremervörde, engagierte sich Lars gemeinsam mit Bruder Stefan als Spielertrainer der 2. Herren, bevor 2000 mit der aktiven Karriere Schluss war. Lars Müller fungierte danach zwischen 2009 und 2013 als Co-Trainer der Ersten unter den Cheftrainern Ralf Böhme, Tomasz Malmon und Uwe Inderthal.
Dazu übernahm er bis heute zahlreiche Ämter: Jugendtrainer (2007-2012), Abteilungsleiter der Handballabteilung und 2. stellv. Vorsitzender des Vereins (seit 2017), Vorsitzender der JSG Fredenbeck/Stade/Harsefeld (seit 2020), Geschäftsführer der Handball GmbH (seit 2020).
Warum dieses Engagement einer Familie über Generationen?
Für Hans und Ludwig Müller war es zuallererst die Begeisterung für den Handball. „Wir waren begeisterte Fans.“ Lars Müller ergänzt: „Es war hier auf dem platten Land auch nicht so viel los.“ Die Generation Hans und Ludwig Müller habe den Grundstein gelegt, so Lars Müller weiter.
Durch den mehrfachen Aufstieg der Handballer bis in die 1. Bundesliga wurde im Dorf Euphorie geweckt. „Unsere Generation konnte ja gar nicht anders.“ Und auch das Engagement für das Ehrenamt sei ihnen in die Wiege gelegt worden. Schon Großvater Ludwig sei nach dem Krieg im Verein als zweiter Vorsitzender aktiv gewesen.
Wenn man das von Haus aus früh mitbekomme, wisse man, dass es ohne nicht geht. „Außerdem: man hat als Aktiver eine tolle Zeit erlebt, da will man etwas zurückgeben.“ Für die Müllers sei das eine Familienleidenschaft, so Silke Müller. „Es ist unser aller Hobby und Interesse.“
Es sei Aufwand. Aber die Arbeit sei für das Vereinsleben notwendig. „Darum machen wir sie einfach“, sagt Silke Müller. So beschreibt auch Lars Müller seinen Werdegang als Funktionär. „Der Job war vakant. Mich hat keiner gefragt. Ich bin hingegangen und hab gesagt: Ich mach’ das.“
Seitdem habe es auch schon mal geknirscht. Aber solange man Mitstreiter habe und die positiven Aspekte überwögen, mache er weiter. Er habe keine persönlichen Vorteile, ergänzt Lars Müller. „Aber ich kann gestalten“.
Sportlich setzt Lars Müller auf Konsolidierung
„Wir wollen stabil 3. Liga spielen und im oberen Tabellendrittel anklopfen.“ „Luftschlösser“, wie etwa ein Aufstieg in die 2. Liga sind nicht seine Sache, so der Geschäftsführer. Der Etat müsste sich mindestens verdreifachen. „Mir soll mal einer sagen, wo der herkommen sollte.“ Und für die ganze Abteilung gelte: „Wir wollen die Kinder von der Konsole wegholen.“

Jesper Müller im Einsatz für die Drittligamannschaft. Foto: Potreck (Archiv)
Die Kinder von Stefan und Lars Müller machen es vor. Jesper (Jg.2001), Jannik (Jg. 2002), Niklas (Jg. 2004) und Danny (Jg. 2005), er engagiert sich bereits zusätzlich als Jugendtrainer, schreiben schon heute als Aktive in erster und zweiter Mannschaft die Geschichte der Müllers im Fredenbecker Handball fort.
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