TDisco auf Rädern: Diese verrückten Seifenkisten schossen durch Harsefeld
Schubkarre gegen Eisenbahn - wer ist wohl schneller? Foto: Felsch
Wenn Opa von der Formel 1 träumt oder die Generation Y vom Disco-Fieber: Das TAGEBLATT hat beim 9. Harsefelder Seifenkistenrennen am Sonntag fünf kuriose Gefährte entdeckt.
Harsefeld. 53 Hobbypiloten gehen am Vormittag in der Herrenstraße an den Start - in den drei Klassen Junior (acht bis zwölf Jahre), Senior (ab zehn Jahren) und Fun (ab zwölf Jahren). Auch an die Minis haben die Veranstalter gedacht: Die Kleinsten dürfen mit ihren eigenen Bobbycars ihr Können beweisen.
Rund 35 - teils kuriose - Seifenkisten sind dabei - liebevoll und mit viel Fantasie hergerichtet. Der rote Traktor des Schülers Simon Stelljes fällt inmitten der schnittigen Rennschlitten genauso auf wie die zweckentfremdete Schubkarre des Unternehmens Raisa oder der flauschige Flokati-Flitzer.
Familienprojekt für guten Zweck
Die blaue Moor-Rakete der Familien Brunkhorst und Tobaben ist ein Gemeinschaftsprojekt, das dank Sponsoren verwirklicht werden konnte. Mehr als 500 Euro und etwa 75 Arbeitsstunden stecken drin.

Die alternative "Familienkutsche" der Familien Brunkhorst und Tobaben. Foto: Felsch
„Nach der Veranstaltung soll die Rakete allen Kindern aus Ahrensmoor, auch solchen, die sich so eine Seifenkiste nicht leisten können, zugute kommen“, sagt „Chefingenieur“ Heiko Brunkhorst, der das Geschoss auf eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer schätzt. Mit Rückenwind und bergab.
„Wir haben nur mal eben auf unserer Auffahrt getestet“, gibt er zu. Tatsächlich wurden beim Rennen 30 Stundenkilometer erreicht. Die Fahrer Hannes Brunkhorst (14), Janis Tobaben (13) und Hauke Brunkhorst (12) hatten trotzdem ihren Spaß.
Reifen, Bremsen und Gewicht geprüft
In der Fun-Klasse startet Moritz Neuber mit einer Nachbildung des historischen WUMAG-Triebwagen. Das Original stammt aus dem Jahre 1926. Ein dreiviertel Jahr - immer nach Feierabend - haben die Mitglieder von den Buxtehuder-Harsefelder Eisenbahn-Freunden an dem 2,40 Meter langen Holz-Model gebaut, mit dem sie jetzt zum dritten Mal dabei sind - auch, um Werbung zu machen.

Gehört zu den außergewöhnlichsten Fahrobjekten: der kleine rote Trecker von Abiturient Simon Stelljes. Foto: Felsch
Bei den beiden vorigen Rennen kamen sie unter die ersten drei Plätze, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende Martin Stubbe. „Die Nachbildung, die bis 150 Kilo zugelassen ist, hat einen recht großen Wendekreis, was das Rangieren nicht gerade einfach macht, aber beim Testlauf hat es geklappt“, erklärt Stubbe. „Wie jedes Fahrzeug hier, hat die DEKRA vorher geprüft, Reifen, Bremsen und Gewicht - alles hat gepasst“, freut er sich.
Formel 1 Ersatz am Start
Auffallend ist nicht nur ihre mit Häschen bemalte Seifenkiste, sondern auch der weiß-rosa Hasenhelm der jungen Pilotin. Hailey Szente friert zumindest nicht mit ihrem Kopfschutz. Zum ersten Mal startet die Achtjährige, die mit ihrer Familie aus Bremen angereist ist.

"Hase" Hailey mit Konstrukteur Horst Szente freut sich auf das Rennen. Foto: Felsch
„Sechs Monate, jeden Mittwoch, haben wir uns getroffen“, sagt Horst Szente - ein „alter Hase“ was Seifenkisten angeht. Früher hat er die „Schlitten“ für seine Söhne gebaut, heute für die Enkeltochter, die auf einer Seite ihre eigenen echten Hasen verewigt hat.
Bei der Probefahrt zu Hause war Hailey 15 Kilometer schnell - wieviel sie heute erreicht, darauf ist die ganze Familie gespannt, die fest die Daumen drückt.

Die Piloten Jake und Luke mit Opa Jens vor seinem Formel 1- Nachbau. Foto: Felsch
An eine schnittige Rennyacht erinnert der Speed Runner der Brüder Luke (8) und Jake (12) Michaelis aus Hamburg, die ihr Opa, als Ersatz für seinen Formel 1 Traum gebaut hat. Der Korpus besteht aus Mahagoni, veredelt mit Bootslack.
Disco auf vier Rädern
Um die 1 000 Euro ist die Seifenkiste wert - nur das Material - ohne die Arbeitszeit, die Architekt Jens Michaelis mit rund 80 Stunden beziffert. 70 bis 80 km/h Höchstleistung seien wohl möglich, so der 66-Jährige. Zuhause wurde sonntags für das Event trainiert, damit die Kids ein Gefühl für Opas Formel 1 Traum bekommen.

Mit dem Discoracer an den Start: Diana Michaelis aus Himmelpforten. Foto: Felsch
Diana Michaelis aus Himmelpforten schwelgt im Discofieber. Den fertig montierten Bausatz, den sich die 40-Jährige gekauft hat, um in Harsefeld mitzufahren, hat sie in Pastelltönen eingefärbt und mit Glitzer sowie mit CD‘s verschönert. In zwei Wochen war sie fertig. Danach folgte das Training - auf schrägen Nebenstraßen. 40 Sekunden braucht sie für die Rennstrecke. Auch ihr Vater und ihr Sohn sind mit eigenen Seifenkisten dabei.
Die Sieger beim 9. Seifenkisten-Rennen
Die Sieger des 9. Seifenkistenrennens am Sonntag in Harsefeld stehen fest. Das beste Ergebnis des Tages erreichte Hans-Georg Wiemken mit seinem Fahrzeug Raudi. Der Pilot der Senior-Klasse schaffte die Rennstrecke in knapp 35 Sekunden (34,75), womit Wiemken den ersten Platz in seiner Klasse belegte.
Junior-Klasse:
1.Platz: Hauke Brunkhorst mit Moor-Rakete (36,99)
2. Platz: Luke Michaelis mit Air Speed Runner (39,96)
3. Platz: Jake Michaelis mit Air Speed Runner (40,08)
Senior-Klasse:
1. Platz: Hans-Georg Wiemken mit Raudi (34,75)
2. Platz: Rainer Schied mit Die Klönschnackrunde (36,01)
3. Platz: Oskar Pflüger mit A-Team (36,61)
Fun-Klasse:
1. Platz: Ralf Flottmann mit Das Biest (35,33)
2. Platz: Pieth Krüger mit Tornado-Express (36,93)
3. Platz: Bent Tiedjen mit Tietjen (37,96)
Transparenzhinweis: In einer früheren Textfassung hieß es, der TÜV habe die Seifenkisten geprüft. Dies wurde korrigiert.
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