TDrittligaspieler Tjark Jonas belebt das Beckdorfer Spiel
Tjark Jonas setzt als Sportler viel auf Disziplin. Foto: Caro Klein (nomo)
Tjark Jonas ist zu seinem Heimatverein SV Beckdorf in die Regionalliga zurückgekehrt. Sportlich mag das ein Rückschritt sein. Doch das Gesamtpaket erklärt einiges.
Beckdorf. Nach vier Jahren bei Eintracht Hildesheim in der 3. Liga ist Tjark Jonas zu seinem Heimatverein SV Beckdorf in die Regionalliga zurückgekehrt. Ein interessanter Vorgang mit Hintergrund. Was auf den ersten Blick wie ein sportlicher Rückschritt aussehen könnte, soll ein wichtiger Step in die Zukunft sein.
„Manchmal ist ein kleiner Schritt zurück vielleicht ein großer Schritt nach vorn“, sagt sein Vater Sven Jonas und freut sich sehr, dass der ausgebildete Industriekaufmann parallel zum sportlichen auch das berufliche Angebot zum Firmen-Einstieg angenommen hat.
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Tjark Jonas ging mit 15 ins Handball-Internat nach Hildesheim und schaffte als einziger Spieler seiner damaligen Internatsmannschaft den Sprung in den Profikader. „Mein Ziel war und ist die 2. Bundesliga“, stellt der 23-jährige Linksaußen im gemeinsamen Gespräch mit dem TAGEBLATT klar.
Zurück in Beckdorf - da kommt auch der Spaß zurück
In Hildesheim sei zuletzt die Luft ein Stück weit raus gewesen. Die Mannschaft habe vor einem großen Umbruch gestanden, von 16 oder 17 Spielern erhielten zwölf keinen neuen Vertrag. „Im letzten halben Jahr ist mir der Spaß am Handball ein bisschen genommen worden“, erläutert Tjark seine Beweggründe für den Wechsel aus der Domstadt.
Die Rückkehr nach Beckdorf war deshalb eine bewusste Entscheidung. Noch bevor er mit seinem Vater sprach, telefonierte Tjark mit Robert Frahm. Beckdorfs Trainer kennt ihn noch aus seiner Jugendzeit beim Buxtehuder SV. „Ich wollte einfach wissen, wie es dort aussieht“, sagt Tjark. Erst danach sprach er mit seinem Vater per FaceTime. Dann nahm alles seinen Lauf.
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Heute sagt er mit einem Leuchten in den Augen: „Nach zwei Monaten bin ich total happy, dass ich das gemacht habe.“ Er habe viel Spaß mit der Mannschaft, bekomme vom Trainer Verantwortung und fühle sich pudelwohl. Vor allem sieht er Potenzial in dem jungen Team. Er selbst ist derzeit mit 20 Toren bester Beckdorfer Werfer, am Wochenende in Hameln traf er beim ersten Saisonsieg sieben Mal.
Beckdorf ist für ihn mehr als irgendein Verein
Hier ist er groß geworden. Und hier spielte auch sein Vater Sven einst Handball. Der 50-Jährige war als Rechtshänder Rechtsaußen, eine technisch anspruchsvolle Kombination. Mehr als 30 Jahre war er aktiv, einige Spiele davon in der 3. Liga. Später war er mehrere Jahre erfolgreicher Manager der Beckdorfer Mannschaft. „Heute bin ich nur noch Vater und Fan“, so der Mann, der den Verein einst mit in die 3. Liga führte.
Sven Jonas machte sich vor sieben Jahren mit 1-2-rohrfrei in Apensen selbstständig. Inzwischen gehören neben Tjark, dem ausgebildeten Industriekaufmann, elf Mitarbeiter zum Team. Perspektivisch soll sein Youngster eine Hamburger Niederlassung aufbauen, eigene Mitarbeiter einstellen und einen neuen Geschäftsbereich entwickeln.
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„Dass ich irgendwann mal mit einsteigen will, war klar“, sagt Tjark, der aktuell bei seiner Großmutter in Bliedersdorf wohnt. Die Frage sei nur gewesen, wann. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Und der Vater erlebt, dass sein Sohn dabei eigene Akzente setzt. Gerade beim Thema Social Media und mit neuen Ideen. „Er ist jung, er denkt anders als ich“, so Vater Sven.
Mit Disziplin ein besserer Sportler geworden
Dass die Familie ihre Kinder auf all ihren Wegen unterstützt, ist nicht selbstverständlich. Vier Jahre Internat in Hildesheim bedeuteten nicht nur eine sportliche, sondern auch eine finanzielle Investition. Schon vorher hatten die Eltern Tjark und seinen Bruder Mats bei ihren Interessen unterstützt. „Wir ermöglichen unseren Kindern alles, was wir können“, unterstreicht Sven. Entscheidend sei aber auch, dass die Jungs etwas dafür tun.
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Tjark tut das. Seine Disziplin hat ihn zu dem Sportler gemacht, der er heute ist. Als er 2018 nach Hildesheim ging, war er körperlich noch ein anderer Spieler. Trainerin Natascha Kotenko gab ihm damals mit auf den Weg, der „Babyspeck“ müsse weg. Der Blondschopf nahm die Herausforderung an, trainierte mehr und ernährte sich bewusster - und ohne Süßigkeiten.
Heute sieht er seine größten Stärken in Schnelligkeit und Wurfvariabilität. Nach Trainingsende wird oft noch mit Torhüter Markus Clever weiter geübt. „Seit acht Jahren bin ich verletzungsfrei“, berichtet der ältere der Jonas-Brüder mit einer Portion Stolz.
In der Jonas-Familie dreht sich viel um Sport
Seine vier Jahre 3. Liga haben ihn zudem selbstbewusster gemacht. Das Spiel dort sei körperlicher, dynamischer und schneller, sagt Tjark. Beckdorfs größte Stärke sei der Zusammenhalt. Jeder helfe jedem und vor allem könnten Probleme offen angesprochen werden.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zu Hildesheim. Dort war der Druck größer. Tjark sieht Beckdorf eher in der Underdog-Rolle. „Ich glaube nicht, dass irgendwer erwartet, dass wir jedes Spiel gewinnen“, sagt er. Die Absteiger aus der 3. Liga wolle man ärgern und schauen, was am Ende dabei herauskommt. „In dieser Mannschaft steckt viel Potenzial.“
Das gilt auch für sein Leben außerhalb des Handballs. Die Familie Jonas ist sportverrückt. Handball, Fußball, Motorsport – Sport gehört einfach dazu. Während Tjark in Hildesheim Handball spielte, entdeckten Vater Sven und sein jüngerer Sohn Mats erfolgreich den Rallycross-Sport. Mutter Nicole sorgte fürs Catering. Mats, inzwischen 19 und ausgebildeter Industriemechaniker, teilte sich zunächst das Auto mit dem Senior. Jetzt sitzt er allein am Steuer. Angefangen hatte alles mit einem Citroën C2 mit rund 300 PS. Vater Sven ist heute eher Sponsor und Teammanager.

Tjark Jonas ist derzeit Beckdorfs bester Schütze. Foto: Caro Klein (nomo)
Tjark blieb beim Handball. Dreimal Training, Spiel am Wochenende, zweimal Fitnessstudio und Vollzeitjob. Dazu kommt seit genau einem Jahr seine Freundin, die in Schwerin studiert. Rund 90 Minuten Autofahrt liegen zwischen den beiden. Viel Freizeit bleibt da nicht.
Der Traum von der 2. Bundesliga aber bleibt. Sollte irgendwann ein gutes Angebot kommen, würde sein Vater ihm keine Steine in den Weg legen. „Wir unterstützen ihn in jeder Phase seines Lebens, wo die Reise auch immer hingehen wird“, sagt Vater Sven.
Zunächst aber heißt Tjarks Weg, in Beckdorf Handball spielen, und gleichzeitig beruflich etwas aufbauen. Der vermeintliche Schritt zurück könnte damit tatsächlich der Beginn eines großen Schrittes nach vorne sein.
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