Schulunterricht

TDrochtersen: Wie sich der Religionsunterricht nach den Ferien ändert

Lehrkräfte wie Dominik Wolff begrüßen ihre Schüler ab August im Fach „Christliche Religion“.

Lehrkräfte wie Dominik Wolff begrüßen ihre Schüler ab August im Fach „Christliche Religion“. Foto: Buchmann

Ab dem 13. August taucht ein neues Schulfach im Lehrplan auf: „Christliche Religion“. Die Elbmarschen-Schule in Drochtersen ist eine der ersten im Landkreis Stade, die das umsetzt.

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Von Steffen Buchmann
30.06.2026, 05:50 Uhr

Drochtersen. Wenn die Schüler am 13. August in die Elbmarschen-Schule in Drochtersen zurückkehren, erwartet sie ein neues Schulfach. Mit Beginn des neuen Schuljahres führen die allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen schrittweise das Schulfach „Christliche Religion“ ein.

Bisher wurden niedersächsische Schülerinnen und Schüler in getrennten Fächern „Evangelische Religion“ und „Katholische Religion“ unterrichtet. Jetzt verantworten erstmals die evangelischen Kirchen und die katholischen Bistümer ihren Religionsunterricht gemeinsam in einem einheitlichen Schulfach.

Änderung betrifft Schüler der ersten und fünften Klassen

Dominik Wolff hat sich bereits intensiv mit der Umstellung beschäftigt. Seit zehn Jahren ist der Theologe Schulpastor an der Elbmarschen-Schule, seit zwei Jahren zusätzlich Beauftragter für Kirche und Schule im Sprengel Stade.

Schulpastor Dominik Wolff unterrichtet seit zehn Jahren Religionsunterricht.

Schulpastor Dominik Wolff unterrichtet seit zehn Jahren Religionsunterricht. Foto: Buchmann

Die Umstellung betrifft an der Drochterser Schule zunächst die ersten und fünften Klassen ab dem neuen Schuljahr. Alle anderen Klassen werden wie gewohnt unterrichtet, sagt Wolff. Separaten Religionsunterricht für katholische Schüler habe es bisher nicht an der Elbmarschen-Schule gegeben, dafür sei die Anzahl in den Jahrgängen zu niedrig gewesen. Die wenigen katholischen Schüler kommen deshalb im evangelischen Religionsunterricht unter.

Größerer Fokus auf Lebenswelten der Schüler

Der Religionsunterricht gehört in Niedersachsen zum Pflichtunterricht. Wer jedoch keiner oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehört oder sich aus anderen Gründen vom Religionsunterricht abmeldet, muss stattdessen das Fach „Werte und Normen“ besuchen.

„Die größte Veränderung liegt in der Schülerorientierung“, sagt Wolff. Man wolle im Lehrplan neben festgelegten Themen mehr auf die Lebenswelten von Schülern eingehen und schauen, wo in ihrem Alltag Verbindungen zur Religion bestehen. Die Themen Identität und Weltreligionen sollen mit einfließen, man werde jedoch weiterhin durch eine „christliche Brille“ schauen.

Niedersachsen als bundesweiter Vorreiter

Den Prozess, die bisherigen christlichen Religionsfächer zu einem zusammenzulegen, hat der Stader Superintendent Dr. Marc Wischnowsky über viele Jahre begleitet. „Bereits 2019 hat man sich die Frage gestellt, ob es eigentlich noch zeitgemäß ist, zwei getrennte Schulfächer zu unterrichten“, sagt er dem TAGEBLATT. Die Unterschiede in den Kerncurricula, also den landesweiten Lehrplänen, seien so gering, dass es nicht mehr zu rechtfertigen sei.

Superintendent Marc Wischnowsky begleitet den Prozess für das neue Religionsfach schon seit Jahren.

Superintendent Marc Wischnowsky begleitet den Prozess für das neue Religionsfach schon seit Jahren. Foto: Meyer

Das Land Niedersachsen nimmt mit dem einheitlichen Religionsunterricht eine Vorreiterstellung im Bundesgebiet ein. Konfessionelle Kooperationen gibt es jedoch seit Jahren bereits in anderen Bundesländern. „Es ist ein eindeutiges Signal“, betont Wischnowsky: „Wir trauen uns, das gemeinsam zu verantworten.“ Die Vorteile des neuen Modells sieht er vor allem in der Schulorganisation. Früher hätten Schulen Anträge beim Land stellen müssen, um konfessionell kooperieren zu können.

Wischnowsky: „Wir werden nicht eine Kirche.“

Es gibt jedoch auch Kritik an dem neuen Modell. Konservative Theologen würden dem vereinheitlichten christlichen Religionsunterricht vorwerfen, „die reine Lehre zu verwässern.“ „Das ist zu kurz gesprungen“, hält Wischnowsky dagegen. In anderen Bundesländern wie etwa Hamburg gebe es bereits erfolgreiche Unterrichtsmodelle mit anderen Religionsgemeinschaften wie etwa für muslimische Schüler.

Dem Vorwurf, dass im Lehrplan zu wenig Jesus vorkomme, stimmt Wischnowsky nicht zu. „Die Lehrpläne sind modernisiert und von den Schülern aus gedacht“, sagt er. Die Umsetzung soll jetzt schrittweise erfolgen, Lehrkräfte würden durch Fortbildungen darauf vorbereitet. Auch die theologische Lehre für angehende Religionslehrer an den Universitäten müsse sich verändern. Wischnowsky entwarnt jedoch: „Wir werden nicht eine Kirche, die Unterschiede müssen weiterhin herausgestellt werden.“

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