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Insekten

TDroht dem Kreis Stade ein Mückensommer?

Eine Stechmücke setzt auf der Haut zum Stich an.

Eine Stechmücke setzt auf der Haut zum Stich an. Foto: Uncredited/USDA Agricultural Research Service via AP/dpa

Regen und hochsommerliche Temperaturen im Wechsel: Was bedeutet das für die Mückenpopulation? Einer, der es wissen muss, ist Dr. Wolfgang Kurtze.

Von Wolfgang Kurtze und Anke Settekorn 20.07.2026, 05:50 Uhr

Landkreis. Der promovierte Biologe, Insektenfan und Hagener Dr. Wolfgang Kurtze zeigt in der TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ regelmäßig tierische und pflanzliche Wunderwelten. Nun teilt er sein Wissen zur Mücke mit uns.

Müssen wir uns im Kreis Stade auf eine Mückenplage einstellen?

Die Situation stellt sich noch nicht verschäft dar. Denn: Wir hatten eine längere Trockenperiode. Das war für die Entwicklung der Larven schlecht, weil das Wasser fehlte. Durch den zwischenzeitlichen Regen ist wieder Wasser vorhanden und es wurde wieder wärmer. Das begünstigt die Lage jetzt. Wenn die Wärme bleibt und weiterer Regen folgt und Pfützen, Tümpel etc. erhalten bleiben, dann könnte dies in einigen Wochen für die Stechmücken günstig sein.

Übrigens: Nur die weiblichen Mücken stechen. Sie benötigen das Blut zum Heranreifen ihrer Eier. Die Männchen sind völlig harmlose Blütenbesucher und Bestäuber.

Mücke ist nicht gleich Mücke

Neben den Stechmücken gibt es weitere Arten im Landkreis Stade.

Im Gegensatz zur Stechmücke reißt die Kriebelmücke (Foto) mit scharfen Zähnchen die Haut des Wirts auf, um an sein Blut zu gelangen.

Im Gegensatz zur Stechmücke reißt die Kriebelmücke (Foto) mit scharfen Zähnchen die Haut des Wirts auf, um an sein Blut zu gelangen. Foto: Dorian D. Doerge/Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum/dpa

Die sogenannten Kriebelmücken halten sich gern an fließenden Gewässern auf. Sie gehören nicht zu den Stechmücken. Die Kriebelmücke sticht ihre Opfer nicht, sondern beißt sie: Die Weibchen reißen ein Loch in die Haut und lecken das auftretende Blut auf. Wie ein Stich kann auch das recht unangenehm sein.

Eine tote Asiatische Tigermücke. In Südeuropa ist die gefährliche Krankheiten übertragende Asiatische Tigermücke schon länger heimisch, seit einiger Zeit breitet sie sich auch in Deutschland aus.

Eine tote Asiatische Tigermücke. In Südeuropa ist die gefährliche Krankheiten übertragende Asiatische Tigermücke schon länger heimisch, seit einiger Zeit breitet sie sich auch in Deutschland aus. Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

In Süddeutschland hat sie es sich bereits gemütlich gemacht: Weil sie tropische Erreger wie Dengue-, Chikungunya und Zika-Viren übertragen kann, wird vor der Asiatischen Tigermücke gewarnt. Im Landkreis Stade ist sie jedoch nicht heimisch - noch nicht.

Wie sieht der Lebenszyklus einer Mücke aus?

Im Frühjahr machen sich die befruchteten Weibchen sofort daran, Gewässer zu suchen. Denn Stechmücken brauchen für Eiablage und Entwicklung Wasser.

Aus den Mückeneiern schlüpfen die Larven, die sich schließlich verpuppen, um zur Mücke zu werden. Das Lebensalter der erwachsenen Tiere liegt bei ein bis vier Wochen. Je nach Witterung sind so sechs bis acht Generationen Stechmücken im Jahr möglich.

In der kalten Jahreszeit befinden sich Stechmücken in Winterstarre. Sie überwintern überall dort, wo es kühl, feucht und windstill ist, mit Vorliebe in Schuppen, Ställen oder Kellern. Dort bleiben sie für etwa fünf Monate.

Die weiblichen Mücken sind extrem zäh und durch eingelagerte Frostschutzmittel sehr gut an tiefe Temperaturen angepasst. 15 oder 20 Grad minus machen ihnen nichts aus. Auch Eier und Larven können je nach Temperatur überwintern. Die Mückenmännchen überwintern übrigens nicht, sie sterben im Herbst. Ihre Hauptaufgabe ist die Paarung.

Eine Mücke legt 400 Eier

Etwa 400 Eier legt eine Mücke in kleinen schwimmenden Paketen auf der Wasseroberfläche ab. Für die Produktion ihrer Eier benötigt sie Eiweiß. Das bekommt sie aus unserem Blut, indem sie uns sticht. Danach folgt die Eiablage auf der Oberfläche von Gewässern. Je mehr es geregnet hat, je mehr Wasser zur Verfügung steht, desto mehr Eipakete kann eine Mücke ablegen.

Wie gelangt die Mücke an unser Blut?

Mücken sind fies. Wenn sie uns stechen, merken wir es oft nicht. Denn Stechmücken landen fast unbemerkt auf unserer Haut. Wir registrieren es – wenn überhaupt – erst dann, wenn die Mücke bereits gestochen hat und den Abflug macht.

Wonach suchen Mücken sich ihre Opfer aus?

Stechmücken zeigen eine Vorliebe für bestimmte Personen. Frauen werden leider bevorzugt gestochen. Deren Geschlechtshormone scheinen für Mücken anziehend zu wirken. Auch die ausgeatmete Luft mit Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf zieht Mücken magisch an.

Hinzu kommen noch weitere Chemikalien, die Stechmücken kurz vor dem Einstechen und während des Saugens stimulieren. Es sind Mixturen von Zucker, Hämoglobin, Essigsäure oder Buttersäure. Jeder Mensch, er kann sich noch so gut duschen und waschen, trägt Spuren davon auf der Haut.

Gibt es Uhrzeiten, zu denen man sich besonders in Acht nehmen muss?

Die bevorzugte Flugzeit der Stechmückenweibchen ist die abendliche Dämmerung; also genau die Zeit, in der wir oft im Freien sitzen und vielleicht ein Glas Wein genießen möchten.

Es gibt übrigens eine Reihe von Arten unter den Stechmücken. Aedes-Stechmücken sind abends aktiv, die gemeine Stechmücke (Culex pipiens) und Anopheles-Stechmücke eher nachts. Die Mansonia-Stechmücke ist eine tagsüber stechende Art.

Was passiert bei einem Mückenstich?

Verfolgen wir ein Stechmückenweibchen beim Stechen: Die Mücke setzt sich zunächst sanft auf die Haut. Als Stechinstrument dient ein sehr dünnes, fein gezähntes, paariges Borstenbündel. Durch sehr schnelle Auf- und Abbewegungen wird es in der Haut versenkt. Das dauert nur wenige Sekunden. Das Saugen des Blutes ist in der Regel nach zwei Minuten beendet.

Wieso juckt ein Mückenstich?

Damit das Blut flüssig bleibt, wird vom Mückenweibchen schon während des Stichs ein die Gerinnung hemmendes Eiweiß hinzugesetzt. Dieses Eiweiß bewirkt zudem, dass Blut aus den Blutkapillaren rasch austritt. Für uns jedoch hat das Mücken-Eiweiß eine unangenehme Wirkung: Es bewirkt eine Immunreaktion. Der Körper schüttet vermehrt Histamin aus, das die Nervenenden in der Haut reizt. Der Stich schwillt an und juckt.

Dann hebt die mit Blut beladene Mücke ab. Sie muss jetzt etwa das Zweifache ihres Körpergewichts tragen können. Haben wir sie beim Stechen erwischt, dann erschlagen wir sie gnadenlos. Die tote Mücke hinterlässt einen Blutfleck, der aber keinerlei Gerinnung zeigt. Das bewirkten die Eiweiße in Darm und Stechborste der Mücke, die das Blut flüssig gehalten haben.

Was kann man gegen Mückenstiche tun?

Auf die Reizstoffe im Mückenspeichel reagiert unsere Immunabwehr - der Stich juckt. Doch es gibt einige Möglichkeiten, das lästige Jucken zu lindern:

  • Kälte: Durch Kühlen, zum Beispiel mit einem Kühlpack oder Eiswürfeln.
  • Creme oder Gel: Sogenannte Antihistaminika sind in Form von Cremes, Gels oder Stiften erhältlich. Sie sollen die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Histamin eindämmen. Als Gel kann es zusätzlich kühlend wirken, besonders, wenn es im Kühlschrank gelagert wurde.
  • Stichheiler: Sogenannte Stichheiler, spezielle Hitzestifte, sorgen mit Temperaturen von rund 50 Grad dafür, dass die Eiweiße aus dem Mückenspeichel, die den Juckreiz verursachen, zerstört werden.

So macht man es den Mücken schwer

Auch vorbeugend kann man etwas tun, um nicht gestochen zu werden.

  • Mückenspray: Viele Produkte enthalten den Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid), der zwar guten Schutz bietet, aber auch zu Augenreizungen und allergischen Hautreaktionen führen kann. Wer empfindlich reagiert, kann auf Icaridin umsteigen - oder es mit Kokosöl probieren. Der Verbraucherzentrale zufolge können bestimmte Fettsäuren aus dem Kokosöl Mücken ähnlich stark abschrecken wie DEET. Wenn man sich auch vor der Sonne schützen will: Erst die Sonnencreme auftragen und danach das Mückenspray. Wer mindestens 20 Minuten wartet, stellt sicher, dass beide Produkte gut wirken können.
  • Kleidung: Eine dünne Schicht Stoff, die eng am Körper anliegt? Das ist kein Hindernis für eine Mücke - sie kann hindurchstechen. Wer sich für lockere Schnitte und dicht gewebte Stoffe entscheidet, macht es den Blutsaugern deutlich schwerer.
  • Mücken aussperren: Insektengitter am Fenster, feinmaschige Netze über dem Bett oder auch dem Kinderwagen können vor Stichen schützen.

Auch wenn Mücken lästig sind - weshalb sind sie wichtig für die Natur?

Was würde passieren, wenn es plötzlich keine Mücken mehr gäbe? Für viele Menschen sind Mücken einfach lästig und manch einer würde sie am liebsten für immer loswerden.

Doch für die Natur sind sie wichtig: Im Landkreis Stade leben zum Beispiel Wasserfledermäuse, die mit Begeisterung Mücken (auch Stechmücken) jagen und fressen. Diesen würde eine wichtige Nahrungsquelle fehlen. Auch Vögel, Fische oder Amphibien greifen gern bei Mücken und ihren Larven zu.

Dr. Wolfgang Kurtze am Mühlenteich in Hagen.

Dr. Wolfgang Kurtze am Mühlenteich in Hagen. Foto: Klempow

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