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Naturphänomen

TEin Krebs-Zwerg als Mini-Sensor für den Zustand von Gewässern

Bachflohkrebse.

Bachflohkrebse. Foto: Reinhard Paulin

Als Nahrungsmittel uninteressant, aber für die Wissenschaft wichtig ist der Bachflohkrebs. Er ist ein Indikator dafür, wie es seiner Umwelt geht.

Von Wolfgang Kurtze Sonntag, 11.05.2025, 11:57 Uhr

Landkreis. Speisekrebse haben einen harten Panzer und besitzen meist fünf Beinpaare, von denen das erste Laufbeinpaar als Zange umgebildet ist. Gestalt und Zangen dieser Krebse müssen aber nicht so mächtig ausfallen wie beim Hummer oder Taschenkrebs. Es gibt auch viel kleinere Krebse ohne Scheren. Kellerasseln oder Wasserflöhe sind ein Beispiel dafür.

Der kleine Krebs zeigt an, wie es um den Bach steht

Auch der nur ein bis zwei Zentimeter lange Bachflohkrebs hat keine Scheren wie manche seiner großen Verwandten. Als Nahrungsmittel ist er auch völlig uninteressant. Aber für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich mit der Biologie und Chemie des Süßwassers beschäftigen (Limnologen) oder für Angler hat der Bachflohkrebs eine immense Bedeutung: Sein Vorkommen zeigt an, wie es um die Güte eines Gewässers bestellt ist, er ist ein Umweltindikator.

Denn dieser Krebs-Zwerg stellt hohe Ansprüche: Er ist extrem empfindlich gegenüber Pestiziden. Gülle-Einträge, auch in kleiner Menge, mag er gar nicht. Bei zu geringen Sauerstoffmengen stirbt er. So ist das unscheinbare Kleintier ein Mini-Sensor für Gewässergüte.

Schlüsselstellung beim Recycling im Gewässer

Außerdem nimmt der Bachflohkrebs eine Schlüsselposition im Gewässer ein: Er nagt im Wasser an Blättern oder Zweigen und baut sie damit ab. Die dabei frei werdenden Reste dienen noch kleineren Organismen als Nahrung. Einzeller und Bakterien profitieren von diesen Abfällen und zersetzen sie weiter. So nehmen Bachflohkrebse beim Recycling im Gewässer eine Schlüsselstellung ein. Zugleich ist dieser Minikrebs eine wesentliche Nahrungsquelle für Fische. Es verwundert nicht, dass Bachflohkrebse häufig Gegenstand der Forschung sind.

Im fließenden Wasser sind Bachflohkrebse auf den ersten Blick nicht leicht zu entdecken. Sie verstecken sich vor ihren Feinden gern unter Steinen und ihrer Lieblingsspeise, den Blättern. Werden sie aufgescheucht, dann krabbeln sie - oft in Seitenlage - wuselig davon. Die deutlich größeren Männchen sind von den kleineren Weibchen gut zu unterscheiden. Häufig laufen sie zur Paarungszeit eng aneinander geklammert umher. Sie können sich nur nach der Häutung erfolgreich paaren. Deshalb ergreift das Männchen schon einige Tage vor der Häutung das Weibchen. Die etwa 50 befruchteten Eier trägt das Weibchen auf der Bauchseite etwa drei Wochen umher.

Auch die kleinen geschlüpften Jungkrebse werden von der Mutter im Bauchraum noch zwei Tage behütet, bis sie ins Bachwasser entlassen werden. Dann beginnt das eigenständige Leben der quirligen Krebslein. Nach einigen Monaten sterben sie. Wird aber ein Bach mit Schadstoffen geflutet, dann geht ihr Leben jäh zu Ende. Mitunter können in einigen Seitenbächen noch einige Krebse überleben und das Gewässer wieder langsam besiedeln. Doch der Schaden ist erheblich. Das gesamte System ist für Monate, wenn nicht sogar für Jahre geschädigt.

Buch und Serie

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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