Zähl Pixel
Landkreis-Ikone

TEin Tausendsassa wird 80: Dirk Ludewig haucht Drochtersen Leben ein

Immer hilfsbereit, engagiert, kreativ, auch mit 80 Jahren: Dirk Ludewig, wieder auf dem Sprung.

Immer hilfsbereit, engagiert, kreativ, auch mit 80 Jahren: Dirk Ludewig, wieder auf dem Sprung. Foto: Bisping

Ohne das ehrenamtliche Engagement des Drochtersers Dirk Ludewig wäre die Region um viele Veranstaltungen ärmer. Über ein Multitalent, das am heutigen Freitag 80 Jahre alt wird.

author
Von Alexandra Bisping
Freitag, 27.02.2026, 18:00 Uhr

Drochtersen. Sport, Moderation, Musik machen, Events organisieren oder die eigenen Auftritte: Der Kehdinger Dirk Ludewig ist ständig in Bewegung und im Landkreis bekannt wie ein bunter Hund. Auf der Couch liegen, nein, das könne er nicht, sagt der Mann, der das Vergnügen nach Drochtersen gebracht hat, seit Jahrzehnten in Altenheimen und bei Kinderfesten Stimmung macht und für Freude bei den Menschen sorgt, alles ehrenamtlich. Daran will er nichts ändern.

Puppentheater und Moderation beim Bund

Sein Talent zum Entertainer entdeckt der gebürtige Gronauer früh: Mit zwölf Jahren begeistert er die Nachbarkinder mit Kasperletheater. „Es ging immer um eine Prinzessin und Entführung“, erinnert er sich heute noch. Für Atmosphäre sorgt ein 16-jähriger Freund mit Zigarettenqualm hinter den Kulissen.

In Elze bei Hildesheim macht Ludewig Abitur, sein Vater möchte, dass er BWL studiert. Dass das nicht passte, habe er schnell gemerkt. Der Bund zieht ihn ein. Dort kann er moderieren, zumindest etwas. „Von 7 bis 7.30 Uhr morgens hab ich immer die Tagesnachrichten vorgetragen“, sagt Ludewig.

Drochtersen: keine Liebe auf den ersten Blick

Ludewig studiert in Göttingen Geschichte, Deutsch und Sport auf Lehramt. 1972 landet der junge Pädagoge mit einem Freund in Drochtersen. Er kann dort unterrichten. Doch in der Gemeinde herrscht tote Hose. „Wir wollten so schnell wie möglich wieder verschwinden“, sagt Ludewig. Gemeindedirektor Eckhardt kann ihn mit einem Mietzuschuss locken. Ludewig bleibt.

Dirk Ludewig als „Posterboy“ mit Anfang 20.

Dirk Ludewig als „Posterboy“ mit Anfang 20. Foto: privat

Dirk Ludewig bei einer Sportveranstaltung - auch am Megafon ein Profi.

Dirk Ludewig bei einer Sportveranstaltung - auch am Megafon ein Profi. Foto: privat

Das Multitalent unterrichtet an der Elbmarschen-Schule, ist später Fachbereichsleiter, engagiert sich als Lehrer-Prüfer und Schulbuchbegutachter. Das Abschiedsgeschenk des Kollegiums zu seiner Pensionierung: 300 Kugelschreiber, verpackt in einer großen Schultüte. Dirk Ludewig lächelt schelmisch. „Kulis hatte ich nie, die musste ich mir immer leihen“, erklärt er das urige Präsent.

Musik und Sport prägen sein Leben

Außerhalb des Jobs erwartet den Ehrenamtlichen ein prall gefüllter Terminkalender. Musik und Sport stehen ganz oben. Ludewig erzählt von seiner ersten Band, noch zu Schulzeiten, er am Schlagzeug – bis heute ist das sein Instrument. Das Potenzial der jungen Musiker ist damals noch nicht ganz ausgereift, der erste Auftritt ein Desaster: Die Band fliegt aus der Kneipe. Bis heute hält sich Ludewig für einen „nicht so guten Schlagzeuger“.

Dirk Ludewig mit Jürgen Drews, einem der Schlagerstars, die er nach Drochtersen geholt hat.

Dirk Ludewig mit Jürgen Drews, einem der Schlagerstars, die er nach Drochtersen geholt hat. Foto: privat

Dirk Ludewig als Trainer beim LG Kehdingen (Zweiter von links, hinten).

Dirk Ludewig als Trainer beim LG Kehdingen (Zweiter von links, hinten). Foto: privat

Doch in Drochtersen läuft es anders: Ludewig gründet mit Matthias Rambow die Gruppe Stoorm, die unter anderem bei Kindermaskeraden auftritt. Die Gründung der Blue Mountain Boys (später Blue Mountain Band) folgt, 2004 treten die Musiker in der Festhalle als Vorband von Truck Stop auf. Auch die ersten Autokonzerte zu Corona-Zeiten gehen auf das Konto des kreativen Machers. „Unglaublich viele Menschen sind da gekommen“, sagt Ludewig.

Bitte einen Trommelwirbel für den Jubilar: Seit seiner Jugend spielt Dirk Ludewig Schlagzeug.

Bitte einen Trommelwirbel für den Jubilar: Seit seiner Jugend spielt Dirk Ludewig Schlagzeug. Foto: privat

„Ich habe versucht, in Drochtersen Schwung in die Gemeinde zu bringen“, resümiert er. Mit dem engagierten Wirt Jürgen Kandziora bringt Ludewig Steine ins Rollen, holt außer Truck Stop auch The Lords in die Gemeinde. Bands zu engagieren wird schnell zu einer weiteren Leidenschaft.

Ludewig holt die Topstars in die Provinz

In den folgenden knapp vier Jahrzehnten treten Schlagergrößen wie Dieter Bohlen, Boney M. und Smokie in der Festhalle auf, auch Drafi Deutscher, Torfrock und Jürgen Drews. „Riesenkonzerte, fast immer ausverkauft“, sagt er. Heute sei das kostenmäßig nicht mehr zu stemmen. In der Gemeinde-Chronik von 2024 verleiht ihm Herausgeber Günter Heinsohn den Ehrentitel „Kultursenator und ältester DJ“.

Mit vielen Künstlern ist Dirk Ludewig bis heute befreundet. Am meisten verehrt er eine britische Kultband: „Die Stones sind mein Leben“, sagt er und geht auf beinahe jedes Konzert in Deutschland. Das Zungen-Logo der Band lässt der Mega-Fan sich auf den Oberarm tätowieren. In den 90ern gelingt es ihm am Eingang des Hamburger Atlantik-Hotels, Mick Jagger vor die Linse zu bekommen, allerdings ohne brauchbares Ergebnis. „Ich war so aufgeregt, das Foto war total verwackelt.“

AC/DC im Altenheim

Ludewigs ehrenamtlicher Einsatz beschert der Region den Kunstmarkt und den Ferienspaß, beide werden in diesem Jahr 50. Auch das Drachenfest hat er initiiert. Ebenfalls bemerkenswert sind seine Auftritte bei Kinderfesten und in Altenheimen im Landkreis, allein dort hat er in drei Jahren 75-mal den Entertainer gegeben. Zwei Stunden lang lässt er es mit aufblasbaren Gitarren und AC/DC krachen. Sein Lohn: Wertschätzung und Begeisterung seitens der Senioren. „Es macht mir Spaß, Menschen glücklich zu machen“, sagt er.

Glücklich ist der Jubilar auch, wenn er bei Kindermaskeraden auftritt und „die Schüchternen sich plötzlich trauen, auf die Bühne zu gehen und zu performen“. Für junge Menschen ist Ludewig gerne da: Mehr als 15 Jahre lang verrichtet er Jugendarbeit und führt ehrenamtlich die Drochterser Teestube. „Das war eine unheimlich schöne Zeit“, sagt er rückblickend. 2012 erhält Dirk Ludewig das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement.

Im Sport glänzt der Tausendsassa ebenso, zum Beispiel als erfolgreicher Leichtathlet, der mit mehr als sieben Metern im Weitsprung in der deutschen Spitze mitmischt. „Das schaffe ich heute nicht mehr“, sagt Ludewig grinsend. Als Trainer der Leichtathletik-Gemeinschaft Kehdingen zeigt er Talent, sein erfolgreichster Zögling ist André Funck: Der Dornbuscher wird Deutscher Jugendmeister im Achtkampf. Kleine Leichtathleten trainiert Ludewig immer noch, außerdem ist er seit mehr als 45 Jahren im Vorstand des TVG Drochtersen. Auch das Mikrofon ist seins, unter anderem ist er seit 15 Jahren Stadionsprecher in Drochtersen. Sein Wunsch: „Ein Aufstieg in die 3. Liga wäre toll.“

SPD: Ludewig kandidiert für Gemeinderat

Und da ist noch die Politik, seit 1976 ist Dirk Ludewig in der SPD. „Ich bin eingetreten und habe gleich für den Gemeinderat kandidiert“, sagt er. 80 Stimmen bekommt Ludewig bei seiner ersten Wahl, 1200 sind es bei der jüngsten. Das waren die zweitmeisten, bilanziert er stolz. Einmal kandidieren will er noch. Stellvertretender Bürgermeister in Drochtersen ist Ludewig seit zehn Jahren außerdem – auch das ein Ehrenamt.

„Was passiert in Drochtersen, wenn du nicht mehr kannst?“, werde er häufig gefragt. Die prompte Retoure im Ludewig-Stil: „Ich fühle mich so fit, ich mache weiter.“

Hauptorganisator und Sprecher Dirk Ludewig beim Silvesterlauf 2025.

Hauptorganisator und Sprecher Dirk Ludewig beim Silvesterlauf 2025. Foto: Daniel Berlin

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel