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TEin ausgezeichneter Freiburger Schütze: Große Ehre für Gerhard Umlandt

Gerhard Umlandt mit einer Holzskulptur unter seinem linken Arm in der Halle seines Obsthandel-Familienbetriebs.

Freiburgs neuer Vereinsmeier: Gerhard Umlandt mit der Holzskulptur als Dank für sein Ehrenamt. Foto: Meyer

Es ist ein Preis der etwas anderen Art, den die Gemeinde Freiburg vergibt: der Vereinsmeier. Der ging jetzt an Gerhard Umlandt. Wer ist dieser Mann?

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Von Thies Meyer
Samstag, 31.01.2026, 15:50 Uhr

Freiburg. Gerhard Umlandt (82) steht vor der Sortiermaschine. Rot-grüne Elstar-Äpfel baden in Wasser und werden nach Größe und Farbe sortiert. Der Senior beim Obstgroßhandel Umlandt könnte jetzt in seiner Wohnung nebenan hocken. Eigentlich. „Das ist zu langweilig“, sagt er. Er ist lieber noch mittendrin.

Ein bisschen bringe er sich noch im Familienbetrieb ein. Der gelernte Großhandelskaufmann hat Lust, seine Enkelsöhne zu unterstützen, die den Betrieb in dritter Generation leiten. Umlandt lacht über sich selbst: „Ich bin nur noch die graue Eminenz.“ Unter seinem linken Arm klemmt eine aus Holz geschnitzte Figur. Glatze, Knollnase, kein Mund, ein dicker Bauch: Das ist der Vereinsmeier. Mittendrin ist er auch im Ehrenamt.

Umlandts Weg von Neulandermoor nach Freiburg

Die von Künstler Jonas Kötz geschnitzte Holzskulptur erhielt Umlandt jüngst im Freiburger Kornspeicher für sein jahrelanges Engagement in der Freiburger Schützengilde. Es ist eine Auszeichnung mit Augenzwinkern: Ein Vereinsmeier kümmert sich um alles und übertreibt für den Geschmack der anderen Mitglieder dabei manchmal.

Beeindruckt von dem Moment, den er „so schnell nicht vergessen“ wird, trat Umlandt im Kornspeicher zur Spontan-Rede ans Pult. Ihm war wichtig, an die Mitbürger zu appellieren: Engagiert euch ehrenamtlich - um das, was wir jetzt haben, zu erhalten.

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Das macht er schon seit 45 Jahren in der Freiburger Schützengilde, 28 Jahre davon im Vorstand. Den Mann aus Neulandermoor - dort ist Umlandt mit zwei Brüdern auf einem Hof aufgewachsen - zog es 1979 nach Freiburg. In dem Jahr gründete er den Familienbetrieb. 1980 trat Umlandt der Freiburger Schützengilde bei.

Freiburgs neuer Vereinsmeier: Gerhard Umlandt mit der Holzskulptur als Dank für sein Ehrenamt.

Freiburgs neuer Vereinsmeier: Gerhard Umlandt mit der Holzskulptur als Dank für sein Ehrenamt. Foto: Meyer

Schütze ist er schon länger, seit 1962, als er 19 Jahre alt war. Zuvor engagierte er sich im Schützenverein Neulandermoor. „Mein Herzblut hat immer ein bisschen für das Schützenwesen geschlagen.“ Von 1990 bis 2000 war Umlandt zweiter Schäffer, Kassenführer. Von 2000 bis 2018 war er Kommandeur, Vorsitzender. 2018 wurde er als Ehrenkommandeur entlassen. Grabreden hält er heute noch, wenn er für seinen Nachfolger einspringen muss.

Als die Zukunft des Freiburger Spielmannszugs auf dem Spiel stand

Eine Frage des Geldes war Umlandts größte Herausforderung. Der 60-köpfige Spielmannszug hatte sich bis 2016 „schlagartig“ verjüngt und wollte neue Spielmannszug-Uniformen statt der veralteten weißen Kittel und schwarzen Hosen. Umlandt musste den Spielmannszug enttäuschen. Es war kein Geld da, um allen Spielleuten eine 350 Euro teure Uniform zu finanzieren.

Doch Umlandt & Co. gewannen Spender für sich. 21.000 Euro kamen zusammen. „Seitdem fühlen sich die jungen Leute richtig wohl“, sagt der Freiburger. Dieser „Anstoß, um die Truppe zusammen zu halten“, fühlte sich wie eine Rettung an. Ohne das Eintreiben der Spenden, wäre die Zukunft des Spielmannszugs fraglich gewesen.

Geschichte der Schützengilde erforscht

Aufwändig war für ihn auch die Festschrift. 2023 schrieb er aus 428 Jahren Gilde-Geschichte Ereignisse und Anekdoten auf. „Wenn einer etwas verbrochen hatte, musste der eine Tonne Bier bezahlen“, erinnert sich Umlandt. Ein halbes Jahr verschriftlichte er die Geschichte der Gilde, manchmal forschte er einen ganzen Tag in der Vergangenheit.

Er sieht das Vereinsleben im Dorf intakt. Früher hätten die Vereine missgünstig aufeinander geblickt, so Umlandt. Heute herrscht keine Missgunst. Mehrmals treffen sich Schützengilde, Sportvereine oder Feuerwehr im Jahr und stimmen Termine ab. Wenn ein Verein etwas zu feiern hat, feiern die anderen mit.

Welche Werte im Ehrenamt zählen - und ein Überlebenstipp

„Ich kann ein Vorstandsamt nur so lange machen, solange ich auch eine gute Kameradschaft habe innerhalb des Vorstands“, so Umlandt. Er hatte Glück und immer Leute um sich, „die mitgezogen haben“. Doch es darf gerne über die Kameradschaft hinausgehen.

Damit ein Vorstand funktioniert, sollten die Amtsträger „freundschaftlich verbunden sein“. Kameradschaft oder sogar Freundschaft stärken das Vertrauen. Wer vertraut und dabei dem Gegenüber zuhört, hat das Erfolgsrezept für gute Zusammenarbeit. Zuhören ist am Verhandlungstisch bei den Umlandts mit Opa, Sohn und Enkeln die Grundlage, um gute Entscheidungen zu treffen. So ist es auch in der Gilde.

Als Unternehmer rät er noch zu einer Weisheit, die im Ehrenamt und in Firmen helfen kann: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, die Schnellen fressen die Langsamen.“

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