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Jonas Wahlers (36)

TEin fast vergessenes Handwerk – der Messerschmied aus Bülstedt

Gut geschützt schleift Jonas Wahlers das Stück Stahl zu einem extrem scharfen Küchenmesser.

Gut geschützt schleift Jonas Wahlers das Stück Stahl zu einem extrem scharfen Küchenmesser. Foto: Matthiesen

Bei Jonas Wahlers wird in seiner Werkstatt aus einem Stück Stahl ein Messer. Es begann mit einer kindlichen Faszination.

Von Ernst Matthiesen 06.09.2026, 11:00 Uhr

Bülstedt. Nur ein kleines Schild weist in Bülstedt in der Langen Straße auf die Messerschmiede von Jonas Wahlers hin. Sie befindet sich in einem alten Schuppen, der lange Zeit als Hühnerstall genutzt wurde, bevor er später zu einer Oldtimerwerkstatt umgebaut wurde.

Mittlerweile wird hier aber nicht mehr geschmiedet, sondern es werden Messer hergestellt. „Als Kind habe ich immer die Prospekte mit der Outdoor-Ausrüstung durchgeblättert und war von den ganzen Messern fasziniert. Da hat mir mein Vater mein erstes Taschenmesser geschenkt - ein kleines Schweizer Victorinox, das war in meiner Schultüte“, erinnert sich der 36-Jährige.

Jonas Wahlers ist stolz auf seine Messer, die er alle in mühsamer Handarbeit herstellt.

Jonas Wahlers ist stolz auf seine Messer, die er alle in mühsamer Handarbeit herstellt. Foto: Matthiesen

Arbeit in der Werkstatt als Ausgleich zur Arbeit am Computer

Aus der damaligen Faszination entstand aber erst vor einigen Jahren der Wunsch, selbst Messer herzustellen. Denn zunächst studierte Jonas Wahlers Grafikdesign und wurde anschließend als Grafiker in einer Bremer Firma tätig. „Dort sitze ich natürlich die ganze Zeit am Computer, deshalb suchte ich nach einem Ausgleich zur Bildschirmarbeit. Als ich wieder nach Bülstedt auf den Hof meiner Eltern gezogen bin und die leer stehende Werkstatt sah, kam mir sofort der Gedanke: Hier kannst Du Messer herstellen“, sagt er.

Das war vor sechs Jahren. Zuerst baute er sich eine Bandschleifmaschine. Das war wichtig, um das Ganze überhaupt ausprobieren zu können. Der 36-Jährige versuchte, Klingen aus alten, stählernen Weideposten zu schleifen. „Als ich dann gemerkt habe, dass das funktioniert und meine Klingen richtig gut schneiden, hat es mich so richtig gepackt - und ich habe mich in die Materie noch tiefer eingearbeitet“, erzählt Jonas Wahlers.

Bülstedter Küchenmesser in kleiner Auflage.

Bülstedter Küchenmesser in kleiner Auflage. Foto: Matthiesen

Aber bevor er richtig loslegen konnte, musste er kräftig in die Maschinen investieren. Eine computergesteuerte Fräse, ein Standbohrer, eine Bandsäge sowie ein spezieller Brennofen mussten her. Vor drei Jahren war es jedoch soweit - und der Bülstedter konnte unter dem Namen „Jons Knives“ seine ersten Messer anbieten. „Ich war auf vielen Märkten und Messen unterwegs - und habe gemerkt, dass es eine echte Zielgruppe für meine Messer gibt. Da ich in erster Linie Küchenmesser in kleiner Auflage fertige, sind meine Kunden vor allem ambitionierte Hobbyköche.“

Bülstedter steckt viel Zeit in die Herstellung seiner Messer

Die handgefertigten Klingen und die selbstgefertigten Holzgriffe sind jedenfalls ein echter Hingucker - aber ihre Herstellung kostet natürlich viel Zeit und Arbeit. Ein einziges Messer zu fertigen dauert etwa einen Tag. „Man muss aus dem Flachstahl erst mal die Kontur der Klinge herausarbeiten, danach kommt sie in den Brennofen. Dort wird die Klinge auf bis zu 1.000 Grad erhitzt und anschließend in einem Ölbad abgeschreckt. Anschließend kommt sie nochmal in den Ofen, später wird die Klinge an der Bandschleifmaschine ausgeschliffen - das sind so die groben Schritte“, erläutert der Messerschmied.

Dann muss aber auch noch der Holzgriff aus einem Stück Naturholz gefertigt werden, und zu guter Letzt wird genauestens überprüft, wie das Messer in der Hand liegt und ob das Gewicht richtig verteilt ist. „Die Qualitätskontrolle macht im Grunde meine Freundin. Jedes Messer geht auch einmal durch ihre Hände, weil sie einfach ein sehr gutes Auge dafür hat, wo Macken oder Unstimmigkeiten sind“, lacht Jonas Wahlers.

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