T„Ein neues Zeitalter“: Fredenbecker Apotheke hat eine junge Nachfolgerin
Laura Lepenies sieht die Apotheken in ein neues Zeitalter gehen. Am 1. Juli hat sie die Geestland Apotheke in Fredenbeck übernommen. Foto: Fehlbus
Sie traut sich als junge Frau ins Unternehmertum - in einer Branche, die vor einem großen Umbruch steht. Laura Lepenies übernimmt die Geestland Apotheke in Fredenbeck.
Laura Lepenies ist 30 Jahre alt und hat gerade ihre Tätigkeit am Universitätsklinikum Heidelberg in der klinischen Pharmakologie beendet, um die Apotheke ihrer Mutter Annette Lepenies zu übernehmen. Die Entscheidung, in die Selbstständigkeit und zurück in die Heimat zu gehen, hat sie ganz bewusst getroffen.
Annette und Lüder Lepenies haben die Geestland Apotheke in Fredenbeck an ihre Tochter Laura Lepenies (Mitte) übergeben. Foto: Fehlbus
„Es war nicht immer mein Plan“, gesteht die gebürtige Deinsterin, aber nach fast zehn Jahren Ausbildung möchte sie besonders ihr Wissen im Bereich Arzneimitteltherapiesicherheit zum Wohl der Kunden der Geestland Apotheke Fredenbeck einsetzen. „Ich freue mich, dass ich Arbeitsplätze vor Ort schaffen kann, und ich bin dankbar, dass das gesamte Mitarbeiterteam der Apotheke von mir übernommen werden kann“, sagt sie.
Apotheke bleibt in Familienhand
Seit 1994 gibt es die Geestland Apotheke in der Bahnhofsstraße in Fredenbeck. Eine Übernahme ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt geplant gewesen. Doch die Aussicht, dass sie in Familienhand bleibt, hat Annette Lepenies (65) und ihren Mann Lüder Lepenies (70) dazu bewogen, künftig gemeinsam die anderen beiden Apotheken des Familienverbundes in Selsingen (Geestland Apotheke Selsingen) und Stade (Apotheke am Hohenwedel) zu betreiben.
Es mache sie als Eltern sehr stolz, dass ihre Tochter das, was sie aufgebaut haben, weiterentwickeln möchte – auch wenn die Branche allgemein unter Druck stehe und dringend auf eine wirtschaftliche Stabilisierung warte.
Apothekensterben: Lange Wege im Notdienst
Das Apothekensterben in Deutschland ist längst mehr als eine Schlagzeile. Es hat dazu geführt, dass der niedrigste Stand an Apotheken seit 50 Jahren erreicht ist. 2004 gab es rund 21.000 Apotheken. Zum Jahresende 2025 waren es bundesweit noch 16.601. Seitdem ist quasi jede vierte Abgabestelle verschwunden.
Zahl der Apotheken sinkt auf Tiefstand seit fast 50 Jahren
Wenn die Apotheke plötzlich schließt
Der konkrete Blick in den Landkreis Stade: In Harsefeld gibt es derzeit noch zwei von ehemals vier Apotheken, auch in Buxtehude und Stade haben in den vergangenen Jahren jeweils zwei geschlossen. „Tagsüber fällt es nicht so auf“, sagt Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen und Inhaber der Rats-Apotheke in Horneburg.
Aber der Notdienst in der Nacht verteilt sich auf immer weniger Apotheken. Die Belastung für jeden Einzelnen steigt. Und wer nach 18 Uhr als Patient in der Notfallambulanz im Krankenhaus ein Rezept bekommen hat, muss teilweise weit fahren, um es einzulösen.
Wirtschaftlichere Betriebsführung für Apotheken
Versandapotheken sind in diesen Momenten keine Hilfe. Darauf verweisen auch die Apotheker vor Ort immer wieder. Wer schnell ein vielleicht lebenswichtiges oder schmerzlinderndes Medikament braucht, der weiß den Dienst vor Ort wieder zu schätzen.
Rechtlich verändert sich gerade einiges: „Zum Erhalt eines flächendeckenden Apothekennetzes auch im ländlichen Raum sind Rahmenbedingungen erforderlich, unter denen Apotheken eine wirtschaftlichere Betriebsführung ermöglicht wird“, heißt es in der Vorlage für die Bundesratssitzung. Am 10. Juli soll hier die Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen beraten werden. Mit Spannung blicken nicht nur Apotheker auf dieses Datum.
Ausbau zu Zentren der Primärversorgung
Die Apotheken könnten bald eine noch größere Rolle im Gesundheitssystem spielen. Im Gespräch ist, diese zu Zentren der Primärversorgung auszubauen. Im Mai hat der Bundestag eine Apothekenreform beschlossen. Im Faktenblatt geht es um die Stärkung von Landapotheken und erweiterte Kompetenzen wie Impfen, Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie nach ärztlicher Schulung venöse Blutentnahmen.
Der Ansatz, „niederschwellige Gesundheitsangebote“ aus den Praxen herauszulösen, wurde etwa beim Pilotprojekt Gesundheitscampus in Fredenbeck angesichts des sich zuspitzenden Hausärztemangels diskutiert.
Was Ärzteverbände kritisieren
Unter anderem der Berufsverband der Hausärzte (HÄV) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht darin allerdings laut Deutscher Ärztezeitung einen „Einstieg in Schmalspurmedizin in Apotheken“. Primärversorgung gehöre in Haus- und Kinderarztpraxen. „Wer wirklich eine niedrigschwellige Versorgung stärken will, stärkt unsere Praxen und verteilt nicht wahllos unsere Aufgaben“, wird die Position des HÄV-Bundesvorsitzenden Dr. Markus Blumenthal-Beier und der Professorin Nicola Buhlinger-Göpfarth wiedergegeben.

Dr. Mathias Grau, Inhaber der Rats-Apotheke in Horneburg und Vorsitzender des LAV-Bezirks Stade. Foto: LAV Nds./Lorena Kirste
„Wir müssen sehen, dass hier nicht zwei Disziplinen gegeneinander ausgespielt werden“, warnt auch Apotheker Dr. Mathias Grau. Es müsse klare Grenzen bei den Kompetenzen geben.
Gute Kommunikation in Fredenbeck
Für Laura Lepenies ist es aber ein Schritt in die richtige Richtung. „Die Änderungen sind auch der Grund, dass ich Perspektiven sehe“, sagt sie, „wir können vor Ort präventiv beraten, Patienten mit chronischen Erkrankungen helfen und niederschwellige Dienstleistungen für die Gesundheit anbieten.“
Dabei ist es ihr wichtig zu erwähnen, dass dies besonders gut klappt, wenn die Kommunikation zwischen allen Beteiligten - wie Ärzten, ambulanten Pflegediensten und Apotheken - einwandfrei funktioniert, man sich kenne und gemeinsam an einem Strang ziehe. „Da habe ich hier in Fredenbeck und Umgebung großes Glück“, sagt Laura Lepenies.
In Zusammenarbeit Medikation verbessern
Blutdruck messen, Inhalationsschulung oder Medikationsanalysen, das gibt es zum Teil schon jetzt in ihrer Apotheke. Jeder, der mehr als fünf Medikamente einnehme, könne kostenlos Wirksamkeit und Wechselwirkungen überprüfen lassen. „Einfach Gesundheitskarte mitbringen, man braucht keine Überweisung“, sagt Laura Lepenies.
Es werden Neben- und Wechselwirkungen individuell besprochen, und bei guter Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt könnten Verbesserungen in der Medikation erreicht werden. „Außerdem sind wir niederschwellig erreichbar, fangen Lieferengpässe auf, finden Lösungen, kümmern uns, so dass unsere Patienten und Patientinnen versorgt werden, wir lassen niemanden im Regen stehen“, so Laura Lepenies.
Ein neues Zeitalter
Am 1. Juli hat sie die Geestland Apotheke übernommen. „Ich starte mit dem Background meiner Eltern, aber es kommt ein neues Zeitalter“, sagt die 30-Jährige.
Sie freut sich auf die neue Herausforderung - immer inklusive der nächtlichen Notdienste, die sie schon als Kind miterlebt hat. „Meine Mutter hat mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorgelebt“, sagt Laura Lepenies.
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