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Kehdinger Welle

TEndlich Geld für Drochtersen: Das steckt hinter dem Hallenbad-Erfolg

Das Hallenbad in Drochtersen ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt.

Das Hallenbad in Drochtersen ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Foto: Knappe

Weniger Konkurrenz, mehr politischer Rückenwind: Warum für das Hallenbad Drochtersen „Kehdinger Welle“ eine scheinbar unendliche Geschichte enden könnte.

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Von Lars Wertgen
Montag, 01.06.2026, 19:10 Uhr

Drochtersen. Seit mehr als einem Jahrzehnt sind Sanierung oder Neubau der Kehdinger Welle Thema. Immer wieder hat die Gemeinde Drochtersen Fördermittel für das Hallenbad beantragt - immer wieder eine Absage erhalten.

Jetzt hat sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt: 1,46 Millionen Euro fließen aus dem Sportstätteninvestitionsprogramm 2026 des Landes Niedersachsen. Was war diesmal anders?

Mitbewerber schieden aus

Die Antwort liegt vor allem in einem veränderten Wettbewerbsfeld - und im gezielten Einsatz der SPD-Landtagsabgeordneten Corinna Lange.

Die Förderrichtlinie des Landes - die bereits im Vorjahresprogramm galt - sieht drei Prioritätsstufen vor, teilt das Innenministerium auf TAGEBLATT-Nachfrage mit: Lehrschwimmbecken stehen ganz oben, gefolgt von sonstigen Hallenschwimmbädern und Lehrschwimmbecken in Freibädern.

Formal hat sich daran nichts geändert.

Was sich verändert hat: Mehrere Kommunen zogen ihre Anträge für die diesjährige Runde zurück, weil sie den nötigen Eigenanteil aus ihrem Haushalt nicht mehr aufbringen konnten - das verschaffte Drochtersen günstigere Ausgangsbedingungen.

Kehdinger Welle war nicht alt genug

Innerhalb der Prioritäten zählen etwa auch energetischer Zustand, Barrierefreiheit und Auslastung. Beim wichtigen Kriterium Alter hatte Drochtersen lange das Nachsehen - obwohl die Kehdinger Welle aus dem Jahr 1974 stammt. „Drochtersen ging leer aus, weil es zu viele Bäder gab, die noch älter waren als die Kehdinger Welle“, erklärt Lange dem TAGEBLATT. „Auch wenn man sich das kaum vorstellen kann.“

Die Zahlen verdeutlichen, wie nachgefragt es war: Im Programm 2025 standen 25 Millionen Euro zur Verfügung - bei Anträgen mit einem Volumen von mehr als 126 Millionen Euro. Für 2026 legte das Land erneut auf, mit einem Topf von 15 Millionen Euro für Kommunen.

Brief an die Innenministerin

Im Juni 2025 besuchte Lange das Bad und schrieb einen zweiseitigen Brief an Innenministerin Daniela Behrens, in dem sie ihre Unterstützung für das Projekt deutlich machte. Ihr zentrales Argument: Ohne die Kehdinger Welle wäre die Schwimmausbildung in weiten Teilen der Region nicht mehr gewährleistet - das Solemio im Kreis Stade, das nächstgelegene Hallenbad, habe keine freien Kapazitäten für Schulen und Vereine.

Corinna Lange setzte sich aktiv für die Kehdinger Welle ein.

Corinna Lange setzte sich aktiv für die Kehdinger Welle ein. Foto: Sebastian Rath

Zudem sorgte sie dafür, dass der bestehende Antrag aktualisiert werden konnte. Das Ministerium fragte die Kommunen auf der Warteliste ab; Drochtersen signalisierte weiterhin Interesse. Für ihr Engagement erfährt Lange laut TAGEBLATT-Informationen derzeit viel Dankbarkeit.

Rund zwei Millionen Euro an Landesmitteln

„Wir sind hoch erfreut über die Botschaft“, sagt Bürgermeister Mike Eckhoff. Neben den etwa 1,5 Millionen Euro aus dem aktuellen Programm verfügt die Gemeinde bereits über rund 500.000 Euro Landesmittel - zusammen rund zwei Millionen Euro.

Parallel bewirbt sich Drochtersen um Bundesmittel in Höhe von rund vier Millionen Euro aus dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten - Schwimmbäder“, Stichtag ist der 19. Juni. Eckhoff würde das Projekt aber auch ohne Bundesmittel realisieren. Die Gesamtkosten liegen bei rund neun Millionen Euro.

Ausschreibung noch vor Jahresende?

Das Projekt soll noch vor der Sommerpause weiter angeschoben werden - der Finanzausschuss befasst sich bereits am 1. Juni damit. Frühestens ab November dürfte die Ausschreibung möglich sein. Die Bauzeit selbst könnte anderthalb bis zwei Jahre dauern. Wann der Spatenstich erfolgen kann, lässt sich aber bislang nicht sagen.

Geplant ist ein Bau nach dem Baukastenprinzip. Dabei werden vorgefertigte Module vor Ort zusammengesetzt - das senkt Kosten, lässt aber weniger gestalterischen Spielraum. Drei Varianten stehen offenbar zur Wahl: eine mit 25-Meter-Sportbecken und 1,80 Meter Wassertiefe, eine zweite mit zusätzlichem Lehrschwimmbecken, eine dritte mit längerem Sportbecken.

Keine davon hätte einen höhenverstellbaren Boden - ein Merkmal des jetzigen Bades. Claus Fastert, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Hallenbad und Vorsitzender der DLRG Drochtersen, sieht das pragmatisch: „Lieber ein neues Schwimmbad ohne Hubboden, als das alte mit Hubboden.“ Lösungen würden sich finden, sagt er. Langfristig verspricht der Neubau zudem Einsparungen bei Unterhaltung und Energiekosten.

Ende einer scheinbar unendlichen Geschichte?

Für Fastert ist die Förderzusage mehr als eine gute Nachricht - er erhofft sich einen Schlusspunkt unter einem jahrelangen Auf und Ab. Seit mehr als zehn Jahren droht dem Bad immer wieder die dauerhafte Schließung. „Auf einen Schlag wäre wahrscheinlich die Hälfte unserer Mitglieder verloren gegangen“, sagt er. Die jungen Mitglieder, für die das Schwimmenlernen zentral ist, hätten kaum Anlass gehabt, dabei zu bleiben.

Während des Neubaus würde auch kein Hallenbad zur Verfügung stehen - die Mitglieder hätten aber eine Perspektive. Und in den Sommermonaten könnte vielleicht Bützfleth aushelfen. „Wir sind froh, dass die Gemeinde nicht aufgegeben hat“, so Fastert. Diese Chance müsse die Politik nutzen.

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