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TRock House Festival abgesagt: Warum immer mehr Festivals scheitern

Horns Up im Regen: Noch im vergangenen Jahr feierte eine Menge Menschen zum Auftritt von Lacrimas Profundere.

Horns Up im Regen: Noch im vergangenen Jahr feierte eine Menge Menschen zum Auftritt von Lacrimas Profundere. Foto: Wolen-Möhlmann

Das Rock House Festival in Loxstedt fällt aus – zu wenige verkaufte Tickets machen eine Durchführung unmöglich. Doch der Ausfall steht nicht allein.

Von Feenke Hornbostel und Rita Rendelsmann Samstag, 18.04.2026, 10:50 Uhr

Loxstedt. Traurige Nachrichten für alle Rock- und Metalfans der Region: Das Rock House Festival in Loxstedt wird in diesem Jahr nicht stattfinden. „Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen, weil uns das Festival sehr am Herzen liegt“, erklärt Katrin Hill. Sie und ihr Mann Lars Hill sind Veranstalter des Rock House Festivals.

„Aber wir haben nicht genügend Tickets im Vorverkauf absetzen können, um die anstehenden Kosten für Bands, Personal, Technik und alles drumherum annähernd decken zu können.“

Es wäre bereits das fünfte Mal gewesen, dass sich in Loxstedt Metalheads aus ganz Deutschland versammelt hätten, um ausgelassen zu feiern, zu headbangen und sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten. Doch das Festival ist auf 2000 Menschen ausgerichtet gewesen.

„Der Vorverkauf ist leider so schlecht, dass wir eine vernünftige Durchführung nicht leisten können“, sagten Katrin und Lars Hill in einer Stellungnahme, die sie am Dienstagabend auf Facebook und Instagram teilten. Die Erstattungen für die bereits gekauften Tickets würden bereits über ihre Homepage abgewickelt werden.

Rock House Festival wurde letztes Jahr noch verlängert

14 internationale Band hätten am Wochenende vom 5. bis 6. Juni auftreten sollen. Darunter Knorkator, Massive Wagons oder We Are The Catalyst. In den vergangenen Jahren lief es gut, die Nachfrage war so hoch, dass das Festival auf zwei Tage mit Campingmöglichkeiten erweitert wurde.

„Wir haben Verträge zu erfüllen, wenn wir jetzt die Reißleine ziehen, kommen wir zumindest mit einem blauen Auge davon“, sagt Katrin Hill. „Auf diese Weisen haben die Bands noch die Chance, andere Gigs zu bekommen.“ Auf ihrer Webseite bedanken sich die beiden bei den treuen Fans, die das Festival in den vergangenen vier Jahren möglich gemacht haben. „Wir möchten Euch von Herzen danken – für Eure Treue, Eure Unterstützung, die vielen gemeinsamen Erinnerungen und schönen Momenten aus den vergangenen Jahren.“

Ähnlicher Fall beim Festival „Sandstedter Sommer“

Ende 2025 gab es bereits traurige Nachrichten für die Schlager-Fans der Region, denn auch der Sandstedter Sommer wurde abgesagt. Vor allem die Elektro-Party am Freitag sei sehr schlecht besucht gewesen. Das habe zu den finanziellen Problemen beigetragen, die die Veranstalter schließlich in die Insolvenz führten. Der Top-DJ habe eine Gage im mittleren fünfstelligen Bereich erhalten, die wegen der geringen Besucherzahl nicht mal annähernd wieder eingespielt wurde.

Der Sandstedter Sommer hätte 2026 bereits zum vierten Mal stattfinden sollen. Schlagerstars wie Mia Julia und Julian Sommer standen auf dem Line-Up.

Auch das Rock For Animal Rights in Sandstedt konnte 2025 nicht stattfinden. Grund dafür seien laut Mitteilung des Veranstalters bauliche Maßnahmen, die aufgrund organisatorischer Abläufe nicht mehr umsetzbar waren. Hier gibt es immerhin einen Lichtblick: Das Line-Up soll bestehen bleiben und das Rock For Animal Rights 2026 wie im Jahr zuvor geplant stattfinden.

Studie zeigt Gründe für Probleme der Veranstalter

Die Initiative Musik hat im September 2025 eine Festivalstudie veröffentlicht. Ziel war es, umfassend die Rahmenbedingungen der deutschen Musikfestivals zu erfassen.

Im Rahmen der Studie wurden Veranstalter aus der gesamten Festivalszene befragt – von kleinen Formaten bis hin zu größeren Festivals. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Frage, warum die jeweils letzte Ausgabe eines Festivals schlechter ausgelastet war als in den Vorjahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche unter starkem wirtschaftlichem Druck steht. Hauptursache sind gestiegene Kosten, die von rund 70 Prozent der Veranstalter als Grund für sinkende Auslastungen genannt werden. Auch die Folgen der COVID-19-Pandemie wirken bei etwa der Hälfte weiterhin nach. Weitere Faktoren sind zunehmender Wettbewerb, veränderte Programme, konzeptionelle Anpassungen sowie Wetterrisiken.

Bei komplett ausgefallenen Festivals sind vorwiegend fehlende oder unsichere Förderungen (72 Prozent) ausschlaggebend, gefolgt von weiteren finanziellen Problemen (57 Prozent) und sinkendem Publikumsinteresse (34 Prozent).

Der Verband Klubnetz warnt vor einer wachsenden Gefährdung der Festivallandschaft im Bundesland. Hintergrund ist hauptsächlich das Auslaufen gezielter Landesförderungen für popkulturelle Veranstaltungen.

Während diese etablierten Großveranstaltungen wie das Deichbrand oder das Hurricane weiterhin stattfinden, geraten kleinere und mittlere Festivals zunehmend unter Druck oder müssen pausieren oder ihr Format noch weiter verkleinern.

Klubnetz betont, dass es nach Corona-Hilfen des Bundes (2022) und einer landesweiten Ausfallversicherung (2023) im aktuellen Haushalt 2024 keine spezifischen Mittel mehr für popkulturelle Festivals gebe. Das erschwere insbesondere ehrenamtlich getragene und kleinere Formate, die ohnehin mit steigenden Kosten und Personalmangel kämpfen.

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