TErstmals im Samtgemeinderat: Horneburgerin will machen statt meckern
Sonja Rehsöft hat es geschafft: Sie sitzt erstmals für die Freien Wähler im Horneburger Samtgemeinderat. Foto: Buchmann
Beruf, Familie, Ehrenämter: Als das bekommt Sonja Rehsöft unter einen Hut. Jetzt betritt die Horneburgerin erstmals die politische Bühne. Lange haderte sie - und fand Rat bei Gleichgesinnten.
Horneburg. In Horneburg fühlt sich Sonja Rehsöft heimisch. Vor neun Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Markus im Flecken ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Die 47-Jährige muss im Alltag viele Dinge unter einen Hut bringen: den Ingenieursjob bei Airbus, zwei Söhne (6 und 8 Jahre), dazu Ehrenämter für den Kinderwald und den Förderverein der Kita Moorwichtel, das Crossfit-Training - und ab November ein Ratsmandat im Samtgemeinderat für die nächsten fünf Jahre.
Auf die Frage, wieso sie sich neben ihren bisherigen Engagements zusätzlich noch in der Kommunalpolitik einbringen will, antwortet Rehsöft selbstbewusst: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Sie habe Interesse daran, ihren Beitrag für den Ort und die Menschen zu leisten. „Die Politik ist genau der Ort, an dem Entscheidungen getroffen werden“, sagt sie. Sie wolle später zurückblicken und sehen, woran sie mitgewirkt habe. Getreu der Devise: Machen statt Meckern.
Hin- und hergerissen: Kandidiere ich oder nicht?
Eine politische Karriere bringt Sonja Rehsöft nicht mit ins Amt. Den Kontakt zur Lokalpolitik fand sie ungeplant über das Netzwerk der Friseurin ihres Mannes. „Wir interessierten uns für die Spielplatz-Initiative in Horneburg - und plötzlich stand Willi Peters (Anm. d. Red.: Zweiter Vorsitzender der FWG Aue) vor unserer Tür“, erinnert sich Sonja Rehsöft schmunzelnd. So fanden beide vor fünf Jahren ihre politische Heimat bei der FWG Aue. Sonja Rehsöft kandidierte bereits bei den Kommunalwahlen 2021, ein Mandat sprang dabei noch nicht heraus.

Bei den Freien Wählern Aue fand Sonja Rehsöft (vierte von links) gemeinsam mit Ehemann Markus Rehsöft (zweiter rechts) ihre politische Heimat. Foto: FWG AUE
Bei ihrer zweiten Kandidatur sei sie dennoch hin- und hergerissen gewesen „Ich habe mir die Frage gestellt: Willst du das jetzt wirklich in deiner Freizeit machen?“ Gespräche mit Fleckenbürgermeister Jörk Philippsen und dem kürzlichen verstorbenen FWG-Ratsmitglied Peter Hoffmann halfen ihr, die Zweifel abzubauen. Den finalen Ruck, sich aufstellen zu lassen, lieferte das politische Frauenforum - sowohl für Sonja Rehsöft als auch zehn weitere Kandidatinnen, die erstmals für die Räte antraten.
Horneburger Räte überwiegend männlich besetzt
Die Horneburger Gleichstellungsbeauftragte Daniela Subei zeigt sich begeistert. „Das Ziel bei der Gründung des politischen Frauenforums war es, die Räte paritätischer zu besetzen“, sagt Subei. Die Räte sollen ein Spiegel der Gesellschaft sein - „und das geht nur paritätisch“. In den Räten der Mitgliedsgemeinde sowie Samtgemeinde waren Frauen bisher immer in der Minderheit.
Die Idee zum Frauenforum entwickelte Subei aus dem niedersächsischen Programm „Frau.Macht.Demokratie“ weiter. Anstatt wie zuvor Tandems aus Newcomerinnen und erfahrenen Kommunalpolitikerinnen zu bilden, setzte das Frauenforum auf einen offenen Austausch.
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Gemeinsam mit den langjährigen Politikerinnen Verena Wein-Wilke, Bianka Lange und Hannelore Kattenbach lud Daniela Subei Anfang 2025 zum ersten Treffen ein - und stieß damit auf großes Interesse. Ein Dutzend interessierter Frauen sei dem Angebot gefolgt, erinnert sich Subei. Über die nächsten Monate entstand ein fester Stammtisch, an dem sich Frauen gemeinde- und parteiübergreifend austauschten.
Frauenforum gibt Raum für hilfreichen Austausch
„Wir mussten uns überlegen: Wie begeistert man Frauen für solch ein Projekt“, sagt Subei. Deshalb sei es zu Beginn wichtig gewesen, die Interessierten langsam an die Kommunalpolitik heranzuführen. Themen wie Vereinbarkeit zwischen Familie, Beruf und Mandat, aber auch ein Überblick über die Ratsstrukturen und Resilienz sowie Rhetorik waren den Frauen wichtig, um einschätzen zu können, was auf sie zukommt.
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„Das Frauenforum ist eine sehr helfende Gemeinschaft“, schwärmt Sonja Rehsöft. Insbesondere der Austausch mit den erfahrenen Politikerinnen sei sehr wertvoll gewesen. Eine gesunde Stammtischkultur hält Rehsöft für „total hilfreich“ - auch wenn sie die Begriffe Forum oder Netzwerk passender findet, ergänzt sie. Das Frauenforum wird auch nach der Wahl weitermachen, das steht fest.
Auf die nächsten fünf Jahre schaut Sonja Rehsöft mit Vorfreude und Tatendrang: „Ich habe jetzt die Chance, das weiterzuführen, was andere vor mir angefangen haben.“
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