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Justiz

TExplosion geplant? Fredenbeckerin will am Freitag ihr Schweigen brechen

Verärgert über Kündigung? Eine Angestellte soll laut Anklage eine Gasflasche in einem Transporter aufgedreht haben.

Verärgert über Kündigung? Eine Angestellte soll laut Anklage eine Gasflasche in einem Transporter aufgedreht haben. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Die Angeklagte im Gasflaschen-Prozess wird sich am Freitag vor der 3. Großen Strafkammer in Stade erstmals äußern. Zwei Gutachter werden zu Wort kommen.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 04.02.2026, 05:50 Uhr

Agathenburg. Beim dritten Verhandlungstag im Gasflaschen-Prozess vor der 3. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Marc-Sebastian Hase sollte eigentlich der Brand- und Explosionsgutachter Dr. Reimar Münnekhoff erneut zu Wort kommen.

Doch der Experte des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer aus Laatzen bei Hannover konnte sein Gutachten noch nicht ergänzen. Der Grund: Die Hersteller-Firma wisse nicht, wie viel Propan-Gas nach dem Öffnen des Ventils der Gasflasche maximal ausströmen kann. Die Unterlagen fehlen. Die Firma plant jetzt laut Münnekhoff einen Versuch - extra für den Prozess.

Münnekhoff hatte am zweiten Verhandlungstag betont, dass das Gas-Luft-Gemisch im Transporter zündfähig war. Die Staatsanwaltschaft Stade wirft einer Fredenbeckerin (40) vor, am 2. Dezember 2024 das Ventil einer Gasflasche geöffnet und einen angeschlossenen Brenner aufgedreht zu haben. Aus Verärgerung über eine vorübergehende Schlechtwetter-Kündigung, habe sie Leib und Leben ihrer Kollegen gefährdet, so Staatsanwältin Rieke Jobmann.

Mögliche Explosion hätte Fahrzeug zerfetzen können

Der Transporter hätte durch das Anzünden einer Zigarette mit einem Feuerzeug zerfetzt werden können. Die in ihrem Büro sitzende Geschäftsführerin und die beiden Angestellten hätten schwer verletzt werden können. Die ausstehenden Daten könnten seine Schlussfolgerung untermauern.

Und so standen die Aussagen des Geschäftsführers der Fassadenreinigungsfirma am dritten Tag im Mittelpunkt. Aufgrund einer OP könne er sich nicht an alles erinnern. Dieser sprach von einer „Kurzschlusshandlung“ seiner Ex-Mitarbeiterin. Der Stader sagte, dass er telefonisch von dem Gas-Vorfall in seinem Betrieb in Agathenburg erfahren habe. Die Mitarbeiter seien sehr aufgeregt und erschrocken gewesen. Seine erste Reaktion: „Mein Gott, was hätte alles passieren können?“

Erst in den Tagen nach der Tat sei ihm klar geworden, dass er eine Anzeige erstatten müsse. Die Polizei in Stade habe ihn wieder nach Hause geschickt. Es sei üblich, die Anzeige online zu stellen, hieß es auf der Wache in der Teichstraße. „Das war eine definitiv falsche Auskunft“, so der Vorsitzende Richter Marc-Sebastian Hase.

Prozess wird am Freitag fortgesetzt

Verteidiger Rainer Mertins - seine Mandantin bestreitet die Tat vollumfänglich - kündigte für Freitag eine Einlassung seiner Mandantin an. Das Gericht will weitere Zeugen hören, die Teamleiter ihrer früheren Firmen sollen zu Wort kommen, um sich ein Bild über ihre Persönlichkeit zu verschaffen. Die Kontakte lieferte die 40-Jährige freiwillig, auch um einen Polizeieinsatz in ihrer aktuellen Firma zu vermeiden. Außerdem wurden Personalakten ihres vorletzten Arbeitgebers beschlagnahmt - auch für ein psychologisches Gutachten. Der Prozess wird am Freitag, 6. Februar, 9.15 Uhr, fortgesetzt.

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