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TFährmann-Schluck und Osteschlicktorte: Ein Besuch im Fährkrug Brobergen

Antje Rieckmann backt regelmäßig die Osteschlicktorte.

Antje Rieckmann backt regelmäßig die Osteschlicktorte. Foto: Helfferich

Sie ist weit über die Kreisgrenze bekannt: die Osteschlicktorte im Fährkrug von Brobergen. Ihr Geheimnis muss man erkosten. Grund genug für einen Besuch.

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Von Susanne Helfferich
29.07.2026, 11:50 Uhr

Brobergen. Der Fährkrug von Brobergen ist ein Unikum im Landkreis Stade. Sein Standort ist der einzige Ort, an dem die Kreisgrenze jenseits und nicht diesseits der Oste liegt. Seit 2017 betreiben Martina und Joachim Hoops dort ihre Gaststätte. Ein Anziehungspunkt für Radler und Oste-Fans. Hier kann man die Seele baumeln lassen: auf einer Bank sitzen, vom Deich auf die Oste schauen und ein Stück von der Osteschlicktorte essen.

2007 sollte der Fährkrug im Zuge des Ausbaus des Ostedeiches zwischen Ostendorf im Landkreis Rotenburg und Gräpel abgerissen werden. „Tabula rasa war geplant“, erzählt Antje Rieckmann, die lange Zeit Vorsitzende des Fähr- und Geschichtsvereins war.

Sie erklärt: Brobergen ist eine historische Stätte, die der Fähr- und Geschichtsverein erforscht hat. Um 1270 wurde die Burg „Borch to Brobergen“ gebaut, wahrscheinlich als Schutz der Residenz des Erzbischofs in Bremervörde und zur Kontrolle der Schifffahrt auf der Oste. Wer mehr erfahren will, kann im Fährkrug einen Ausstellungsraum besuchen.

Fähr- und Geschichtsverein retteten den Fährkrug

Zurück zum Jahr 2007: Die damaligen Pächter des Fährkrugs hatten bereits aufgegeben. Da ergriff der Fährverein die Initiative - allerdings ohne Betreiber. „Wir machten alles selbst“, erzählt Rieckmann, „wir bildeten Fährleute aus und stellten ein Küchenteam zusammen.“ Zehn Jahre powerte der Verein durch. Dann konnten die Ehrenamtlichen nicht mehr mithalten.

Martina Hoops lädt auf einen Schluck auf die Fähre ein.

Martina Hoops lädt auf einen Schluck auf die Fähre ein. Foto: Helfferich

Damals hatten die Vereinsmitglieder Martina und Joachim Hoops gerade ihre Landwirtschaft eingestellt. So einfach in Rente gehen wollte die heute 63-Jährige aber nicht. „Ich wollte noch irgendetwas anderes machen“, erinnert sie sich, schließlich backe sie gerne, plane selbstständig „und schnacken kann ich ja auch.“

Ohne Schnacken funktioniert es nicht. „Das gehört zum Geschäft“, bestätigt ihr Mann Joachim, der seit der Betriebsaufgabe selbstständig als Maschinenbauer arbeitet. Und so wurde mit dem Fährverein geschnackt und im August 2017 übernahm das Paar den Fährkrug und mit ihm die Osteschlicktorte, „inklusive Bäckerin“, lacht Martina und zeigt auf Antje Rieckmann. Sie darf die Osteschlicktorte backen. Eine Ehre. Erfunden hat sie die frühere Landfrauenvorsitzende Karin Tiedemann.

Die Osteschlicktorte ist zum Kaffee ein Muss

Karin Tiedemann aus Brobergen hatte vor fast 20 Jahren mit ihrer Osteschlicktorte einen Wettbewerb der Arbeitsgemeinschaft Osteland gewonnen. Als das Ehepaar Hoops vor zehn Jahren das Fährhaus übernahm, übergab Tiedemann quasi die Urheberrechte an die neuen Betreiber. Und die Torte ist der Renner.

Verraten wird das Rezept natürlich nicht. Nur so viel: Was die Torte ausmacht, ist ganz viel Schokosahne und eine Füllung mit Stachelbeeren. Dass sie farblich dem Osteschlick gleicht, soll Zufall sein.

An den Wochenenden gibt es Kaffee und Kuchen. „Wenn die Sonne scheint, kommen viele Leute. Zu heiß darf es aber auch nicht sein“, erklärt Martina den Balanceakt. Bei Hochbetrieb, wie Pfingsten oder am 3. Oktober, backen zusätzlich Unterstützer aus dem Freundeskreis. Und Himmelfahrt? „Ne, da brauchen wir eigentlich nur Getränke“, so die Antwort.

Übersichtliche Karte für den kleinen Hunger

Die Speisekarte ist übersichtlich: Wer sich stärken will, bestellt Currywurst und Pommes mit hausgemachter Soße; mit Fährmann-Schluck danach. Und die süßen Genießer bestellen Kaffee und Kuchen.

Joachim Hoops packt mit an.

Joachim Hoops packt mit an. Foto: Helfferich

Das Hauptgeschäft seien inzwischen Gruppenbuchungen. Der Fährkrug kann außerhalb der Öffnungszeiten gemietet werden. So habe sich für den nächsten Tag eine Frühstücksgruppe angemeldet. Andere Gruppen kämen zum Grillen. Kleinere Betriebsfeiern seien möglich.

Gerne werden auch Schnitzelbüfetts gebucht, oder in der kühleren Jahreszeit Grünkohl. „Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt. Mit 30 Leuten ist die Bude voll“, sagt die Chefin.

Gruppenbuchungen sind inzwischen das Hauptgeschäft

„Es ist ja nicht nur der Kuchenverkauf. Zum Betrieb gehören auch der Einkauf, Fensterputzen, saubermachen und Rasen mähen“, sagt Martina Hoops. Sie und ihr Mann denken auch immer noch weiter: Sie haben im Garten Bänke aufgestellt und einen Spielplatz angelegt. Ein Angebot, das Familien gerne nutzen.

Immer häufiger sind auch die fünf vorhandenen Wohnmobilplätze belegt. „Manche stehen hier zehn Tage am Stück“, sagt Joachim Hoops. „Die kommen gerne wieder, weil sie hier die Ruhe genießen.“

Unterstützt werden Martina und Joachim Hoops von zwei Minijobbern und Familienmitgliedern. Und da gibt es auch noch den Fähr- und Geschichtsverein mit 20 bis 25 Aktiven von ungefähr 350 Mitgliedern. Fährkrug und Fähre bildeten eine Allianz: Auch wenn beides geschäftlich voneinander getrennt sei, fühle sich jeder für den anderen zuständig.

Was kostet es?: Pott Kaffee und ein Stück Torte: 6 Euro.

Die Öffnungszeiten: Vom 1. Mai bis 3. Oktober samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Während des Sommers ist Martina Hoops bei gutem Wetter ab 14 Uhr vor Ort. Telefon: 0170/ 8389366.

Der Höhepunkt: Die Osteschlicktorte ist ein Muss.

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