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TFastenzeit: Über den weichgespülten Slogan der Kirchen

Kein Bier, kein Alkohol, das ist häufig das Motto nach der Karnevalszeit, wenn am Aschermittwoch die Fastenzeit anbricht.

Kein Bier, kein Alkohol, das ist häufig das Motto nach der Karnevalszeit, wenn am Aschermittwoch die Fastenzeit anbricht. Foto: Matthias Balk/dpa

Kein Alkohol? Keine Süßigkeiten? Keine sozialen Medien? Kein TV? Die knapp siebenwöchige Fastenzeit kennt viele Ausprägungen. Doch worüber berichten? Die Redaktion war kurz ratlos.

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Von Lars Strüning
Sonntag, 15.02.2026, 09:00 Uhr

Stade. Es ist ein bisschen wie zu Weihnachten oder zum Weltfrauentag. Alle Jahre wieder will das TAGEBLATT diese Themen bespielen. Jedes Jahr muss der Redaktion etwas Besonderes einfallen. Das gilt auch fürs Fasten. Vieles haben die Lokaljournalisten schon (aus-)probiert. Selbsttest mit Tagebuch. Fastende begleitet. Und dieses Jahr? Zur Hölle mit dem Thema!

Beim Fastenmotto fällt die Redaktion vom Glauben ab

Wir hatten die vage Hoffnung während unserer großen Wochenkonferenz am Montagvormittag, dass uns die Kirche auf die Sprünge helfen kann. Schließlich handelt es sich bei der Fastenzeit um eine christliche Tradition, wenn an die 40 Tage und Nächte erinnert wird, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbracht und dabei gefastet haben soll. Die Hoffnung trog.

Die EKD, die Evangelische Kirche in Deutschland, lädt dieses Jahr ein unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte.“ Klingt sehr weichgespült. Wenig präzise, nahezu nichtssagend. Der illustren Redaktionsrunde fiel dazu nichts Sinnstiftendes ein. Die Ernüchterung war groß.

Auf der Suche nach einer Erklärung, einer Präzisierung steht online geschrieben: Die Aktion lädt dazu ein, im Alltag bewusster mit sich selbst und anderen umzugehen, Härte (gegenüber sich selbst oder anderen) abzubauen und mehr Mitgefühl und Feinfühligkeit in den Fokus zu stellen. Irgendwie ein bisschen niedlich, wenn auch selbstredend moralisch unterstützenswert. Aber auch verdammt unkonkret und wenig griffig. Begeistert man so die Menschen für die Kirche und ihre Ideen? Können wir in der Redaktion kaum glauben.

Kirche überzeugt nicht - Redaktion hat eigenes Motto

Es ist schon ein Kreuz, sich immer wieder was ausdenken zu müssen zur 40-tägigen Passionszeit. Die Ideen der Kirche aus den vergangenen Jahren klingen da auch wenig überzeugend: „Komm rüber. Sieben Wochen ohne Alleingänge“, „Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik“ oder auch „Leuchten! Sieben Wochen ohne Verzagtheit“ waren die (An-)Gebote.

Die Redaktion legte ein anderes Bekenntnis ab: Zwei Kolleginnen werden eine Woche lang testen, wie die eine ohne und die andere ausschließlich mit Bargeld klarkommt. Anping Richter und Lena Stehr werden sich darüber demnächst im TAGEBLATT und auf tageblatt.de austauschen. Finden wir schön konkret und alltagstauglich.

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Süßigkeiten sind für viele Menschen tabu während der Fastenzeit.

Süßigkeiten sind für viele Menschen tabu während der Fastenzeit. Foto: Henning Kaiser/dpa

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