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Krematorium

TFeuerbestattungen Stade: Svend-Jörk Sobolewski brennt für seinen Job

Svend-Jörk Sobolewski ist Feuer und Flamme für sein neues Buch.

Svend-Jörk Sobolewski ist Feuer und Flamme für sein neues Buch. Foto: Strüning

Svend-Jörk Sobolewski lebt vom Tod. Als Geschäftsführer der Feuerbestattungen Stade hat er seine ganz eigene Beziehung zu dem Thema - und schon viel erlebt.

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Von Lars Strüning
Freitag, 02.01.2026, 05:50 Uhr

Stade. Ständig den Tod um sich herum und so viel Trauer - wie geht Svend-Jörk Sobolewski damit um? Offenbar ganz professionell. Mit Distanz, Einfühlungsvermögen, aber auch mit Geschäftssinn. Seit er mit drei Freunden in Stade den Feuerbestattungsverein 1998 gründete, ist sein Geschäft ständig gewachsen. Aus einer Schnapsidee auf Krautsand entwickelte sich eine veritable Geschäftsidee - und eine Herzensangelegenheit.

„Jeder soll 100 werden und dann tot umfallen“

Zum für manche schwierigen Thema Feuerbestattungen hat er ein realistisches, pragmatisches Verhältnis. Um nicht falsch verstanden zu werden, sagt er: „Ich gönne jedem, bei guter Gesundheit 100 zu werden und dann tot umzufallen.“ Während er das sagt, sitzt Sobolewski entspannt im Stuhl seines Konferenzraums des Krematoriums in Stade-Ottenbeck, nascht an seinem Kuchen und schlürft eine Tasse Kaffee.

„Das“, sagt er dann und meint seinen Job, „kannst du eh nur machen, wenn du davon überzeugt bist.“ Vor allem denkt er dabei an die Technologie. „Ich bin sehr technikaffin“, sagt Sobolewski, ständig bemüht, die Abläufe zu optimieren. Gern würde er von Erdgas auf den leider noch viel zu raren grünen Wasserstoff umsatteln, um die Öfen auf die normale Temperatur zwischen 650 und 900 Grad für Einäscherungen zu bringen. Aber was ist schon normal?

Ofen für hohe Temperaturen und fette Leichen

Immer häufiger, nahezu täglich, kommen fettleibige Leichname ins Krematorium. Menschen, die einst über 200 Kilogramm auf die Waage brachten, sollen nach ihrem Ableben ebenso würdevoll behandelt werden wie weniger beleibte. Sobolewski hat reagiert und einen dritten, deutlich größeren Ofen mit dickeren Schamottsteinen gerade in Betrieb genommen. Für die adipösen Körper müsse der auf bis zu 1600 Grad geheizt werden, damit das Fett vollständig verbrennen könne. Seine sachlich vorgetragenen Aussagen passen zu seinem Credo.

Sobolewski will die Menschen auf ihrem letzten Weg „ohne falsches Pathos, aber angemessen begleiten“ und den Hinterbliebenen eine angenehme Atmosphäre schaffen. Dazu gehört auch der Raum der Stille für Trauerfeiern und das Café. „Die Menschen sollen so trauern, wie ihnen danach ist“, sagt Sobolewski. Er ist sich sicher: „Darauf fußt der Erfolg des Unternehmens.“ Wer will, kann beim Akt der Einäscherung, wenn der Sarg über die Einfahrmaschine in den Ofen transportiert wird, dabei sein. Denn: „Trauer braucht Raum.“

Das hat sich bis nach Hamburg herumgesprochen. Immer wieder würden Prominente in Stade eingeäschert - auch um einer eventuellen Medienmeute zu entkommen. Diese werde dann mit einem schwarzen Bus Richtung Friedhof Ohlsdorf in Hamburg in die Irre geführt, sagt Sobolewski und lacht. Ganz bewusst für Stade hatte sich zum Beispiel Rüdiger Nehberg entschieden, dessen Projekte die Feuerbestattungen Stade immer wieder unterstützt hätten.

Urne trieb auf hoher See bis zum Strand nach Dänemark

Skurrile Geschichten gibt es zuhauf rund um die Bestattungen. So erzählt Sobolewski von einer Seebestattung mit einer Urne aus Stade, irgendwo auf der Nordsee zwischen Sylt und der dänischen Insel Rømø. Leider vergaß der Seebestatter, eine Kapsel zu entfernen, bevor er die Asche zu Wasser ließ.

Die Urne ging nicht unter, sondern sie trieb auf dem Wasser und wurde am Strand von Rømø angespült. Die dänische Polizei meldete sich in Stade, die Feuerbestattungen informierten die Witwe. Die habe die Nachricht gelassen aufgenommen. Ihr Mann habe ohnehin gerne Urlaub am Strand von Rømø gemacht.

Oder aber ein offensichtlicher Frauenheld, zu dessen Trauerfeier in Stade vier seiner Zerflossenen kamen. Sie saßen zusammen in der ersten Reihe, betrauerten den Verlust, tauschten sich anschließend fröhlich aus und hatten eigentlich nur Gutes über den Verstorbenen zu berichten.

Trotz des abwechslungsreichen und kurzweiligen Jobs will Sobolewski nächstes Jahr kürzertreten: „Mit 65 ist dann auch irgendwann gut“, sagt er. Um die Nachfolge muss er sich keine Sorgen machen. Sein Sohn Thies Heinrich führt bereits die Geschäfte.

„Ich hatte mit 13 meinen ersten Kontakt zum Krematorium, das lässt einen nicht los“, sagt er. Und auch bei den Azubis herrsche kein Mangel, sagen die Sobolewskis. Der Senior meint, den Grund zu kennen und sagt mit mal wieder leichtem Lächeln: „Der Grusel hier zieht wohl ein bisschen.“

Apropos Gruseln: Wie will denn Svend-Jörk Sobolewski bestattet werden? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Ne schöne Feuerbestattung“, sagt er mit einem breiten Grinsen. Und dann die Beisetzung im Familiengrab auf Krautsand.

Sobolewskis unterhaltsame Geschichte der Krematorien

Neben mehreren Krematorien hat Sobolewski auch eine die Krematorien beliefernde Firma ins Leben gerufen. Als neuester Ableger kommt jetzt noch ein Buch dazu - ein sehr lesenswertes. Sobolewski ist beileibe nicht der erste Krematist auf diesem Planeten. Die moderne Feuerbestattung wird nächstes Jahr 150 Jahre alt. Diesem Datum widmet er das Buch „Das Zeitalter der Krematisten“, erhältlich für 49,90 Euro, herausgebracht vom Fachverlag des Deutschen Bestattungsgewerbes und zu kaufen in allen Buchhandlungen (ISBN 978-3-936057-90-4) oder auch im Postladen in Drochtersen.

Auf 170 Seiten gibt es unterhaltsame Informationen in vielen kleinen Häppchen und mit vielen Fotos und Grafiken garniert rund um den Umgang mit dem Tod und den Bestattungen in aller Welt. Technologische Entwicklungen bei der Leichenverbrennung und religiöse Diskussionen spielen ebenso eine Rolle in dem Buch wie medizinische Ansichten und gesellschaftliche Umbrüche.

Sobolewski arbeitete drei Jahre an dem Buch, recherchierte, zapfte historische Quellen an, studierte Zeitzeugenberichte. Er habe ein Buch geschrieben, das ein bedeutendes Kapitel der europäischen Kultur- und Sozialgeschichte neu beleuchte, sagt er. Sobolewski: „Neben fachlichen Informationen bietet das Buch aus meiner Sicht einen großen Unterhaltungswert.“

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