TFeuerwerk verbieten: Warum dürfen Betrunkene mit Sprengstoff hantieren?
TAGEBLATT-Redakteur Daniel Berlin ist gegen privates Feuerwerk. Ein Kommentar. Foto: Collage/dpa
Weg mit den Böllern! Es gibt keinen vernünftigen Grund für dieses furchtbare Getöse in der Silvesternacht. Im Gegenteil.
Landkreis. Im Jahr 2024 hat der Einzelhandel bundesweit etwa 200 Millionen Euro durch den Verkauf von Silvesterfeuerwerk umgesetzt. Jeder fünfte Deutsche soll dafür statistisch gesehen Geld ausgegeben haben. Ein paar Edeka-Märkte in Deutschland verzichten in diesem Jahr auf den Verkauf und damit auf die Einnahmen. Das ist eine gute Entscheidung.
Verbotenes Feuerwerk
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Privates Feuerwerk, Böller, Raketen - dieses ganze lärmende, grelle, unnötige, gefährliche und gesundheitsgefährdende Zeug muss verboten werden. Für ein Böllerverbot gibt es Hunderte schlagkräftige Argumente. Für die Nutzung spricht sich gefühlsgesteuert nur die „Leben-und-leben-lassen“-Fraktion aus. Oder die Menschen, die sich reflexartig generell über zu viele Verbote beschweren. Wieder verlieren sie ein Stück Freiheit.
Dies sind die Argumente für ein Verbot
Die Freiheit, nachts, nicht selten betrunken, auf der Straße rumzulaufen und in einem Land mit scharfen Waffengesetzen ein Mal im Jahr mit Sprengkörpern zu hantieren. Okay, das klingt ein wenig polemisch. Aber gleichermaßen absurd. Und viele Nutzer sind wahrscheinlich sorgsam im Umgang mit dem Feuerwerk. Aber der Effekt bleibt der gleiche. Es brennt, es verletzen sich Menschen, Tiere leiden oder sterben sogar, es stinkt, die Luft ist verseucht.
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Bundesweite Zahlen von Feuerwehreinsätzen in der Silvesternacht sind schwer zu kriegen. Die Stadt Berlin hatte ihr Kontingent von Einsatzkräften im vergangenen Jahr auf 1500 verdreifacht. Die fuhren bei 1900 Einsätzen 400 mehr als an normalen Tagen.
Im Landkreis Stade wurden vor einem Jahr 164 Einsätze dokumentiert. 61-mal rückte die Polizei aus, 25-mal die Feuerwehr. Unzählige Mülltonnen brannten, Schuppen; ein Haus in Fredenbeck hat die Feuerwehr gerettet. Die Brandschützer hätten den Abend lieber am Raclette-Grill verbracht.
Menschen sterben - Tiere flüchten
Laut der Tierschutzorganisation PETA flüchten Wildtiere bei dem Getöse und dem Gestank. Dabei könne der Energieverlust durch die Panik tödlich sein. Haustiere zittern, hecheln, verstecken sich über Stunden oder versuchen zu flüchten. Dort wo sie sonst so sicher sind, fühlen sie sich nicht mehr sicher.
Mindestens fünf Menschen starben vor einem Jahr in der Silvesternacht. 100 Schwerverletzte stehen in der bundesweiten Statistik, Tausende Leichtverletzte. Zwei Drittel der Verletzten sind übrigens Zuschauer und keine Akteure. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Notaufnahmen nicht wegen Silvesterverletzungen überfüllt sind, sondern wegen des Alkoholkonsums.
Womit wir wieder bei dem polemischen Ausgangsargument wären. Sprengkörper und Alkohol sind eine ganz explosive Mischung.
Diskussion um Silvesterfeuerwerk
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Hinweis: Wir haben viele Einsendungen zu unserem Aufruf erhalten. Vielen Dank für die vielen Zuschriften - die Aktion ist beendet und wir haben den Aufruf entfernt. TAGEBLATT online

Der Einzelhandel setzte 2024 etwa 200 Millionen Euro mit Silvesterfeuerwerk um. Foto: Frank Hammerschmidt/dpa