TMordprozess: Freundin der Getöteten berichtet von Drohung und Überwachung
Vor dem Landgerichts Stade wird der Prozess gegen einen 34-jährigen Mann aus Gyhum verhandelt, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll. Foto: Willing
Von „verrückten Situationen“ berichtet eine Zeugin vor dem Landgericht Stade. Der Angeklagte aus Gyhum soll seine Lebensgefährtin getötet haben.
Stade. Im abermals bis auf den letzten Platz gefüllten Gerichtssaal schildert die Zeugin vor der 3. großen Strafkammer am 4. Prozesstag, was sie über die Beziehung des Angeklagten und der Getöteten weiß. Sie kenne den Angeklagten seit Jahrzehnten. Dessen Lebensgefährtin habe sie im April 2023 kennengelernt. „Wir haben viel zusammen gemacht.“
Über ihre Beziehung zu dem Angeklagten habe die Freundin erst später erzählt. Dabei habe die Zeugin von „verrückten Situationen“ erfahren. Dass der Angeklagte „hochgegangen“ sei, weil seine Partnerin wegen eines verstopften Rohres in der Dusche etwa nicht den von ihm geforderten Marken-Rohrreiniger, sondern ein No-Name-Produkt gekauft habe.
Zeugin: Angeklagter aus Gyhum war auf Außenwirkung bedacht
Oder dass sie ihren 30. Geburtstag nicht feiern und stattdessen lieber in Urlaub fahren wollte, ihr Partner aber darauf bestanden habe, das Fest groß zu feiern, weil man das hier eben so mache und was die Leute denn sonst denken sollten. „Es sollte nach außen hin immer ordentlich wirken“, so der Eindruck der Zeugin. Auch habe sich der Partner ihrer Freundin geweigert, sich mit ihr um die Pferde von Freunden zu kümmern, wenn diese abwesend sind. Überhaupt habe es der Angeklagte an Unterstützung seiner Freundin vermissen lassen, wenn es um ihre Pferde ging.
Landgericht Stade
T Partnerin getötet: So soll die Beziehung von Opfer und Angeklagtem gewesen sein
Als ungewöhnlich empfindet die Zeugin, dass sie ihre Freundin meistens beim Pferdestall abholen musste. „Sie hat mir erzählt, dass sie nicht mit Pferdeklamotten in die Wohnung durfte.“ Weil Pferde stinken würden, habe sie sich umziehen müssen, bevor sie ins Haus ging. Umgekehrt habe das aber nicht für deren in der Landwirtschaft tätigen Partner gegolten. Und als dessen Lebensgefährtin einen hochwertigen Inhalator für Pferde sicher im Haus lagern wollte, habe es abermals Ärger gegeben: „Es war ein ziemliches Drama, dass dieses Gerät überhaupt mit ins Haus durfte“, schildert die Zeugin. Ihre Freundin habe das Gerät sogar umdrehen müssen, damit man ein Pferdekopf-Emblem nicht sieht.
34-jähriger Angeklagter soll Gespräch abgehört haben
Bei einem Gespräch der Freundinnen unterm Carport am Wohnhaus haben sie sich darüber unterhalten, warum die Gyhumerin wenig Unterstützung von ihrem Partner erfährt. „Am nächsten Morgen bekomme ich von ihr eine Sprachnachricht, dass unser Gespräch aufgenommen wurde und er das abgehört hat. Da bin ich aus allen Wolken gefallen“, so die Zeugin. Die Freundin zu überwachen könne doch nicht sein.
Wenn sich die Freundinnen zum Reden getroffen haben, „hatte ich zum Schluss den Eindruck, dass sie immer sehr nervös war, wenn wir im Stall waren. Sie ist oft mit mir nach draußen gegangen und hat um die Ecke geguckt, als ob sie irgendwie Angst hatte, dass jemand kommt und uns zuhört.“
Gyhum-Mordprozess: Alkohol war Partnerin Dorn im Auge
Und: „Das Thema Alkohol war ihr ein großer Dorn im Auge. Sie hat es fast gefürchtet, wenn er losgegangen ist, wieder auf Sauftour“, wie ihr das spätere Opfer geschrieben habe. „Ihr graute immer, wenn er wiederkam. Es war unangenehm für sie, weil er dann wohl mehr wollte, sie angetätschelt hat. Das hat sie mir erzählt“, berichtet die Zeugin. Bei Feiern habe er seine Freundin oft links liegen lassen und mit anderen getanzt. „Ich habe gesehen, dass er sehr dicht an anderen Frauen dran war.“
Was der Zeugin im Kopf geblieben ist: „Wenn die beiden zusammen irgendwo hingefahren sind und es ging zum Eisessen, hat er ihr mehr oder weniger vorgerechnet, wie viel die Fahrt dorthin kostet.“ Er habe gegengerechnet und angemerkt, dass sie das Eis zu zahlen habe. Die Freundin habe ihr erzählt, dass der Partner die Finanzen sehr kontrolliert habe. Von einem gemeinsamen Haushaltskonto habe sie einmal Pferdefutter mit der falschen Karte bezahlt. „Danach ist er wohl ziemlich explodiert“, schildert die Zeugin. Ihre Freundin habe zuletzt oft erwähnt: „Ich kann das nicht mehr, ich halte es nicht mehr aus. Er macht mich krank.“
Zeugin sagt aus: Angeklagter aus Gyhum soll gedroht haben
Die Frau habe nach einer Wohnung gesucht. „Aber sie wollte auch die Pferde bei sich haben. Das gestaltete sich schwierig.“ Sie habe ihr erzählt, der 34-Jährige habe angemerkt: Wenn die Partnerin geht, werde er dafür sorgen, dass niemand mehr positiv von ihr denkt. Zudem soll es eine Drohung gegeben haben, dass er die Pferde umbringt.
Am 14. September 2025 unternahm die Zeugin mit ihrer Freundin einen Ausflug mit einer Kutsche ins Watt. „Da war sie anders.“ Sie habe nichts über die Partnerschaft gesagt. „Wir haben die Zeit einfach genossen. Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe.“
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