TRote Lena: Neue Spuren zur Harsefelder Giftmischerin
Schauspielerin Lara-Maria Wichels als rote Lena auf dem Beekhoff. Foto: Jendrik Wichels
Für seinen neuen Roman und den geplanten Film hat Dietrich Alsdorf jahrelang recherchiert. Das Ergebnis sind neue Erkenntnisse über die rote Lena und ihr engstes Umfeld.
Harsefeld. „Das neue Buch ist weniger Rosamunde Pilcher und mehr Realismus“, sagt Autor Dietrich Alsdorf über seinen neuen, kürzlich erschienenen historischen Kriminalroman. In „Das Gift der roten Lena“ beschäftigt Alsdorf sich erneut mit dem Schicksal der 1842 in Harsefeld als Giftmörderin hingerichteten Anna Marlena Prink. Die Handlung basiert auf einer intensiven historischen Recherche und bietet die Grundlage für einen Kinofilm über die rote Lena.
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Rund drei Jahre ist es her, seitdem Dietrich Alsdorf mit „Die rote Lena“ seinen ersten Roman zu dem Thema veröffentlichte. Sein Interesse an dem Kriminalfall entstand jedoch weitaus eher, schließlich ist es die einzige Hinrichtung, die jemals in Harsefeld stattgefunden hat. „Der Fall hat sich bei den Menschen festgebrannt“, erklärt Dietrich Alsdorf. Vieles wurde dokumentiert, doch es hätten sich im Laufe der Jahre auch Mythen entwickelt.
Mythos einer Frau, die keine Ruhe findet
Bereits 1969, als noch direkte Nachfahren von Augenzeugen lebten, hörte Alsdorf von Legenden rund um die rote Lena. Bei Unfällen in der Nähe des Waldes Linah sprach der Volksmund davon, dass „Lena keine Ruhe findet“. Ab 1981 war Dietrich Alsdorf als archäologischer Mitarbeiter des Landkreises an den Ausgrabungen im Bereich des ehemaligen Benediktinerklosters beteiligt. Dort entdeckte er die Überreste des Verlieses, in dem die rote Lena mehr als drei Jahre einsaß.

Im Obergeschoss des Museums befindet sich jetzt eine Dauerausstellung über die rote Lena. Foto: P. Meyer
2006 konnte Mitstreiter Dieter Goohsen die Lage des Richtplatzes am Rande eines Hügels bei Ohrensen bestimmen. 2015 entdeckte Alsdorf das flach ausgehobene Grab der Anna Marlena Prink - fünf Jahre später folgten die archäologische Untersuchung und ihre Beisetzung auf dem Friedhof.

Schauspielerin Lara-Maria Wichels in ihrer Rolle als rote Lena. Foto: Jendrick Wichels
„Ich habe schon an Hunderten Gräbern gearbeitet, aber das war hart anzusehen“, erinnert sich Alsdorf. Wie unachtsam die Henker den Kopf der hingerichteten Frau in ihr Grab geworfen hätten, habe ihre Wut auf Lena gezeigt. „Sie hat sich stark gewehrt“, so Alsdorf. So sehr, dass die Männer Lena kurz vor ihrer Hinrichtung bewusstlos und ihr dabei fünf Zähne ausschlugen.
Die Vehemenz, mit der Lena sich zur Wehr setzte und trotz schlimmer Haftbedingungen nicht einknickte, bewundert Dietrich Alsdorf, der im Klappentext als „Anwalt einer Toten“ beschrieben wird.
Ihre Hoffnung auf Rettung habe sie bis zuletzt beibehalten. Für den Autor ist klar, dass Lena Prink unschuldig war und zu Unrecht hingerichtet wurde. „Wenn man tief in den Fall eindringt, merkt man schnell, dass alte Märchen beginnen, sich aufzulösen“, erklärt Alsdorf.
Wer war die rote Lena?
Die später als rote Lena bekanntgewordene Anna Marlena Prink wird 1800 in Elstorf als Tochter eines Bauern geboren. Nachdem sie der Knecht Hans Prink vergewaltigt, wird sie von ihrem Vater zu einer Ehe mit ihrem Peiniger gezwungen. Später wird Lena zur Geliebten des rund 50 Jahre älteren, irischen Gutsherren Michael Wilson, den sie bereits seit Kindesalter kennt. Nach dessen Tod folgen Streitigkeiten ums Erbe.

Dietrich Alsdorf hat mit „Das Gift der roten Lena“ seinen zweiten Roman über die Harsefelder Giftmischerin geschrieben. Foto: P. Meyer
Als kurze Zeit später auch ihr Mann Hans verstirbt, wird Lena vorgeworfen, ihn vergiftet zu haben. Es folgt eine Hetzjagd auf die junge Frau. Ihrem Beteuern auf Unschuld und einem Kronzeugen wird kein Gehör geschenkt. Nach drei Jahren in Haft wird Prink 1842 schließlich öffentlich geköpft.
Mehr Blickwinkel: Recherchen liefern Infos zur Schwester und zur Geliebten
In seiner neuesten Auseinandersetzung mit dem Leben der Anna Marlena Prink hat Dietrich Alsdorf eine große Portion Realismus einfließen lassen, erklärt er. Das habe er unter anderem der Ahnenforscherin Christine Seemann zu verdanken, die sich in einem Beitrag im Harsefelder Jahrbuch intensiv mit den Lebensgeschichten der Kinder der roten Lena beschäftigte.

Dietrich Alsdorf zeigt die Grundmauern des Verlieses, in dem die rote Lena untergebracht war. Foto: P. Meyer
In seinem Roman geht Alsdorf näher auf das Umfeld der roten Lena ein. Er zeigt nun auch Perspektiven ihrer Schwester Engel, der Gutsherrin Charlotte Wilson oder der ersten Geliebten des Gutsherrn, Vroni Peper. Das Fundament dafür schuf er durch seine jahrelange Recherche.
Unter anderem habe er im Hamburger Staatsarchiv, im Stadtarchiv Buxtehude, im Samtgemeindearchiv Harsefeld, im Niedersächsischen Landesarchiv Stade sowie in unzähligen Kirchenbüchern der Region nach Informationen zur roten Lena gesucht.
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Basierend auf den historischen Quellen nutzt Dietrich Alsdorf die Fiktion, um das Leben und den Tod der Anna Marlena Princk von einem neuen Blickwinkel zu beleuchten - und den Leser in eine Zeit zurückzuführen, in der Frauen kaum Rechte hatten.
Dauerausstellung und Filmteaser
Wer sich für die rote Lena interessiert, der kann sich ab sofort auch in der neuen Dauerausstellung im Harsefelder Museum über sie informieren oder eine thematische Gästeführung besuchen.
Zudem tragen die 2025 begonnenen Dreharbeiten erste Früchte: Bei der Buchvorstellung wird ein Teaser im Kino Meyer gezeigt, der einen ersten Eindruck zum geplanten Film über die rote Lena, mit Schauspielerin Lara-Maria Wichels in der Hauptrolle, geben soll. Der Termin steht noch nicht fest. Für das Projekt werden weiterhin Investoren gesucht.
Das Buch ist im MCE-Verlag erschienen und kostet 18 Euro. ISBN: 978-3938097700.
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