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TFriseure in der Krise – stiller Kampf gegen haarsträubende Probleme im Kreis Stade

Die Friseurbranche steht durch neue Regelungen unter Druck.

Die Friseurbranche steht durch neue Regelungen unter Druck. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Personalmangel, Barbershops und erfolglose Petition zur Rückzahlung der Corona-Hilfen - die Friseurbranche hat massive Probleme. Was dahintersteckt.

Von Susanne Laudien Montag, 11.05.2026, 11:15 Uhr

Harsefeld. Für viele Friseure war es ein regelrechter Schock, als sie Bescheid bekamen, dass sie nach fünf Jahren die Corona-Hilfen zurückzahlen sollen. Nach Angaben des Landesinnungsverbandes haben einige der Betriebe zwischen 9000 Euro und 15.000 Euro erhalten und viele Betriebe hätten die Soforthilfe bestimmungsgemäß zur Existenzsicherung eingesetzt – nicht für Gewinne oder Rücklagen.

Friseure sammeln 5000 Unterschriften

Die Friseure fordern vom Land, auf die Rückzahlungen zu verzichten. Sie berufen sich auch auf die Zusage, dass die finanzielle Unterstützung am Anfang der Pandemie als „Billigkeitsleistung, die nicht zurückgezahlt werden muss“ bewilligt wurde. Niedersachsens Friseure starteten daraufhin eine öffentliche Petition, die am 13. April endete.

Bis dahin hatte der Landesverband Zeit, 5000 Unterschriften zu sammeln, damit sich der Landtag erneut mit den Zahlungen beschäftigt. Doch lediglich 3716 Stimmen kamen zusammen. „Das hat sich damit wohl erledigt“, bedauert Ingo Toborg, Obermeister der Friseur-Innung Cuxhaven-Land Hadeln-Stade. Jetzt sei nur noch der Klageweg möglich.

Angespannte Lage schürt Existenzangst

Die Rückzahlungsforderung trifft die Friseurbranche in einer bereits angespannten Lage. Steigende Löhne, hohe Energiepreise, Fachkräftemangel, Investitionsstau und Konsumzurückhaltung setzen dem Friseurhandwerk weiterhin zu. Die Rückforderungen führen deshalb erneut zu Existenzängsten – genau das, was die Soforthilfe ursprünglich verhindern sollte, bekräftigt die Handwerkskammer Hannover.

Eines der Hauptprobleme ist der Personalmangel. Verantwortlich dafür ist unter anderem das negative Image der Friseurbranche durch angeblich schlechte Bezahlung. „Friseure werden grundsätzlich gerne in die untere Schublade gesteckt. Hier muss man aber stark differenzieren“, sagt Innungsmeister Ingo Toborg. In den verschiedenen Bundesländern gibt es unterschiedliche Tarifverträge und -empfehlungen. Der Lohn muss vor allem für den Betrieb finanzierbar sein, sagt Toborg.

Gewerkschaften und Politik sind gefragt

Um bei den Tarifen grundsätzlich etwas zu verändern, müssten Gewerkschaften und auch die Politik mitspielen. „Doch wir werden seit Jahren abgeblockt. Tarifverhandlungen finden nicht statt.“ Stattdessen werden immer mehr Kosten etwa durch Sozialabgaben auf Betriebe abgewälzt, beklagt Toborg.

Aber die Friseur-Innung verliert an Stärke durch zunehmenden Mitgliederschwund, so Toborg. Die Ursachen dafür seien ähnlich wie bei den Vereinen: Mangelndes Interesse an Mitarbeit, jüngere Friseure, die sich nicht mit der Innungsarbeit identifizieren oder diese nicht mehr zeitgemäß finden.

„Doch was viele nicht sehen, ist die geleistete Arbeit der Innung, wie etwa das Organisieren von Schulungen, Erste-Hilfe-Lehrgängen, Prüfungen und Unterstützung bei der Ausbildung, Regelungen mit der Berufsgenossenschaft und Informationen zu Gesetzesänderungen“, sagt Toborg.

Weniger Auszubildende - mehr Work-Life-Balance

Den Mangel an Personal belegen aktuelle Zahlen der Auszubildenden, die in der Friseurbranche rapide zurückgegangen sind, so Toborg. Lediglich noch neun bis zehn Prozent der deutschlandweiten Salons bilden Friseure aus. Hierfür nennt Toborg mehrere Ursachen: Schüler gehen verstärkt aufs Gymnasium anstatt eine Ausbildung zu machen. Zudem führt der demografische Wandel zum Rückgang der Schulabgängerzahlen, was zum Bewerbermangel auf dem Ausbildungsmarkt führt.

Immer mehr Menschen haben außerdem eine differenzierte Vorstellung von der Arbeit und legen größeren Wert auf Freizeit. „Die Arbeit muss wieder stärker im Fokus stehen. Ansonsten wird unser System in den nächsten Jahren nicht mehr funktionieren“, so der Innungsmeister. „Es ist ein Generationskonflikt und wir müssen wieder Spaß an der Arbeit haben.“

Preiskampf durch Barbershops ohne Meistertitel

Ein weiteres Problem in der Friseurbranche ist die Konkurrenz durch Barbershops ohne Meistertitel - die eigentlich nur Bärte frisieren dürfen. Ab 1. Januar ist das Friseur- und Kosmetikgewerbe explizit in den Katalog der Schwarzarbeitsbranchen des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes aufgenommen worden. Dadurch soll unlauterer Wettbewerb und illegale Beschäftigung insbesondere in Barbershops und Nagelstudios stärker bekämpft werden.

Hier müsse stärker kontrolliert werden. Der Gesetzgeber sei in der Pflicht, besondere Rahmenbedingungen zu schaffen, um etwas gegen das Ungleichgewicht zu tun, findet Toborg: „Klassische Betriebe haben höhere Auflagen und dadurch auch mehr Kosten.“

Kritisch sieht Ingo Toborg in dem Zusammenhang auch die geänderte Voraussetzung zur Meisterprüfung. Nach der Novellierung der Handwerksordnung im Rahmen eines EU-Gesetzes ist eine mehrjährige Berufspraxis inzwischen nicht mehr zwingend erforderlich, um zur Meisterprüfung zugelassen zu werden. Ohne Berufserfahrung tun sich viele Friseure schwer, weiß der Friseurmeister aus langjähriger Erfahrung.

Ingo Toborg, Obermeister der Friseur-Innung Cuxhaven-Land Hadeln-Stade.

Ingo Toborg, Obermeister der Friseur-Innung Cuxhaven-Land Hadeln-Stade. Foto: Toborg

„Die Arbeit muss wieder stärker im Fokus stehen. Ansonsten wird unser System in den nächsten Jahren nicht mehr funktionieren.“

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