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Spritpreise

TFrust an der Zapfsäule: Das halten Menschen in Buxtehude vom Tankrabatt

Rolf-Peter Erkrath: „Der Rabatt kommt bei mir nicht an.“

Rolf-Peter Erkrath: „Der Rabatt kommt bei mir nicht an.“ Foto: Thumann

An den Tankstellen im Landkreis Stade wird die Stimmung ob der hohen Kraftstoffpreise nicht besser. Trotz des Tankrabatts. Ein Besuch an der Zapfsäule in Buxtehude.

Von Rainer Thumann 20.05.2026, 13:05 Uhr

Landkreis. Der Blick auf die Anzeigetafel an der Tankstelle sorgt bei vielen Autofahrern weiter für Frust. Zwar soll der Tankrabatt von 17 Cent pro Liter die Verbraucher entlasten, doch beim Bezahlen bleibt bei vielen das Gefühl: Wirklich günstig wird Tanken trotzdem nicht. Kommt die staatliche Entlastung, so wie es die Monopolkommission analysiert hat, überhaupt bei den Kunden an? Das TAGEBLATT hat sich an einer Tankstelle umgehört.

Bft-Willer hat zwei ehemalige Aral-Tankstellen in Buxtehude übernommen.

Bft-Willer hat zwei ehemalige Aral-Tankstellen in Buxtehude übernommen. Foto: Thumann

An der bft-Willer-Tankstelle in Buxtehude herrscht reger Betrieb. Das Familienunternehmen aus Kiel mit knapp 30 Stationen auf der anderen Elbseite hat vor kurzem die beiden Aral-Stationen an der Este übernommen.

Historischer Höchststand an der Zapfsäule im April

Von sieben angefragten Betreibern im Landkreis Stade erlaubte nur Willer-Geschäftsführer Axel Niesing, Kunden direkt vor Ort zu befragen. Außerdem antwortete die RAISA eG, die etwa 30 Tankstellen im Elbe-Weser-Raum betreibt, auf die TAGEBLATT-Fragen.

Joshua Simon betankt seinen 32 Jahre alten Polo.

Joshua Simon betankt seinen 32 Jahre alten Polo. Foto: Thumann

„Ich merke ehrlich gesagt nichts von dem Rabatt“, sagt der Auszubildende Joshua Simon aus Neuenfelde, während er seinen 32 Jahre alten Polo betankt. Dabei sind die Preise nach den historischen Höchstständen im April bereits deutlich gefallen. Diesel kostete am Dienstagvormittag 1,91 Euro pro Liter - rund 22 Prozent weniger als im April, dem teuersten Tank-Monat aller Zeiten, als noch 2,44 Euro am Preisschild stand. Superbenzin sank im selben Zeitraum um immerhin 26 Cent.

Doch viele Tankstellenkunden geben an, davon zu wenig zu spüren. „Das ist bei mir nicht angekommen“, sagt Ewa Klatt. Die 69-Jährige war Unternehmerin eines Fitnessstudios und zuletzt einer Gesellschaft für Brandschutz. „Was die Regierung sich mit uns erlaubt, ist schlimm. Und das erleben wir nun nach 40 Jahren Arbeit“, kritisiert sie die Politik.

Buxtehuder setzt auf das Deutschlandticket

Etwas gelassener nimmt Markus Lüthje die Situation. „Ich fahre so wenig wie möglich, ich habe ein Deutschlandticket der Bahn“, sagt der Buxtehuder. Dennoch ärgert er sich über sein schlechtes Timing: Erst vergangene Woche hatte er noch für 2,05 Euro vollgetankt. Nun ist der Preis deutlich gefallen. „Die Konzerne stecken sich die Taschen voll“, meint der Pendler nach Lüneburg.

Tatsächlich meldete der Shell-Konzern für das erste Quartal 2026 einen um 23 Prozent höheren Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal. Für Rolf-Peter Erkrath ist das ein Beleg dafür, dass der Rabatt nicht bei den Verbrauchern landet. „Die verarschen uns doch. Ich beobachte die Preise sehr konstant, weil ich noch ein anderes Auto habe, das V-Power benötigt. Der Rabatt kommt bei mir nicht an“, sagt der Flughafenmitarbeiter aus Hamburg.

Erkrath hat gelesen, dass 60.000 Tankstellen in Deutschland mutmaßlich gegen die Preisregeln verstoßen hätten und bemängelt, dass niemand die Verstöße ahnden würde. Mit Sorge blickt er auf die Ferienzeit: „Was kommt dann nach den zwei Monaten Rabatt? Wenn das Kerosin knapp wird, dann fahren viele mit dem Auto in den Urlaub. Und was passiert dann?“ Er fordert einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild anderer europäischer Länder wie Kroatien, Ungarn, Polen, Slowenien oder Belgien.

Kurz vor Mittag an der Tanke: „Preiskampf pur“

40 Minuten vor Mittag wird die Tankstelle zum Nadelöhr. 13 Fahrzeuge drängen sich um die sechs Zapfsäulen. Viele beeilen sich beim Bezahlen, um anderen Kunden noch günstige Preise zu ermöglichen. „Das ist Preiskampf pur. Als würde es morgen keinen Sprit mehr geben“, staunt Mitarbeiterin Jacqeline Elsner. Seit neun Jahren arbeitet die Harsefelderin an der Station und kennt das Auf und Ab der Preise aus der Praxis. Für Kaffee- oder Toilettenpause bleibt in der Vormittags-Rushhour keine Zeit.

Jacqeline Elsner arbeitet an der Tankstelle. Vormittags ist Rushhour.

Jacqeline Elsner arbeitet an der Tankstelle. Vormittags ist Rushhour. Foto: Thumann

Vor dem Wohnmobil prüft Hans Heyenga das Gewicht seiner Gasflasche. „Die großen Gewinner sind die Ölkonzerne. Wo ist denn eigentlich die Aufsichtsbehörde?“, fragt der ostfriesische Rentner.

Luise Richter ist von Dammhausen in die Stadt gezogen, um Einkäufe zu Fuß oder per Rad zu erledigen. „Es ist jetzt das erste Mal nach der Rabatteinführung, und da tanke ich lieber etwas nach“, so die Kundin.

10 Cent mehr pro Liter im Nachbarkreis

Eileen Wilhelm tankt einmal im Monat wie es gerade in ihren Tagesablauf passt. „Durch Homeoffice und nur zwei Fahrten pro Woche nach Jork benötige ich nicht viel“, sagt sie und freut sich über gesparte sechs Cent pro Liter.

Auffällig viele Fahrzeuge kommen aus dem Nachbarkreis Harburg. „In Neu Wulmstorf zahle ich 10 Cent mehr pro Liter. Das ist eine Frechheit. Der Rabatt ist dort noch nicht angekommen“, sagt Thomas Krüger.

Eine Außendienstmitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, findet deutlichere Worte: „Es ist erst ein paar Monate her, da habe ich 1,60 Euro für den Liter Super bezahlt. Ich bin im Außendienst tätig und fahre 40.000 Kilometer im Jahr. Das ist echter Schwachsinn mit den Preisen!“

Diesel 25 Cent teurer kurz nach 12 Uhr

Wenig später zeigt sich, warum viele Autofahrer hektisch noch schnell tanken wollten. Um 12.02 Uhr springt die Anzeigetafel plötzlich um: 25 Cent mehr für Diesel und Super. Die Tankstelle leert sich schlagartig. „Ja, die Preise gehen aber schnell wieder runter, und auch die Kunden kommen wieder“, sagt Jacqeline Elsner.

Der Blick auf die Anzeigetafel bestätigt die Aussage, denn tatsächlich pendeln sich die Preise am Spätnachmittag wieder auf das Niveau vom Vormittag ein. Auch wenn die konkreten Zahlen belegen, dass der 17-Cent-Rabatt weitergegeben wird, ist das Gefühl ein anderes.

Das sagt die RAISA eG zum Tankrabatt

Für Henning Stegmann, Spartenleiter Tankstellen bei der RAISA eG, steht fest: „Wir haben den Tankrabatt komplett an unsere Kunden weitergegeben.“ Dass viele Verbraucher zu Beginn dennoch kaum Entlastung gespürt hätten, habe vor allem an den weiterhin stark steigenden Einkaufspreisen gelegen.

„Wir haben am 30. April noch teuer eingekauften Sprit ab dem 1. Mai zu günstigeren Preisen verkaufen müssen“, erklärt Stegmann. Die internationalen Einkaufspreise hätten dabei „keine Rücksicht auf die Situation in Deutschland genommen“. Nach Angaben des Unternehmens, das etwa sechs Cent pro Liter für den Betrieb der etwa 30 Tankstellen im Elbe-Weser-Raum erhält, seien die Preise zum Start des Tankrabatts dennoch gesenkt worden, seien aber mit Blick auf die politische Situation am Golf und den Handel an der Börse sehr stark schwankend.

Zudem setze die RAISA auf eine zurückhaltendere Preisstrategie als manche Wettbewerber: Statt die Preise mittags stark anzuheben, halte man diese über längere Zeit stabil, bis sich andere Anbieter wieder auf ähnlichem Niveau bewegten.

Tankrechnung.

Tankrechnung.

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