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Im Herzen

TFür toten Freund: Sie fahren mit dem Rad aus Frankreich nach Assel

Mickaël, Hervé, Daniel, François, Emmanuel, Philippe, Vincent und Ludovic machen sich im Mai auf den langen Weg von Frankreich nach Assel.

Mickaël, Hervé, Daniel, François, Emmanuel, Philippe, Vincent und Ludovic machen sich im Mai auf den langen Weg von Frankreich nach Assel. Foto: Privat

So emotional war die Partnerschaft selten: Acht Freunde aus Frankreich kommen mit dem Rad nach Assel - für ihren toten Freund.

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Von Lars Wertgen
Samstag, 21.03.2026, 17:50 Uhr

Assel. Er hatte es selbst vorgeschlagen - einen Wunsch, den er unter Freunden ausgesprochen hatte und der nie in Vergessenheit geriet: „Eines Tages fahren wir mit dem Rad nach Assel.“

Jean-Bernard aus Frankreich meinte es ernst. Doch er sollte diesen Tag nie erleben. Im Januar 2015 starb er plötzlich an Herzversagen, viel zu früh, und hinterließ eine Leere, die seine Freunde bis heute spüren. Jetzt, mehr als zehn Jahre später, setzen sie seinen Traum in die Tat um - für ihn, mit ihm im Herzen, auf 798 Kilometern durch drei Länder.

Auf dem Rad durch drei Länder

Am 10. Mai werden acht Männer aus der kleinen, nordfranzösischen Gemeinde Rosières-en-Santerre in die Pedale treten und sich auf den Weg nach Assel machen. Die Strecke führt über Gent, Antwerpen und ‘s-Hertogenbosch, überquert in Nordhorn die deutsch-niederländische Grenze und endet nach fünf Etappen im Kreis Stade.

Täglich sechs Stunden im Sattel, insgesamt 32 Stunden Fahrtzeit sind bis zur Zieleinfahrt am 14. Mai, um 16.30 Uhr eingeplant. Zwei Begleitfahrzeuge sind dabei, aber der eigentliche Begleiter ist unsichtbar: ein Freund, der diese Fahrt einst erträumte.

Die Asseler Delegation bereitet sich auf die Ankunft der französischen Partnergemeinde vor.

Die Asseler Delegation bereitet sich auf die Ankunft der französischen Partnergemeinde vor. Foto: Privat

Ein Musiker, der Spuren hinterließ

„Jean-Bernard wurde von allen geschätzt - von seinen Fahrradtour-Freunden, von seinen Schülern“, sagt Daniel Lemaire, einer der Fahrer. Jean-Bernard war Musiklehrer, aktiv in mehreren Musikensembles, einer, der zusammenhielt, was zusammengehörte.

„Wir haben lange Zeit gebraucht, um dieses Projekt zu realisieren, aber nun ist es Wirklichkeit geworden. Wir können es kaum erwarten und sind überzeugt, dass er stolz auf uns wäre.“

Wenn Trauer zum Antrieb wird

Die Fahrt trägt ein Motto: „Eine Fahrt, die Herzen verbindet.“ Und dieser Satz meint es doppelt. Denn die Radler sammeln auch Spenden - für die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für je einen öffentlich zugänglichen Defibrillator in Rosières und in Assel.

Bis zu 7000 Euro sollen die beiden Geräte kosten. Der Defibrillator in Assel ist für die Defi-Gruppe der Feuerwehr vorgesehen. „Sein plötzlicher Tod hat uns eindringlich vor Augen geführt, wie entscheidend schnelle Hilfe im Notfall ist - und dass ein Defibrillator im richtigen Moment Leben retten kann“, sagt Dr. Hartmut Meyer, Präsident der Partnerschaft Assel-Rosières.

Meyer verfolgt die Vorbereitungen mit einer Mischung aus Demut und Bewunderung. „Ich habe absoluten Respekt vor den Fahrern, und es gibt mir ein Gänsehaut-Gefühl, dass sie das für ihren Freund auf die Beine stellen.“ Der Tod von Jean-Bernard habe ihn selbst daran erinnert, dass es jeden jederzeit treffen könne.

Wo Freundschaft über Grenzen lebt

Was zählt, lässt sich in Assel im Mai besonders gut beobachten. Knapp 80 Gäste aus Frankreich werden dann privat bei Familien untergebracht - manche kennen sich bereits in der zweiten oder dritten Generation.

„Seit 1995 haben meine Frau und ich an jedem Austausch teilgenommen“, sagt Lemaire. Sie kommen bei Familie Cord unter. „Wir haben unsere Kinder gegenseitig aufwachsen sehen. Ich kann sagen, dass Lena und Jana Teil unserer Familie geworden sind.“ Assel stehe für Gastfreundschaft, Einfachheit, Geselligkeit, so der Franzose.

Dass der Anteil der Jugendlichen beim diesjährigen Treffen besonders hoch ist, freut Meyer deshalb umso mehr. Die Jugendfeuerwehr aus Rosières kommt eigens rüber, ihre Asseler Kollegen haben ein Rahmenprogramm vorbereitet.

Gemeinsam in die nächste Generation

„Indem wir dieses Abenteuer realisieren, hoffen wir, neue Familien zu inspirieren und jungen Leuten Lust zu machen, den Gruppen beizutreten“, sagt Lemaire. Vier der acht Radfahrer waren zuvor noch nie in Assel - für sie beginnt eine Geschichte, die andere schon seit Jahrzehnten schreiben.

54 Jahre verbindet Assel und Rosières eine Partnerschaft. Viele Treffen, viele Abschiede, viele Wiedersehen. Doch dieses Mal ist anders. Sie fahren für einen Freund, dessen Wunsch sie nie vergessen haben.

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Kreditinstitut: Kreissparkasse Stade

Verwendungszweck: „Partnerschaft Assel–Rosières“

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