TGefiederte Gäste: Was hinter dem Naturphänomen an der Halepaghen-Schule steckt
Eine junge Waldohreule (Symbolbild) Foto: Wertgen
Ein Naturschauspiel verzauberte zwei Tage lang die Halepaghen-Schule: In einem Baum auf dem Schulhof hielten sich gleichzeitig neun Eulen auf - stumm und starr. Ein Kenner der heimischen Tierarten erklärt das Phänomen.
Buxtehude. Obwohl ihr Federkleid sie hervorragend tarnt, blieben die Tiere nicht unentdeckt: Eulen in auffallend großer Zahl hatten sich etwa zwei Tage lang auf einem Baum auf dem Schulhof der Halenpaghen-Schule niedergelassen. Mittlerweile sind sie wieder verschwunden. Die Gäste waren ein beliebtes Fotomotiv bei Schülern und Lehrern.
Ein Kenner der heimischen Tierwelt hat die Vögel für das TAGEBLATT identifiziert: „Es handelt sich um Waldohreulen“, sagte Manuel Martens nach Ansicht eines Fotos. Er leitet die Tierpflege am Wildpark Schwarze Berge.
Die Waldohreule ist nach Angaben des Naturschutzverbandes Nabu neben dem Waldkauz die häufigste Eulenart in Deutschland. Ihr auffälliges Merkmal sind die Federohren, die sie allerdings auch anlegen kann.
Die Eulen verharrten ganz ruhig in dem Baum
Neun Waldohreulen hat Rektorin Bettina Fees-McCue auf dem Baum gezählt, der nahe am Schulgebäude steht. „Die Tiere verharrten dort ganz ruhig. Unfassbar schön, so etwas zu sehen“, sagt sie. Alle seien begeistert gewesen, dass die Eulen sich einen Baum auf dem Schulhof ausgesucht hatten.
Gefüttert hätten Schüler und Lehrer die Tiere nicht. „Da kann man viel falsch machen“, sagt Fees-McCue. Die Waldohreule ernährt sich laut Manuel Martens hauptsächlich von Mäusen und jungen Ratten. Manchmal jagt sie auch kleinere Vögel, wenn das Vorkommen an Kleinnagern knapp wird.

Eine Waldohreule sitzt auf einem Baum auf d em Schulhof der Halepaghenschule in Buxtehude. Foto: Mußfeldt
Eine solche große Ansammlung von Eulen in einem Baum habe sie noch nie gesehen, sagt Fees-McCue. „Wir sind begeistert, wie einen die Natur überrascht.“ Für den Experten dagegen ist das Phänomen nicht überraschend: „Bei Waldohreulen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich mehrere Tiere an einem Baum sammeln“, sagt Manuel Martens. Das sei dann ihr Schlafbaum.
Das Nahrungsangebot in der Nähe war wohl gut
Die Waldohreule ist streng nachtaktiv und lebt lieber heimlich.Trotzdem sei das Tier laut Nabu teilweise gut an ihrem Gemeinschaftsschlafplatz im Winter zu beobachten. Normalerweise bevorzugten Eulen ruhige Plätze.
Aber wenn das Nahrungsangebot in der Nähe gut ist, könne es durchaus sein, dass sich die Tiere zum Beispiel auch in belebtere Gegenden zurückziehen, sagt Manuel Martens. Es kommt nicht selten vor, dass Waldohreulen in Innenhöfen brüten und ihre Jungtiere aufziehen. Das sei in diesem Jahr zum Beispiel in der Südstadt von Hannover beobachtet worden.

Waldohreulen gelten als stille Jäger (Symbolbild) Foto: Patrick Pleul/dpa
Für einen zwischenzeitlichen Schlafbaum an der Halepaghen-Schule sprach offenbar auch die geschützte Lage auf dem Schulhof. Der Baum befindet sich nahe am Schulgebäude. Wegen der Kälte und der Schneeschauer hielten sich zu dem Zeitpunkt weniger Schüler als üblich auf dem Schulhof auf.
Waldeulen sind nicht gefährdet
Waldohreulen sind 32 bis 37 Zentimeter groß. Ihr Bestand in Deutschland gilt als nicht gefährdet. Die Waldohreule besiedelt laut NABU Wälder mit offenen Flächen in der Nähe oder Felder mit Feldgehölzen, da sie bevorzugt in offenen Flächen jagt. Dichte Wälder meidet sie, da sie dort mit dem Waldkauz konkurrieren würde.