TGegen den Strom: Eske Meyer möchte junge Leute in Balje halten
Kommt aus Nienburg, lebt in Balje: Eske Meyer. Foto: Helfferich
Eske Meyer ist mit 20 Jahren die Jüngste der sieben Dorfmoderatoren in Balje. Was sie antreibt und warum sie unbedingt weiterhin in Balje leben möchte.
Balje. Eske Meyer war sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter aus der Nähe von Nienburg an der Weser nach Balje an der Elbe zog. An Eingewöhnungsprobleme kann sie sich nicht erinnern. „Ich habe mich in Balje gleich wohlgefühlt“, sagt die junge Frau. So ist es geblieben.
Die Landjugend Balje: Carsten Nagel, Lasse Beckmann, Simon Pohl, Henk Beckmann, Albrecht Pohl (oben von links) sowie Eske Meyer, Wiebke Kühlcke, Anneke Bajema, Paula Mahler und Wiebke Junge (unten von links). Foto: Felsch
Zur echten Baljerin wurde Eske Meyer, als sie mit 15 Jahren die Landjugend für sich entdeckte und dort eintrat. „Da war immer was los. Das ist auch heute noch so“, sagt die 20-Jährige. Sie erzählt vom legendären Buschfahren fürs Osterfeuer oder von Schlittenfahrten am Deich.
Der Zusammenhalt gilt bis heute: Wann immer sie die Gelegenheit hat, trifft sie sich mit ihren Freunden. Sie verabreden sich spontan zum Kochen oder Spielen im Landjugendraum im alten Feuerwehrgerätehaus.
Mit 20 Jahren die jüngste Dorfmoderatorin
Eske Meyer will auch in Zukunft in Balje leben und das Dorf mitgestalten. Im vergangenen Jahr hat sie sich mit sechs weiteren Baljern zur Dorfmoderatorin ausbilden lassen. Die Ehrenamtlichen wollen Balje besser aufstellen für die Zukunft.
Auch die Studentin hat Wünsche: Ein kleiner Supermarkt und eine bessere Verkehrsanbindung wären perfekt. Doch das wichtigste Ziel für sie ist, „junge Leute hier zu halten“, sagt Eske Meyer. Was fehlt, ist geeigneter Wohnraum.
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Die 20-Jährige, die in Schwerin Arbeitsplatzmanagement studiert, fühlt sich durch und durch als Baljerin. „Balje ist noch ein richtiges Dorf“, sagt die Studentin, die vier Monate im Jahr an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin büffelt und weitere vier Monate in der Arbeitsagentur Cuxhaven ihre Ausbildung macht. „Das Stadtleben ist nicht meins. Hier höre ich statt Autolärm die Wildgänse schnattern. Ich kann stundenlang spazierengehen, ohne jemanden zu treffen.“
Nur fünf Prozent der Immobilien sind Mietwohnungen
In ihrem Studienort Schwerin ist es nicht so ruhig. Dort lebt Eske Meyer in einer Wohngemeinschaft. „Meine Mitbewohner sind super-nett, aber ich bin froh, wenn ich alleine in der Küche stehe.“ Auf lange Sicht sei eine WG keine Option.
Während ihrer Trimester mit Praxiseinsatz wohnt Eske Meyer meist in Balje bei ihrer Mutter. Doch wenn sie ihr Studium abgeschlossen hat, möchte sie das ändern. Am liebsten würde sie mit ihrem Partner ein Einfamilienhaus in Balje kaufen.
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„Das Haus muss nicht neu sein, aber die Nachfrage für diese Häuser ist so hoch, das können wir gar nicht bezahlen.“ Es gebe einige leerstehende Resthöfe. Doch da sei der Sanierungsbedarf immens. Das Fazit: Wohnungen, die sich junge Menschen leisten können, gibt es im von Landwirtschaft geprägten Balje kaum. Nur fünf Prozent der Immobilien sind Mietwohnungen. Vier ihrer Freunde ginge es ähnlich.
Jade Hochschule untersucht Wohnbedarfe
Das Problem hat die 20-Jährige in der Runde der Dorfmoderatoren angesprochen und setzte damit den Grundstein für ein neues Projekt. Wie will Balje leben?, fragten sich die Ehrenamtler. Und führten zunächst einen Workshop mit dem Verein Provinzwerkstatt durch.
Schon da stellte sich heraus, dass Wohnen auch für die Älteren ein großes Thema ist. Dem folgte ein Studentenprojekt der Jade Hochschule in Oldenburg. Drei Altersgruppen - U35, 35 bis 70 und Ü70 - wurden im November befragt. Die Ergebnisse werden derzeit noch von der Hochschule ausgewertet.

Die Landjugend beim Buschfahren: Frida Feil, Paula Mahler, Eske Meyer, Wiebke Kühlcke, Anneke Bajema (oben von links) sowie Thea Feil, Wiebke Junge, Wiebke Horwege und Jasmin Wächter (unten von links). Foto: Landjugend Balje
Seit April vergangenen Jahres sind die Dorfmoderatoren in Balje aktiv. Sie wollen, dass Balje auch für junge Leute attraktiv bleibt. Ihre Aufgabe ist, die Dorfentwicklung durch Vernetzung lokaler Akteure zu unterstützen. Ziel ist, die Lebensqualität in Balje für alle Altersgruppen zu steigern und damit die Zukunft des Dorfes zu sichern.
Ein weiterer Aspekt: Wenn Ende des Jahres durch die Fusion aller fünf Nordkehdinger Gemeinden die Räte wegfallen, bleiben die Moderatoren als Interessenvertreter vor Ort aktiv. Das will auch Eske Meyer unbedingt.
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