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TGenehmigung für den sechsten A20-Bauabschnitt - Folgen Klagen?

Autos fahren hinter einem Hinweisschild zur A20 auf der Autobahn. (Symbolbild)

Autos fahren hinter einem Hinweisschild zur A20 auf der Autobahn. (Symbolbild) Foto: Carsten Rehder/dpa

Es ist eine Nachricht, auf die Autobahnbefürworter seit Jahrzehnten warten und die Gegner der Autobahn 20 erzürnen dürfte: Der Planfeststellungsbeschluss für den sechsten Abschnitt der A20 ist da. Was bedeutet das?

Von Theo Bick Mittwoch, 21.01.2026, 05:50 Uhr

Bremervörde. Der Planfeststellungsbeschluss der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) vom 18. Dezember 2025, beschreibt den vierstreifigen Neubau der A 20 von der Bundesstraße 495 bei Glinde bis zur Landesstraße 114 bei Elm.

„In dem Beschluss ist über alle vorgetragenen Einwendungen, Äußerungen, Forderungen, Hinweise und Anträge entschieden worden“, heißt es in dem Beschluss.

Prinzipiell hätte das Projekt mit dem Abschluss des Genehmigungsverfahrens Baureife erlangt. Dass gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt wird, darf jedoch als sicher gelten. Von Letzterem geht auch Bürgermeister Michael Hannebacher (parteilos) aus.

Dennoch sei der Planfeststellungsbeschluss „ein Meilenstein für Bremervörde“ und „ein wesentlicher Schritt zur Baureife“, führt das Bremervörder Stadtoberhaupt auf Anfrage der „Bremervörder Zeitung“ aus. Hannebacher: „Für alle Befürworter, zu denen ich auch gehöre, ist es ein deutliches Zeichen, dass man an der Planung festhält.“

Hannebacher erinnert zudem an die Ansage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der jüngst versprach, dass alle baureifen Projekte auch gebaut würden. Aus Bremervörder Sicht für den Bürgermeister besonders zentral: „Alleine der Bauabschnitt 6 kann nicht die Lösung sein.“

Für den Fall, dass der Abschnitt 6 zunächst ohne direkte Anbindung fertiggestellt werden sollte, müsste umgehend dafür gesorgt werden, dass der Fern- und Schwerlastverkehr auf die Autobahn umgeleitet wird, um die Ostestadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser, sagt: „Ein Verfahren dieser Art gleicht selten einem Sprint - eher einem Langstreckenlauf mit anspruchsvoller Topografie. Umso erfreulicher ist es, dass dieser Meilenstein nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte.“

Freude in Berlin, Rotenburg und Hannover

Freudig zur Kenntnis genommen hat auch die Bremervörder Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel (CDU) die Neuigkeiten. „Ich freue mich darüber, dass es ein neues Zeichen für den Bau der A20 gibt. Endlich nimmt die Realisierung mehr Formen an“, betont die Mehedorferin. Fest überzeugt ist sie davon, dass die Autobahn für die Region ein „Wachstumsbooster“ sein wird.

Zobel weiter: „Wir haben das Ziel vor Augen. Nun geht es darum, dass eventuell eingehende Klagen gegen den Beschluss zügig abgearbeitet werden.“ Die Autobahn GmbH bekomme dabei ihre volle Unterstützung und Rückendeckung, sichert die Abgeordnete zu.

Wann (und ob) irgendwann tatsächlich die ersten Bagger rollen können, steht dennoch weiterhin in den Sternen. Generell gilt: Ein Planfeststellungsbeschluss für eine Autobahn verliert seine Gültigkeit in der Regel dann, wenn nicht spätestens fünf Jahre nach Erlangung seiner Unanfechtbarkeit - also nach Ablauf der Klagefrist oder nach dem Abschluss eines etwaigen Gerichtsverfahrens - mit dem Bau begonnen wurde.

Prietz: „Ein echter Meilenstein für unsere Region“

Für gute Stimmung sorgt der Planfeststellungsbeschluss ebenfalls im Rotenburger Kreishaus. „Das ist ein echter Meilenstein für unsere Region“, freut sich Landrat Marco Prietz (CDU). Die A20 ist aus Sicht des Landrates von großer Bedeutung für verbesserte Erreichbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Landkreises.

„Gerade die Unternehmen im Norden des Landkreises benötigen dringend eine leistungsfähige Verkehrsanbindung“, sagt der Bremervörder auf BZ-Anfrage. Gleichzeitig werde so der Durchgangsverkehr reduziert und die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt damit entlastet. „Ich hoffe, dass auf dieser Grundlage möglichst schnell mit dem Bau begonnen werden kann“, so Prietz.

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Darin ist er sich einig mit seinem Parteifreund Dr. Marco Mohrmann. „Dass jetzt der Planfeststellungsbeschluss für den Neubau des 6. Abschnitts der A20 vorliegt, ist ein gutes Signal für unsere Region und ganz Niedersachsen. Nun muss das vorliegende Baurecht zügig in die Umsetzung gebracht werden“, fordert der CDU-Landtagsabgeordnete.

Von der Landesregierung erwarte er, dass sie das Vorhaben tatkräftig unterstütze. „Denn unsere Wirtschaft braucht sichere, gut ausgebaute und verlässliche Verkehrswege. Deshalb ist ein integrierter Blick auf alle Verkehrsträger notwendig - Schiene, Wasserwege und ebenso leistungsfähige Autobahnen, die dort, wo es erforderlich ist, auch neu gebaut werden müssen“, sagt Mohrmann.

Bauabschnitt 6: 12,4 Kilometer lange Trasse

Die etwa 12,4 Kilometer lange Trasse des Bauabschnittes 6 verläuft über das Kornbecksmoor am nördlichen Waldrand der Höhne entlang, unmittelbar an der Gemarkung „am Kiel“ vorbei. Hönau-Lindorf wird nahe der Kreuzung K 105/ K 106 gequert.

Anschließend verläuft die Trasse nördlich von Nieder Ochtenhausen, um anschließend die Oste von West nach Ost zu queren. Nördlich von Elm kreuzt die A 20 die L 114, wo der Bauabschnitt 6 endet. Von dort ausgehend soll künftig der 7. Bauabschnitt der A 20 in östlicher Richtung die Verbindung an das geplante Kehdinger Kreuz und den künftigen Elbtunnel bei Drochtersen sowie an die A 26 Richtung Stade und Hamburg herstellen.

Neben den Überführungen der Kreisstraßen 105 bei Hönau-Lindorf und der K 106 bei Nieder Ochtenhausen und einer 276 Meter weiten Überspannung des Talraumes der Oste sieht der Plan für den Bauabschnitt 6 die Errichtung mehrerer Faunabrücken vor. Damit soll die „naturräumliche Vernetzungsfunktion“ aufrechterhalten werden.

Folgen für Natur und Anwohner

Als Ausgleich für umweltschädliche Eingriffe des Autobahnbaus - die Folge wird unter anderem ein Verlust an Lebensraum von Brutvögeln sein - sind Kompensationsmaßnahmen unter anderem im Flusstal der Oste, im Bereich des Weißen Moorwegs, im Fresenburgsmoor und an der Höhne geplant. Grünlandbereiche im Kornbecksmoor und am Neuendammer Schiffgraben, die künftig nur noch extensiv landwirtschaftlich genutzt werden, sollen ebenfalls zur Habitatsverbesserung des Vogelbestandes beitragen.

An diesen Orten umfasst der Plan zur Kompensation der verloren gehenden Brutvogellebensräume die Entwicklung ausgedehnter Grünlandbereiche in zusammenhängenden Maßnahmenkomplexen im Kornbecksmoor und am Neuendammer Schiffgraben. Betont wird im Beschluss zudem, dass vielerorts entlang der Trasse mit erhöhtem Verkehrslärm zu rechnen sein dürfte, der oberhalb des Beurteilungspegels von 60/70 dB(A) verortet ist. Unter anderem in Oerel, Ebersdorf und der Stadt Bremervörde wurden Ansprüche auf sogenannte passive Schallschutzmaßnahmen festgestellt.

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