T„Gigantische Liga“: VfL Horneburg lernt aus den vielen Niederlagen
Josua Schleßelmann erzielt gegen Leipzig neun Tore. Foto: Berlin
14 Pleiten in 15 Spielen: Die A-Junioren des VfL Horneburg spielen gegen die besten Talente Deutschlands. Was Trainer Stefan Hagedorn trotz der Misserfolge stolz macht.
Horneburg. Die Tabelle der Bundesliga der A-Jugend liest sich wie das Who ist Who des deutschen Handballs: THW Kiel, SC Magdeburg, Füchse Berlin, SG Flensburg-Handewitt. Die Top-Clubs bilden ihre Talente in Sportschulen und Internaten aus. Die Jungs trainieren bis zu zwei Mal am Tag. Sie träumen davon, Profis zu werden. Und mittendrin: ein gallisches Dorf.
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Der VfL Horneburg hat diese Möglichkeiten nicht. Die Infrastruktur. Die bezahlten Trainer- und Betreuerstäbe. Die Finanzkraft. Stefan Hagedorn leitet tagsüber seine Firma in Hamburg, lenkt die Geschicke der Handball-Abteilung des VfL nach Feierabend ehrenamtlich und trainiert dann am Abend die A-Junioren in der Sporthalle an der Hermannstraße. „Die Liga ist gigantisch“, sagt Hagedorn.

Tagsüber Geschäftsmann in Hamburg, nach Feierabend Handball-Abteilungsleiter und Trainer: Stefan Hagedorn. Foto: Berlin
Am Samstag gastiert der SC DHfK Leipzig in Horneburg. Der VfL wehrt sich gegen die 14. Niederlage im 15. Spiel. Josua Schleßelmann erzielt neun Tore. Lev Schmidt kommt auf sieben Treffer. Torhüter Luis Prochaska nervt die Leipziger mit seinen Paraden aus Nahdistanz.

Torhüter Luis Prochaska zeigte vor allem in der ersten Halbzeit eine überragende Leistung. Foto: Berlin
VfL Horneburg fehlen zwei absolute Leistungsträger
Die Gastgeber machen Fehler im Passspiel oder bei den Torabschlüssen. Aber das ist normal. Gegen solche Gegner müssen sie ins Risiko gehen, mit Tempo spielen und so die Lücken reißen. Sonst würden sie an der Abwehr einfach abprallen. Mit Nationalspieler Malte Hagedorn und mit Mads Bürke fehlen dem VfL zwei seiner besten Rückraumspieler verletzungsbedingt schon die ganze Saison. Mit den beiden wäre Horneburg vermutlich nicht Tabellenletzter.
Die Schiedsrichter schenken dem Außenseiter im Spiel gegen Leipzig nichts. Im Gegenteil. In der ersten Halbzeit beschwert sich Hagedorn über das Ungleichgewicht bei den Siebenmeter-Entscheidungen. Auch bei angeblichen Stürmerfouls scheint das Schiri-Gespann nicht auf der Höhe. Aber das ist nur ein Randaspekt.
Horneburg trifft hier auf die besten Talente Deutschlands. Das Publikum kann es einordnen, wenn einer wie Rune Magnus Klecar mit einer unfassbaren Dynamik in die kleinsten Lücken stößt und mit Überzeugung seine neun Tore wirft. „Er macht keine Fehler und trifft immer dann gute Entscheidungen, wenn wir ein wenig näher kommen“, sagt Stefan Hagedorn. Die Horneburger Zuschauer goutieren die Aktionen Klecars mit anerkennendem Nicken.
A-Junioren wehren sich gegen hohe Niederlage
Horneburg hält das Spiel lange offen und liegt zur Pause mit 15:17 zurück. Mitte der zweiten Hälfte droht die Niederlage deutlich zu werden. Hagedorn bittet seine Spieler von der Außenlinie lautstark, sich in der Schlussphase noch mal richtig reinzuhängen. Christoph Eick, Theo Bode und Max Wegener verkürzen. Magnus Kuhnigk und Jan Malte Mauel sorgen für einen versöhnlichen Abschluss. 31:35. „Klasse Jungs“, ruft der Trainer rein. Stefan Hagedorn bejubelt in der Schlussphase schöne Horneburger Tore.

Hat es im Rückraum mit weitaus kräftigeren Gegnern zu tun: Dennoch gelingen Theo Bode vier Tore. Foto: Berlin
In dieser Spielzeit muss die erfolgsverwöhnte Horneburger A-Jugend das Verlieren lernen. Einige Spieler gewannen in der Vorsaison fast alle Spiele und den DHB-Pokal. Einige verließen die Mannschaft altersbedingt. Sechs Neue kamen dazu. Das Team muss den Ausfall zweier Top-Spieler kompensieren. Stefan Hagedorn sieht, wie andere Verantwortung übernehmen.

Jan Malte Mauel wird von Leipzig hart attackiert. VfL-Trainer Hagedorn hätte gern mehr Siebenmeter zugesprochen bekommen. Foto: Berlin
Es reicht nicht ganz gegen die Konkurrenz aus den deutschen Talentschmieden. „Aber wir bleiben bei uns und wissen, was die Jungs leisten“, sagt der Coach. Seine Spieler würden sehen, wo derzeit die Grenzen liegen. Sie reflektieren, denken mit. „Top-Spieler lernen aus Niederlagen“, sagt Hagedorn.
Männermannschaft peilt Aufstieg in Regionalliga an
Dass sich die A-Junioren in Horneburg gut entwickeln, macht Hagedorn an der bisherigen Saisonleistung der ersten Männermannschaft deutlich. Fünf bis sechs A-Junioren laufen regelmäßig in der Oberliga auf und sorgen maßgeblich dafür, dass der VfL als Tabellenführer sogar den Aufstieg in die Regionalliga schaffen kann. Josua Schleßelmann wirft dort im Schnitt mehr als fünf Tore pro Spiel. Über Jahre dümpelte der VfL Horneburg bei den Männern irgendwo in den Niederungen des niedersächsischen Handballs herum. Das kann sich jetzt ändern.
Nach dem Abpfiff des Spiels gegen Leipzig bleibt der VfL Horneburg Zehnter und damit Tabellenletzter. Gegen den Achten, HSV Hamburg, geht die Saison am 21. Februar weiter. Das letzte Heimspiel bestreitet der VfL gegen den Tabellenführer TSV Burgdorf am 7. März. In der Saison 2026/2027 wird die A-Jugend des VfL in der 2. Bundesliga antreten.
Physiotherapeutin Sara Düßler massiert nach dem Leipzig-Spiel in den Katakomben der Sporthalle die Schmerzen aus den Muskeln des Top-Torschützen Josua Schleßelmann. Stefan Hagedorn steht in der Nähe und sagt, dass ein, zwei Jungs aus dem Kader später Profi werden. Da sei er optimistisch. Schleßelmann werde wohl einer von ihnen. Der junge Handballer lächelt.
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