THammah und der Senegal: Ein festes Band der Hilfe und Freundschaft
Seit 2022 gehört das Kinderheim in Nianing zu den Projekten der Kinderhilfe. Jährlich spenden die Hammaher 2000 Euro, das Geld wird für Windeln und Milchpulver gebraucht. Foto: Klempow
Seit 20 Jahren gibt es einen besonderen Draht aus der norddeutschen Tiefebene in die westafrikanische Savanne. Warum Hammah ein festes Band mit dem Senegal verbindet.
Hammah. Einmal im Jahr brettert ein Taxibus mit Besuchern aus Hammah über steinige Pisten und Sandwege in entlegene Dörfer, damit sich die Besucher ein Bild von einer neuen Schule oder von der Arbeit im Kinderheim machen können - Projekte, für die sie rund 5000 Kilometer (Luftlinie) entfernt Geld sammeln.
Jeder gespendete Cent kommt im Senegal an
„Urlaub ist es nicht. Aber es ist immer schön“, sagt Günther Heitmann. Er ist Vorsitzender der Kinderhilfe Senegal, ein Verein mit Sitz in Hammah. Wenn sich die Hammaher aufmachen, um zu sehen, wie es um die Projekte bestellt ist, zahlt jeder seine Reisekosten selbst. „Jeder Cent der Spendengelder kommt im Senegal an“, macht die 2. Vorsitzende der Kinderhilfe, Angelika Loock, klar.
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Aber warum überhaupt die Hilfe im Senegal? Eine Republik, die am Atlantik liegt, mit Mauretanien als Nachbar im Norden, Mali im Osten und Guinea im Süden. Die Kinderhilfe-Gründer Werner Dienst und Gerhard Dodenhoff machten vor zwei Jahrzehnten Urlaub an der afrikanischen Atlantikküste. Über den Kontakt zu einem der Hotelangestellten wuchs der Wunsch, hier anzupacken. Schnell war klar: Ohne direkten Draht, eine Vertrauensperson mit Sprach- und Ortskenntnissen, ist Hilfe an der richtigen Stelle nicht zu machen.

Der Vorstand macht sich vor Ort ein Bild: Günther Heitmann, Angelika Loock und Raimund Grosser mit Mitarbeiter und Freund Jean-Paul Sarr. Foto: Kinderhilfe
Amtssprache im Senegal ist Französisch - „da bin ich als Lateiner aufgeschmissen“, sagt Heitmann. Deshalb ist Jean-Paul Sarr von Anfang an dabei, zuerst als Dolmetscher, seit vielen Jahren in Kooperation mit einem weiteren deutschen Verein als Angestellter, der vor Ort Kostenvoranschläge einholt und Bauvorhaben begleitet. „Ohne Paul geht gar nichts“, sagt Heitmann.
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Aber mit ihm geht viel. Kassenwart Raimund Grosser hat die Bilanz: 2006 hatte der junge Verein 34 Mitglieder und konnte mit 2650 Euro im Senegal helfen. Heute bringen 170 Mitglieder zusammen eine Spendensumme von 30.000 Euro allein in diesem Jahr auf. „Wir werden seit 2013 auch von der Bingo-Umweltstiftung aus dem Budget für Entwicklungshilfe sehr unterstützt“, sagt Grosser. Der Jahresbeitrag ist aber niedrig bemessen. „Ab 20 Euro“, sagt der Kassenwart.
Spenden für Krankenstation und Kinderheim
Eine Krankenstation in N’Dollor, ein Kinderheim in Nianing und zwölf Schulen unterstützt der Verein. „Wir bauen Klassenräume, haben Toiletten, eine Lehrerunterkunft und vier Brunnen gebaut“, zählt Grosser auf. Schulmöbel und die Instandhaltung stehen ebenfalls auf der Liste.

Das Vorstandsteam der Kinderhilfe Senegal fühlt sich mit den Menschen im Senegal verbunden: Raimund Grosser (links), Angelika Loock und Günther Heitmann aus Hammah. Foto: Klempow
Durch die regelmäßigen Besuche sind die Hammaher nah dran. Sie sehen, was sich im Senegal verändert. Vor einigen Jahren fuhren die Fischerboote noch als Armada vom Strand auf den Atlantik. Das ist jetzt anders - die Überfischung zeigt sich auch an Afrikas Küste, wo die kleinen Fischerboote keinen großen Fang mehr machen. Auch anderes ändert sich: „Die Chinesen bauen die Autobahn“, erzählt Günther Heitmann. Spanische Unternehmen investieren in Beregnungsanlagen für Melonen-Plantagen, neue Hotels sollen Touristen anlocken.
Feste Dächer für die Regenzeit
Das ändert nichts daran, dass die Menschen im Senegal Unterstützung brauchen. Zwei neue Klassenräume anstatt zwei Strohhütten sind für die Grundschule in MbinDib geplant. Der Staat finanziert die Personalkosten - Neubauten oder Renovierungsarbeiten werden meist nicht übernommen. Werden die Strohhütten durch Klassenräume mit festen Mauern und Dächern ersetzt, stehen sie auch die Regenzeit in der Savanne durch und müssen nicht immer wieder ganz neu aufgebaut werden.

Der Staat übernimmt im Senegal die Personalkosten - für Neubauten oder Instandhaltung macht sich die Kinderhilfe Senegal aus Hammah stark und unterstützt Grundschulen im westafrikanischen Staat. Foto: Kinderhilfe
Angelika Loock ist stolz darauf, dass eine kooperierende Schule für die besonders gute Bildung prämiert wurde. „Dafür machen wir das“, sagt Günther Heitmann, „um Bildung und damit die Chance für ein Auskommen vor Ort zu ermöglichen.“ Kosten werden die Klassenräume zusammen mehr als 13.000 Euro. „An die Voranschläge halten sich auch alle“, betont Heitmann.
Plötzlich Seen mit Fischen in der Savanne
Im nächsten Jahr wollen sich die Norddeutschen wieder auf den Weg machen, um sich den Bau anzusehen. Die Anreise mit den günstigen Flügen über Istanbul bis Dakar und der Anfahrt bis ins Hotel an der Küste dauert bis zu 20 Stunden. Die Tagesfahrt durch die Savanne, mit den uralten Affenbrotbäumen als Wegweiser, bleibt ein kleines Abenteuer, in der Hitze der afrikanischen Sonne oder in der Regenzeit, wenn die Savanne wie von Zauberhand grün ist, es plötzlich Seen mit Fischen und Seerosen gibt.

Ihr Logo setzen die Mitglieder der Kinderhilfe Senegal tatkräftig um. Das Schild prangt an einem Dutzend Schulen als Zeichen der Kooperation. Foto: Klempow
Angelika Loock hat den Senegal ins Herz geschlossen: „Das Miteinander aller, egal, welche Konfession, ob reich, ob arm - alle halten zusammen.“ Die Familie zählt im Senegal. „Die Menschen sind liebenswert“, sagt Günther Heitmann. Die Hammaher sind sichtlich berührt von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft im Senegal - der direkte Draht funkt in beide Richtungen.
Spendenkonto bei der Kreissparkasse Stade: DE66 2415 1116 0000 3346 64

Vor Ort im Senegal macht sich die Kinderhilfe mit Sitz in Hammah ein Bild davon, wie die Spenden verwendet wurden. Foto: Kinderhilfe
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