THammahs Krimi-Fan Burkhard Frey und sein Gespür für passende Abenteuer
Burkhard Frey in der Bücherei Hammah. Sein Anspruch: Für jeden den passenden Lesestoff zu finden. Foto: Klempow
Im Alten Rathaus Hammah gibt es einen Raum voller Abenteuer, Heldinnen und Schicksale. Zwischen all den Büchern ist Burkhard Frey zu finden. Der Mann hat einen Auftrag.
Hammah. In den Regalen ist alles zu finden. Romane mit Happy End, Krimis mit Gier und Mordlust und Kinderbücher über Freundschaft und Hilfe. Die Bücherei Hammah macht Lust aufs Lesen.
Mittendrin ist Dr. Burkhard Frey. Er leitet die kleine Gemeindebücherei. Sein Auftrag und sein Anspruch: Für jeden das passende Buch zu finden. Seit 2018 ist Frey mit einer kleinen Teilzeitstelle für die Bücherei im Alten Rathaus Hammah zuständig.
3000 Bücher, Hörbücher oder Tonies
Die Zahl der Bücher, Hörbücher, Zeitschriften und Tonies hat sich seither verdoppelt. „Jetzt sind es um die 3000“, sagt er. „Aber jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“ Der Platz ist begrenzt, und den Überblick will er auch behalten. Der Überblick und seine Expertise sind es ja, die die Leserinnen und Leser zu schätzen wissen.
Viele kommen, werfen einen Blick auf die Exemplare, die auf dem kleinen Tisch oder im Aussteller an der Eingangstür bereitliegen. „Es gibt eher wenige, die nach bestimmten Autoren fragen“, sagt Frey. Er kennt seine Klientel und hat meist schon passenden Lesestoff im Hinterkopf. „Ich schaffe auch entsprechend an“, sagt er. Dann schiebe er derjenigen schon mal ein Buch zu. „Ich liege oft richtig.“
Kinderbuchabteilung ist überfüllt
Bei derzeit 50 regelmäßigen Lesern geht das noch. Das Gros sind junge Mütter mit ihren Kindern. „Das ist klasse“, sagt Frey. Nehmt mit, was geht, sagt er ihnen. Die Kinderbuchabteilung sei sowieso überfüllt. Auch bei den Ausleihfristen ist er kulant. Selten hat er schlechte Erfahrungen gemacht. „Irgendwann kommt alles zurück.“

Enno (9) sucht ???-Bücher. Er ist regelmäßig in der Gemeindebücherei Hammah und nimmt neuen Lesestoff mit. Foto: Klempow
Zur Tür kommen Enno Kruse (9) und seine Mama herein. Sie sind auf der Suche nach dem Klassiker „???“. Sie nehmen sich noch Zeit zum Stöbern und gehen mit zwei Büchern.
Der Bilderbuchfavorit ist „Dr. Brumm“
„Dr. Brumm ist der Dauerbrenner bei den ganz Jungen“, sagt Frey mit Blick auf die Kinderbuchabteilung am Ende. Der Kinderfavorit Dr. Brumm verzeichnet „Rekordausleihen“, sagt Frey. Um die 20-mal sogar. Auch Belletristik, Krimis und Autobiografien sind gern gelesen.
Leser können auf einer Wunschliste eintragen, was sie möchten. Bis auf allzu teure Fachbücher versucht er, die Wünsche zu erfüllen. Hätte er selbst einen Wunsch für „seine“ Bücherei frei, dann wäre es mehr Platz für die Literatur der Jüngsten, mehr Platz für Dr. Brumm.
Pause mit Buch und Kaffee
Es gibt die Idee, nach den hausinternen Umzügen im Rathaus vorne eine kleine Leseecke einzurichten, für ein Päuschen mit Muße und Kaffee. „Mal sehen, ob das angenommen wird“, sagt Frey. Wichtig ist ihm, dass die Bücherei endlich eine Heizung bekommen soll. Das ist nicht nur für die Bücher besser. Frey schmunzelt: „Ich habe hier im Winter schon mit langer Unterhose gesessen.“
Frey lebt seit 1994 in Hammah. „Wir sind damals mit unseren zwei Kindern aus Hamburg hier raus gezogen“, sagt er. 20 Jahre ist er gependelt, mit der Bahn bis zur Fotoredaktion der Auto-Bild. Als dort Schluss war, übernahm er vorerst ehrenamtlich die Bücherei in Hammah. Der Schritt war naheliegend.
Große Bildbände sind nicht mehr gefragt
Noch am Anfang seines Studiums sei er darauf aus gewesen, Literaturwissenschaft zu studieren. „Aber davon wurde mir abgeraten. Brotlose Kunst hieß es.“ Dass sich das nicht bewahrheitet hat, erlebt er nicht nur in Hammah. Bücher werden noch immer geschätzt und geliebt.
Wie sehr, erlebt er auch als Ehrenamtlicher beim Büchermarkt der Kirchengemeinde Himmelpforten. „Da werden Bücher rausgetragen, unvorstellbar.“ Nahezu alle Genres sind gefragt. „Nur nicht die großen Bildbände, die sind einfach nicht mehr angesagt.“
Groschenromane und Kinderliteratur der DDR
Frey hat das Lesen schon immer geliebt. Er lächelt. „Ich habe mit Groschenromanen angefangen.“ Sein Onkel versorgte ihn mit Kinderliteratur aus der DDR. „Klasse Literatur“, sagt Frey. „Das war mein Korrektiv.“ Nicht jedes Buch passt in jede Lebensphase. Zu Bundeswehrzeiten konnte er mit der Blechtrommel nichts anfangen. Zehn Jahre später war das anders.
Im Politikstudium in Hamburg legte er Belletristik und Krimis erst mal ad acta - zu viel Fachliteratur war zu lesen. Aber während der Promotionszeit zog es ihn wieder in die Antiquariate. Die Literatur war der Ausgleich zu seiner Doktorarbeit, in der er die „Parlamentarische Kontrolle und die Untersuchungsausschüsse in Hamburg“ untersucht hat.
Krimifan ködert Leserschaft
Er selbst liest gerne Krimis und entdeckt noch immer neue Autoren, die ihm gefallen und mit denen er auch seine Leserschaft ködert. Seine Empfehlungen kommen an. Nur bei dem alten Herrn, dem er schon die nervenaufreibendsten Krimis mitgegeben hat, verfangen seine Tipps noch nicht. Der Kommentar bei der Rückgabe war bislang jedes Mal „langweilig“. Frey schmunzelt. Er wird auch in diesem Fall dranbleiben.
Geöffnet ist die Bücherei Hammah montags von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, Telefon 04144/6987544.

Burkhard Frey kümmert sich um jeden Leserwunsch. Foto: Klempow
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