THandgranaten und schimmelige Klaviere: Ein Tag mit den Stader WEGräumern
Die WEGräumer: Cheyenne Skrzekowski und Franz Polifke. Foto: P. Meyer
Zwischen Müllbergen und Einzelschicksalen sehen die Stader WEGräumer in ihrem Alltag alles. Dabei spielt keine Rolle, ob sie eine Musikschule oder eine Messiewohnung entrümpeln.
Stade. Die Luft ist stickig und der Fußboden der kleinen Einzimmerwohnung im zweiten Stock des Mehrfamilienhauses klebt. In der kleinen Wohnküche, die sich direkt neben der Eingangstür befindet, stapeln sich verschimmelte Lebensmittel: Käse, Aufstrich, Toastbrot. Vor ein paar Wochen hätten sie ein ordentliches Abendbrot ergeben. Jetzt zeugen sie davon, dass hier schon seit Wochen niemand mehr wohnt.
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Für die WEGräumer ist es ein Auftrag wie jeder andere. Den Geruch können Cheyenne Skrzekowski und Franz Polifke mittlerweile gut ausblenden.

Das Entsorgen eines kaputten Klaviers halten die WEGräumer für ihren Youtube-Kanal fest. Foto: P. Meyer
Ende 2025 hat sich das Paar selbstständig gemacht. Sie kümmern sich für ihre Kunden um Entrümpelungen und Haushaltsauflösungen, vermitteln Fachfirmen und haben dabei schon alles gesehen und gerochen. Ihren Alltag begleiten die WEGräumer auch auf Youtube.
„Es gibt eigentlich nichts, was wir bei einer Räumung nicht schon gesehen haben“, sagt Franz Polifke. Der 35-Jährige ist schon seit knapp zehn Jahren im Business. Die gemeinsame Gründung von WEGräumer 2025 ist für beide die zweite Selbstständigkeit - Cheyenne Skrzekowski ist zudem als Videografin tätig.
Schimmel im Keller: Musikschule musste geräumt werden
Ihr heutiger Arbeitstag beginnt mit einem weniger spektakulären Einsatz - etwas besonderes ist er trotzdem. Cheyenne Skrzekowski und Franz Polifke sind mit der Räumung der Kreisjugendmusikschule Stade beauftragt worden. Die Wände einiger Zimmer im Keller sind im Laufe der Jahre feucht geworden und zeigen Spuren von Schimmel. Hier können keine Kinder mehr unterrichtet werden. Daher hat der Landkreis Stade die Sanierung beauftragt. Vorher kommen aber die WEGräumer zum Einsatz.

Franz Polifke packt mit an. Foto: P. Meyer
Gemeinsam mit den Profis einer beauftragten Partnerfirma hievt Franz Polifke ein altes Klavier in den großen Transporter. Das Instrument schimmelt von innen. Auf der Ladefläche sammeln sich bereits alte Geigenkästen, kaputte Gitarren und abgebrochene Notenständer. Im Nu leeren sich die Räume.
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„Wir werfen hier nichts weg, was noch zu gebrauchen ist“, erklärt Musikschulleiter Jochen Brockmann. Auch darauf müssen die WEGräumer achten. Bei einer gemeinsamen Sichtung vorab haben sie genau besprochen, was weg muss und was bleiben darf. Dabei errechneten sie auch den Umfang, den der Einsatz benötigen würde - und was er kosten wird.
Zwischen Professionalität und Schicksalen
Den zweiten Stopp des Tages machen die WEGräumer in der Wohnung eines Mannes, der kürzlich in eine Pflegeeinrichtung verlegt wurde. Auftraggeber ist der behördliche Betreuuer des Mannes, der gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, alleine zu leben. „Wir werden oft in Todes- oder Krankheitsfällen beauftragt“, erklärt Cheyenne Skrzekowski.

Essensreste und Unordnung: Manche Menschen schaffen es aufgrund von Alter oder Krankheit irgendwann nicht mehr, sich um ihre Wohnung zu kümmern. Foto: P. Meyer
Verstirbt ein Verwandter, können oder wollen die Angehörigen sich der emotionalen Last einer Räumung nicht stellen. Besonders hart sei es für Hinterbliebene, wenn der Verwandte physisch oder psychisch nicht mehr in der Lage war, sich um seinen Haushalt zu kümmern: Messiewohnungen gehören für die WEGräumer zu ihrem Alltag. Auch Tatortreinigungen bieten sie in ihrem Repertoire.
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Als Messiewohnung würden Cheyenne Skrzekowski und Franz Polifke die heutige Besichtigung noch nicht betiteln. Der Zustand der Wohnung sei eher „etwas verlebt“. Neben fein säuberlich einsortierten Schallplatten und CDs von „Queen“, türmen sich Pillendosen und Medikamentenpackungen auf den Holzmöbeln. Einige Dutzend Eisenbahnmodelle sind sicher aufbewahrt im Regal zu sehen, der Platz am Schreibtisch sieht aus, als wäre der Bewohner nur kurz vorher aufgestanden, um etwas aus der Küche zu holen.

Cheyenne Skrzekowski und Franz Polifke bei der Sichtung einer Wohnung. Hier finden sich verschiedene Schallplatten. Foto: P. Meyer
Das gemachte Bett und die an den Wänden hängenden Familienfotos und Geburtstagskarten zeichnen ein Bild: Der Mann der hier lebte, hatte gewiss seine eigene Ordnung.
Eine Handgranate im Keller
Für das junge Paar ist ein respektvoller Umgang das wichtigste - auch wenn ihnen mal verstopfte Toiletten und ähnlicher Unrat begegnet. In gewisser Weise tauchen sie in das Leben der Personen ein. „Man lernt viel über die Menschen“, sagt Cheyenne Skrzekowski. „Welche Interessen sie einmal hatten oder welche Musik sie mochten.“ Dass man sich darin richtig verlieren kann, wissen die WEGräumer. Sie gehen daher mit professionellem Abstand an die Arbeit. „Was weg ist, ist weg“, ist ihr Motto.

CDs, Kassetten, Schallplatten: Der ehemalige Bewohner dieser Wohnung war wohl ein Musikfan. Foto: P. Meyer
Es ist diese Vielseitigkeit, die Franz Polifke und Cheyenne Skrzekowski an ihrem Job lieben. Eine Ader für Schatzsuche haben beide. Oft dürfen sie Gegenstände, die zu schade für den Müll sind, in Absprache mit ihren Auftraggebern behalten. Der große Fund war noch nicht dabei, meist sind es einfache Flohmarktartikel: alte Uhren, Geschirr, Bücher oder Koffer. Rentabel sei der Verkauf meist nicht, erklären die beiden.

Cheyenne Skrzekowski hat ein Smartphone gefunden. Foto: P. Meyer
Doch für sie zählen auch der Nachhaltigkeitsaspekt und der Spaßfaktor. Funde wie illegale Waffen oder eine Handgranate kämen auch mal vor, so die WEGräumer. Auf dem Flohmarkt landen die aber natürlich nicht.
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