THarsefelder Herbstzauber: Wo Silber, Stände und Stauden locken
Christiane Bruns mit ihrem Stand "Art by Nane". Foto: Thumann
Der Herbstzauber ist ein Mikrokosmos aus Kunsthandwerk, Kulinarischem und Geschichten: Von Menschen, die seit Jahrzehnten dabei sind - oder ihren Traum erst ausprobieren.
Harsefeld. Susanne Nettkau, unterstützt von ihrer Kollegin Catharina Wenzel, organisiert seit 17 Jahren den Harsefelder Herbstzauber. „Es begann alles mit einem Pflanzenmarkt und 30 Ständen im Innenhof des Klosters“, weiß Susanne Nettkau vom Stadtmarketing über die Anfänge vor 26 Jahren zu berichten. 15.000 Besucher werden heutzutage an beiden Tagen zusammen gezählt.
„In diesem Jahr sind es 100 Stände und damit etwas luftigere Plätze für die einzelnen Betreiber. 15 Stände werden pro Jahr neu vergeben, um das Programm abwechslungsreich zu gestalten“, erläutert Susanne Nettkau das Konzept. Auch heute noch, Sonntag, 20. September, hat der Herbstzauber bis 18 Uhr geöffnet.
Stammkunden kommen mit Fragen
Burkhard Tiedemann ist der Mann der ersten Stunde. Der 63-Jährige aus Gräpel hat sich auf winterharte Stauden spezialisiert und muss am Sonnabend immer wieder Fragen beantworten. „Wann muss ich zurückschneiden? Im Herbst oder im Frühling?“ ist eine der oft gestellten Fragen an den früheren Postboten, der nach einem Knorpelschaden nicht mehr viel laufen konnte und sein Hobby Gartenpflege zur Selbstständigkeit nutzte.

Herbst ist Pflanzzeit - die Stauden-Auswahl beim Herbstzauber Harsefeld ist groß. Foto: Thumann
„Das ganze Drumherum hier in Harsefeld ist einfach sehr gemütlich und ich habe viele Stammkunden, die mich hier an meinem Stammplatz aufsuchen“, so Tiedemann. Seine Lieblingsstaude ist die Wiesenrauke, weil sie hoch gewachsen was fürs Auge bietet und dazu noch insektenfreundlich ist.
Liebe zu Mexiko im Silberschmuck
Gleich um die Ecke haben zwei Neulinge ihren Pavillon aufgebaut. Nele Tiede und Janice Kämpfer stellen vor allem Silberschmuck unter dem Label Solemara her. Also Sonne und Meer. Das Duo wohnt einen Teil des Jahres in einem Tiny-Haus auf Rügen am Meer und für Märkte wie in Harsefeld bei der Familie in der Nähe von Bremen. Das Winter-Halbjahr verbringen sie aber in der Sonne von Mexiko City.

Nele Tiede und Janice Kämpfer leben im Winterhalbjahr in Mexiko. Silberschmuck bieten sie unter ihrem Label Solemara an. Foto: Thumann
„Wir waren zusammen auf Weltreise und da hat sich Nele in Mexiko verliebt. Wir wollten nur eine Woche bleiben, aber es wurde länger. Ich habe die Zeit genutzt und dort in einer Silberschmiede das Schmieden, Löten und die Herstellung von Ringen gelernt“, berichtet Janice Kämpfer von den Ursprüngen ihrer Selbstständigkeit. Ihre Spezialität sind unter anderem große Ringgrößen bis Größe 80. Größentabellen reichen zumeist nur bis 74, was einem Ringdurchmesser von 23,5 Millimeter entspricht.
Lebenstraum und traumhafte Bilder
„Viele Kunden aus dem norddeutschen und holländischen Bereich sind begeistert, dass es auch für sie schönen Schmuck gibt“, erklärt Janice, die zwei Tage in der Woche auf dem Rügen-Markt in Thiessow zu finden ist. Ein festes Geschäft wollen die beiden nicht aufmachen: „Dann würde die Freiheit wegfallen. Wir leben unseren Traum in unserem Herzensland.“
Traumhafte Bilder sind nur wenige Meter weiter bei Christiane Bruns aus Buxtehude zu bewundern. „Art bei Nane“ steht unter einem bunten Kopf hinten auf dem T-Shirt. „Kunst tragen. Getragene Kunst. Ich will mich hier mal zeigen“, sagt die Malerin.

Christiane Bruns aus Buxtehude zeigt ihre Werke auf dem Herbstzauber. Foto: Thumann
Ihr Motto: „Raus aus dem Hobby, rein ins Business.“ Nane ist die Kurzform von Christiane, die in der Grundschule mal den 1. Preis in einem Malwettbewerb gewann. „Ich bin total begeistert vom Herbstzauber. Es läuft hier viel besser als ich je gehofft habe“, so ihr Zwischenfazit bereits nach fünf Stunden.
Besonderes Fleisch von der Oste
So sieht es auch Markus Meyer aus Oberndorf bei Hemmoor, der seit Januar mit seinem Food-Truck unterwegs ist. „Ich bin hier, weil es gut sein soll“, so der Landwirt mit 250 Milchkühen. Er betreibt seit gut einem Jahr einen Online-Hofladen und bietet ganz besondere Burger an. Wagyu-Rinder sind eine Rasse japanischen Ursprungs.

Landwirt Markus Meyer züchtet in Oberndorf an der Oste Wagyu-Rinder. Zusammen mit Sascha Kensik (rechts) serviert er beim Herbstzauber Burger. Foto: Thumann
Das Burgerfleisch stammt von drei Jahre stressfrei draußen aufgewachsenen Tieren. „Das Fleisch ist extrem zart und saftig mit besonderer Fettmarmorierung. Wir müssen die Leute hier erst einmal etwas anfüttern“, setzt Fleischliebhaber Meyer auf Qualität und sagt mit einem Augenzwinkern: „Bisher hat noch keiner den Burger zurückgebracht.“
Historische Begegnung mit der „Roten Lena“
Ein außergewöhnlich gekleidetes Paar begegnet dem Publikum. Simone Schnoor und Uwe Dietz informieren im Aufzug des 19. Jahrhunderts die Besucher über die „Rote Lena“ und was dran ist an deren Mythos.
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Wer mehr zur Harsefelder Geschichte um diese sagenumwobenen lokalen Figuren wissen möchte, kann Erlebnisführungen dazu beim Stadtmarketing buchen.

Simone Schnoor (links) und Uwe Dietz informieren über die „Rote Lena“ aus Harsefeld. Susanne Nettkau vom Stadtmarketing organisiert den Herbstzauber seit 17 Jahren. Foto: Thumann
Sinatra-Musik aus dem Tenor-Saxophon von Christian Cord unterhält das Publikum. Eine Espresso-Bar in einem Fiat 500. Bücher-Flohmarkt in der Bücherei. Die Landfrauen mit einem Stand. Das Natureum ist vertreten. Nordik zeigt die ganze Palette köstlicher Schnäpse. Düfte wie „Aphrodites Kuss“ oder „Fortunas Frische“ präsentiert Elfi Asendorf.

Die Keramikmeister Jorina Strelow und Johannes Gutsche sind mit Töpferwaren beim Herbstzauber. Foto: Thumann
Die Keramikmeister Jorina Strelow und Johannes Gutsche zeigen Töpferei-Kunst, während das gemeinsame Kind in der Karre schläft – jeder zaubert in Harsefeld auf seine Weise. „Eine Frau kommt nach dem ersten Besuch jetzt jedes Jahr 400 Kilometer hergefahren“, sagt Susanne Nettkau. Wer vor Ort war, kann es nachvollziehen.

Der Herbstzauber im Klosterpark Harsefeld hat auch am Sonntag noch bis 18 Uhr geöffnet. Foto: Thumann
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