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T„Heute lassen wir es krachen“: So lief die Sprengung am AKW in Stade

Innerhalb weniger Sekunden fiel der 80 Meter hohe Kamin um.

Innerhalb weniger Sekunden fiel der 80 Meter hohe Kamin um. Foto: Stehr

Kurz vor 13 Uhr am Freitag fällt er um - der 80 Meter hohe Abluftkamin am ehemaligen Atomkraftwerk in Stade. Keine leichte Aufgabe.

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Von Lena Stehr
05.09.2026, 00:04 Uhr

Stade. Freitagmittag auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in Stade. Viele der knapp 100 geladenen Gäste suchen bei strömendem Regen zunächst Schutz unter dem Dach der Getränkebude von Jörg Freimuth. Seine Firma ist wie berichtet mit dem Abbruch des Kraftwerks beauftragt. Heute ist für alle am Rückbau Beteiligten ein besonderer Tag.

„Ein bisschen Anspannung ist immer dabei“

Gleich wird der weithin sichtbare 80 Meter hohe Abluftkamin gesprengt. Das Team um Sprengtechniker Mike Bühring ist bereits seit Dienstag vor Ort, um alles vorzubereiten. Die Planungen laufen bereits seit mehreren Monaten.

„Ein bisschen Anspannung ist immer dabei“, sagt Sprengtechniker Mike Bühring nach der Sprengung. Er war mit seinem Team seit Dienstag vor Ort, um die Sprengung vorzubereiten.

„Ein bisschen Anspannung ist immer dabei“, sagt Sprengtechniker Mike Bühring nach der Sprengung. Er war mit seinem Team seit Dienstag vor Ort, um die Sprengung vorzubereiten. Foto: Stehr

„Ein bisschen Anspannung ist immer dabei“, sagt Mike Bühring wenige Minuten nachdem das 400 Tonnen schwere Bauwerk binnen Sekunden zu Boden gefallen ist - genau in Richtung der Zuschauer. Sie stehen in einem sicheren Abstand von gut 150 Metern, als es zuerst einen lauten Knall gibt. Kurz nachdem der Kamin auf den Boden aufschlägt, bebt der Boden. Die Staubentwicklung hält sich in Grenzen, weil es immer noch regnet.

Die Staubentwicklung nach der Sprengung war aufgrund des starken Regens nur gering.

Die Staubentwicklung nach der Sprengung war aufgrund des starken Regens nur gering. Foto: Stehr

Auch Mike Bühring ist klitschnass, als er zur Zuschauergruppe stößt. Er ist froh, dass alles gut geklappt hat, denn: „Wer behauptet, dass bei Sprengungen immer alles glatt läuft, der lügt“, sagt er.

Die Sprengung war erfolgreich. Daumen hoch von Anlagenleiter Marco Albers und Projektleiter Dr.-Ing. Hans-Georg Willschütz.

Die Sprengung war erfolgreich. Daumen hoch von Anlagenleiter Marco Albers und Projektleiter Dr.-Ing. Hans-Georg Willschütz. Foto: Stehr

Er ist bereits seit 1997 als Sprengtechniker tätig und arbeitet gemeinsam mit seinem Vater. Der ist schon seit 1979 im Geschäft und hat schon mehr als 600 Bauwerke in Schutt und Asche gelegt.

Kamin-Sprengung am AKW Stade

139 Löcher und 10 Kilo Sprengstoff

Die Herausforderung, heute den Abluftkamin zu sprengen, lag bei „einer Acht von zehn“, sagt Mike Bühring. Vor allem, weil im Vorfeld 139 Löcher in das Bauwerk aus Beton und Eisen gebohrt werden mussten. Drei Mitarbeiter seien damit einen Tag beschäftigt gewesen. Zehn Kilo Sprengstoff sei dann in den Löchern deponiert worden. Alles musste miteinander verbunden werden, damit der Fuß des Kamins weggesprengt werden konnte.

Der hohe Turm fiel wie geplant genau zwischen dem Reaktorgebäude und dem Abfalllager zu Boden. „Jetzt steht er bei den Abbrucharbeiten nicht mehr im Weg“, sagt Anlagenleiter Marco Albers von PreussenElektra.

Kurz vor der Sprengung des 80 Meter hohen Kamins war es noch trocken, während der Sprengung regnete es stark.

Kurz vor der Sprengung des 80 Meter hohen Kamins war es noch trocken, während der Sprengung regnete es stark. Foto: Stehr

Er hält kurz vor der Sprengung gemeinsam mit Daniel Oehr, kaufmännischer Geschäftsführer von PreussenElektra, eine kurze Ansprache - geschützt vor dem Regen, in einer nicht mehr genutzten Lagerhalle.

Vor der Sprengung versammelten sich aktuelle und ehemalige Angestellte sowie Vertreter der Abbruchfirma und aus Politik und Verwaltung in der Halle, wo später auch ein kleiner Imbiss gereicht wurde.

Vor der Sprengung versammelten sich aktuelle und ehemalige Angestellte sowie Vertreter der Abbruchfirma und aus Politik und Verwaltung in der Halle, wo später auch ein kleiner Imbiss gereicht wurde. Foto: Stehr

„Heute lassen wir es krachen“, sagt Oehr, der gebürtig aus Stade kommt. Doch vorher wird es noch einmal ganz ruhig. Mit Tränen in den Augen erinnert Marco Albers an den kürzlich verstorbenen Dr. Matthias Schreier vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, der für das AKW Stade zuständigen Aufsichtsbehörde. Für eine Minute schweigen alle Anwesenden.

Daniel Oehr (links) und Marco Albers von PreussenElektra hielten vor der Sprengung eine kurze Ansprache.

Daniel Oehr (links) und Marco Albers von PreussenElektra hielten vor der Sprengung eine kurze Ansprache. Foto: Stehr

Dann geht es um die Zukunft des Standorts. Auch wenn inzwischen klar ist, dass in Stade keine Kernfusionsforschung von Proxima Fusion betrieben wird - es gebe viele Ideen und Interessenten, verrät Marco Albers.

Weiterentwicklung zum Energiepark

Das Gelände soll laut PreussenElektra voraussichtlich ab Herbst 2027 als voll erschlossene Industriefläche zur Verfügung stehen und im Sinne eines Energieparks weiterentwickelt werden. Der Standort Stade biete hervorragende Voraussetzungen für innovative Energieprojekte.

Mit der erfolgreichen Sprengung des Abluftkamins rückt das Kernkraftwerk seinem Rückbauende nun ein weiteres Stück näher. Bis Ende 2026 soll auch noch die Stahlkugel des Sicherheitsbehälters abgebaut sein. Die Rückbauarbeiten dauern bereits seit 2005 an. Im Juli 2003 war der Reaktor vom Netz genommen worden.

So sieht der Blick aus der Luft auf den gesprengten Abluftkamin aus. Er fiel wie geplant weg von der Elbe.

So sieht der Blick aus der Luft auf den gesprengten Abluftkamin aus. Er fiel wie geplant weg von der Elbe. Foto: PreussenElektra GmbH; Fotograf: Wolf-Christian Nerger

Kurz nach der Sprengung hört der Regen plötzlich auf. Und Sprengtechniker Mike Bühring freut sich auf eine heiße Dusche. Heute Nacht geht es für ihn und sein Team zurück nach Magdeburg. Aber erst mal wartet ein kleiner Imbiss. PreussenElektra spendiert zur Feier des Tages Mini-Burger, Würstchen mit Kartoffelsalat und andere Fingerfood-Leckereien.

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