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Schülerwettbewerb

THimmelpfortener Klasse ausgezeichnet: „Demokratie bleibt nicht von allein stabil“

Fürs Demokratie-Projekt der 10 Ga übernahmen (von links) Lara Mühlnickel, Marie Guthahn und Emma Kern die Interviews vor der Kamera. Ihr Fazit: Demokratie beginnt im Kleinen.

Fürs Demokratie-Projekt der 10 Ga übernahmen (von links) Lara Mühlnickel, Marie Guthahn und Emma Kern die Interviews vor der Kamera. Ihr Fazit: Demokratie beginnt im Kleinen.

Es geht um Freiheit und Mitbestimmung: eine Erkenntnis aus dem Demokratie-Projekt der Klasse 10 Ga. Die bekam dafür einen Preis - und die Demokratie neue Unterstützer.

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Von Grit Klempow
Freitag, 20.03.2026, 15:50 Uhr

Himmelpforten. Die großen Fragen standen am Anfang. Demokratie - was ist das eigentlich? Wie funktioniert sie? Und was hat sie mit uns zu tun? Die Klasse 10 Ga an der Porta-Coeli-Schule Himmelpforten hakte nach und wurde jetzt für ihr Projekt „Die 10 Ga fragt nach - Demokratie unter Druck“ von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet.

Schülerwettbewerb im Fach Politik

Klassenlehrerin Nele Eilers ist ziemlich stolz auf ihre Zehnte. Der entsprechende Schülerwettbewerb passte zeitlich gut in den Politikunterricht. „Wir hatten ohnehin gerade die Nachkriegszeit“, sagt Marie Guthahn. Zusammen mit Emma Kern und Lara Mühlnickel ist sie in den Instagram-Videos zu sehen, die die Klasse zum Thema gemacht hat. 1500 Euro gab es für den zweiten Preis, dazu ein Glückwunschschreiben aus dem Landtag.

Interviews zu führen war eine der Vorgaben im Wettbewerb. „Wir haben zuerst in der Klasse besprochen, wie wir alle über das Thema Demokratie denken und wie wir uns in der Demokratie als Jugendliche einbringen können“, erzählt Emma Kern. Nur ein Mitschüler habe bis dahin in einer Partei geholfen, so Lara Mühlnickel.

Fünf Beiträge auf Instagram

Die Demokratie braucht Mitstreiter. „Risiken für die Demokratie: Kriege, Populismus, Unsicherheiten und Ängste, extreme politische Ränder und autoritäre Kräfte. Demokratie ist nichts, was von allein stabil bleibt“, schildert Emma Kern im ersten Video zum Projekt. Für Politik interessieren sich alle in die Klasse. Aber engagieren?

Die Klasse suchte gezielt danach, wo und wie das geht. Sie fand dazu drei Gesprächspartner. Die Klasse bereitete die Gespräche inhaltlich gemeinsam vor, machte Skripts für jedes Gespräch. Von diesen Interviews veröffentlichte sie drei Videos auf dem offiziellen Instagram-Account der Schule.

Leben ohne Ausgrenzung

„Demokratie sorgt dafür, dass sich alle Menschen gleichermaßen für ihren Lebensalltag und für Werte einsetzen können“, sagt Hauke Ilsemann im Gespräch. Der Schülersprecher des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade hat als Schülervertreter auch auf Kreis- und Landesebene handfeste Erfahrungen. Es lohne sich, sich für die Demokratie einzusetzen. „Damit alle ein Leben ohne Ausgrenzung und Diskriminierung erleben können.“

Warum er sich in der Gedenkstätte Lager Sandbostel engagiert, schilderte Dr. Lars Hellwinkel, Lehrer am Athenaeum in Stade. „Mir ist es wichtig, zu zeigen, was Rassismus anrichten kann“, antwortet er im Interview. Vor dem Schicksal der russischen Kriegsgefangenen gehe es um Rassismus. Was die Ausgrenzung von Menschen im Sinne der Rassentheorie der Nazis bedeute, sei Schülerinnen und Schülern oft nicht bewusst. „Was da passiert ist, ist Folge von Rassismus und Ausgrenzung.“

Bewusstsein für die Demokratie schaffen

Aber wie die Demokratie stärken? „Demokratie bedeutet ein Mitspracherecht und Mitgestaltungsrecht. Nur so kann man Demokratie leben“, so Hellwinkel. „Wir müssen es hinkriegen, dass junge Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, was für sie Demokratie bedeutet.“

Dazu haben die befragten Jusos im dritten Interview ihre Meinung. „Demokratie ist, verkürzt gesagt, Freiheit, dass ich leben und lieben kann, wen ich will. Dass ich mitbestimmen kann, dass ich etwas verändern kann“, sagt die junge Frau im Gespräch.

Parteipolitik schon für Teenager

Dass Politik eben nicht nur etwas für Erwachsene ist, ist eine der Erkenntnisse aus dem Projekt. Engagieren könnten sich in den Jugendorganisationen der Parteien schon 14- oder 15-Jährige.„Es war uns nicht bewusst, dass das schon so früh möglich ist“, sagt Marie Guthahn. Und über Wahlprogramme diskutierte auch die Klasse 10 Ga. Meinungen anderer zuzulassen und zuzuhören - auch das ist Demokratie.

Machen sie sich Sorgen um die Demokratie? Ja, sagt Marie Guthahn. Denn trotz des Projektes habe doch noch keiner in der Klasse den Punkt gefunden, sich selbst politisch zu engagieren. Der Gedanke ist aber da und fast schon ein Vorsatz. „Ich interessiere mich schon dafür und habe überlegt, mich zu engagieren“, sagt Emma Kern.

Kommunalwahl: Wahlberechtigt ab 16 Jahren

Zur Kommunalwahl im September darf wählen, wer 16 Jahre alt ist. „Das habe ich mitgenommen. Immer und auf jeden Fall wählen zu gehen“, sagt Marie Guthahn. „Ich habe gelernt, dass wir auch als Jugendliche was machen und verändern können“, sagt Lara Mühlnickel. Nicht nur in politischen Parteien, sondern auch in Jugendparlamenten, Demokratie-Workshops, AGs an der Schule oder in Stadtjugendringen.

Das Fazit der Klasse 10 Ga zu ihrem großen Thema: Demokratie beginnt im Alltag. Historische Orientierung ist wichtig. Und: Demokratie entsteht im Kleinen.

Die Klasse 10 Ga der Porta-Coeli-Schule hat für ihr Demokratie-Projekt einen Preis bekommen.

Die Klasse 10 Ga der Porta-Coeli-Schule hat für ihr Demokratie-Projekt einen Preis bekommen. Foto: Klempow

Vor dem Schullogo nahmen Marie Guthahn, Emma Kern und Lara Mühlnickel ihre Videos für Instagram auf.

Vor dem Schullogo nahmen Marie Guthahn, Emma Kern und Lara Mühlnickel ihre Videos für Instagram auf. Foto: Klempow

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