THochhaus-Ärger: Was macht die Wohnstätte Stade anders?
Wohnblocks in Klein Thun. Sie wurden in den vergangenen Jahren im großen Stil saniert. Foto: Wohnstätte
Im Altländer Viertel leiden Menschen während einer Hochhaussanierung unter dem Vorgehen des Vermieters. Warum es so weit kommen konnte und wie die Stader Wohnstätte im Bestand saniert.
Stade. „Eigentum verpflichtet.“ So steht es im Grundgesetz. Das bedeutet: Eigentümer haben neben Rechten auch Pflichten. Vermieter müssen zum Beispiel die Wohnung in einem bewohnbaren Zustand halten, notwendige Reparaturen zeitnah durchführen lassen und über anstehende Modernisierungsmaßnahmen informieren.
Bewohner immer noch ohne Wasser und Heizung
All das ist im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2 in Stade nicht passiert. Wie berichtet, leben dort 16 Menschen seit Wochen unter unzumutbaren Bedingungen - unter anderem ohne Wasser, Heizung und mit verstopften Toiletten.
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Die Stadt Stade hat den Bewohnern inzwischen eine Unterbringung in den städtischen Flüchtlingsunterkünften angeboten. Der Vermieter und Eigentümer des Hauses, die MMK Grundbesitz II eGbR aus Ahrensburg, ist für die Betroffenen nach wie vor nicht erreichbar.
Das kann Dr. Christian Pape, Vorstand der Wohnstätte Stade eG, nicht nachvollziehen. „Es tut mir richtig leid, wie dort mit den Mietern umgegangen wird“, sagt er. Bei Stades führendem Wohnungsunternehmen läuft es anders.

Dr. Christian Pape kann nicht nachvollziehen, wie mit den Mietern im Altländer Viertel umgegangen wird. Foto: Wohnstätte
2600 Wohnungen gehören zur Wohnstätte Stade, das entspricht 20 Prozent des Stader Mietwohnungsbestands. Die Genossenschaft setze auf engmaschige Kommunikation mit den etwa 5000 Mieterinnen und Mietern, sagt Pape. Geplante Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen würden Monate im Voraus angekündigt.
Als Beispiel nennt Pape zwei Häuser im Streuheidenweg aus den 1960er Jahren mit 66 Wohnungen. Hier kam es gerade erst zu Rohrbrüchen, die aber mit Hilfe ortsansässiger Partner schnell wieder repariert werden konnten. Ab dem zweiten Quartal 2026 sollen die Häuser für voraussichtlich 12 bis 18 Monate modernisiert werden, inklusive temporärer Wasserabstellungen.
Wohnstätten-Mieter werden auf Wunsch umquartiert
Den betroffenen Mieterinnen und Mieter sei der Umzug in andere Wohnungen der Wohnstätte angeboten worden. Nach den Bauarbeiten können die Betroffenen dann zurückkehren - zur gleichen Miete, sagt Pape. Für alle, die nicht ausziehen wollen, werden Sanitärcontainer aufgestellt.
Im Bestand saniert hat die Wohnstätte auch schon eine Wohnanlage mit 125 Wohnungen in Klein Thun. Am Ende der Bauarbeiten bedankte sich die Genossenschaft mit einem Fest bei den geduldigen Mieterinnen und Mietern.
Was passiert, wenn Vermieter sich nicht verpflichtet fühlen, nachhaltig zu wirtschaften und sich sozial zu engagieren, werde im Altländer Viertel deutlich, sagt Pape. Die Weichen für die heutigen Verhältnisse mit hoher Eigentümerfluktuation und sozialer Schieflage seien Mitte der 1980er Jahre gestellt worden.
So wirkte sich der Bankrott der Neuen Heimat aus
Damals ging die DGB-Tochter Neue Heimat bankrott. Das über Jahrzehnte größte Wohnungsbauunternehmen Deutschlands hatte in den 1960er Jahren unter anderem das Altländer Viertel errichtet. Berliner Immobiliengesellschaften kauften die Immobilien dort Ende der 1980er Jahre auf und verkauften die Wohnungen nach deren Sanierung in ganz Deutschland - oftmals an nicht ortsansässige und gewinnorientierte Objektgesellschaften, die nicht an langfristigen Entwicklungen interessiert sind.
Das Gleiche hätte damals im Stader Stadtteil Hahle passieren können. Hier stand ebenfalls ein großer Wohnbestand der Neuen Heimat zum Verkauf. Doch mit Unterstützung der Stadt Stade erwarb die Wohnstätte schließlich die 50 Häuser mit insgesamt 372 Wohnungen.
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„Durch geschickte Quartiersentwicklung schaffte es die Genossenschaft, den zum damaligen Zeitpunkt bei vielen Staderinnen und Stadern mit einem fragwürdigen Ruf behafteten Stadtteil Hahle aufzuwerten“, heißt es im Jubiläumsband der Wohnstätte anlässlich des 100-jährigen Bestehens 2025.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2. Foto: Stehr
Im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2 ist die Situation derweil unverändert, berichtet Mieter Mario Geppert. Er habe demnächst eine Wohnungsbesichtigung in den neuen Viebrock-Häusern im Altländer Viertel.
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