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Feiern

THochzeit oder WM-Sieg: Autokorsos beschäftigen Polizei in der Region

Eine Hochzeitsfahrt sollte eigentlich nicht so enden: Polizisten kontrollieren Teilnehmer eines Hochzeitskorsos und ihre Fahrzeuge. (Symbolbild)

Eine Hochzeitsfahrt sollte eigentlich nicht so enden: Polizisten kontrollieren Teilnehmer eines Hochzeitskorsos und ihre Fahrzeuge. (Symbolbild) Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Fußball-Weltmeisterschaft und Heirat: Feiern gehört dazu. Was aber, wenn die Korsos ganze Autobahnen blockieren? Wie schnell aus ausgelassener Freude eine Straftat werden kann, zeigen mehrere Vorfälle.

Von Ismail Kul Samstag, 13.06.2026, 10:50 Uhr

Landkreis Cuxhaven. Die Kommentare auf sozialen Plattformen unter der Meldung sind eindeutig: Führerschein einziehen, Fahrzeug sicherstellen, Bußgeld verhängen. Andere werden noch konkreter und fordern, die Fahrerlaubnis für fünf Jahre zu entziehen, Fahrzeuge zu versteigern und eine Strafe von 50.000 Euro festzusetzen.

Der Anlass: Auf der Autobahn A27 bei Loxstedt trat am vergangenen Sonnabend gegen 12.45 Uhr ein Autokorso in Erscheinung. Etwa neun Fahrzeuge fuhren aus Bremerhaven in Richtung Bremen auf beiden Fahrstreifen mit rund 80 km/h und bremsten den übrigen Verkehr aus. Nach Angaben der Polizei bildete sich ein kilometerlanger Stau.

Mitte Mai 2026 sorgte ein weiterer Hochzeitskorso mit „16 hochmotorisierten Autos“ für einen Polizeieinsatz. Während der Fahrt durch das Stadtgebiet Rotenburg feuerten Hochzeitsgäste mehrere Schüsse mit einer Schreckschusswaffe aus dem Fenster in die Luft.

Autokorso auf der A27: Bundesweit ein bekanntes Phänomen

Dieses Phänomen ist deutschlandweit bekannt und zeigt sich immer wieder. Das Presseportal mit den Pressemitteilungen der Polizeidienststellen in Deutschland zählte in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 zehn Meldungen zu sogenannten Hochzeitskorsos. Im Schnitt sind das zwei pro Monat – wobei es Monate ohne einen einzigen Vorfall gibt, aber auch solche mit bis zu drei dokumentierten Fällen.

Auch im Nordwesten ist das Thema immer wieder präsent. „In den vergangenen fünf Jahren wurden der Polizei Cuxhaven zwei bis drei solcher Korsos pro Jahr gemeldet“, berichtet Stephan Hertz, Sprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven, auf Anfrage der „Nordsee-Zeitung“. In einigen Fällen konnten allerdings keine Fahrzeuge mehr festgestellt werden, weil sich die Korsos bereits aufgelöst hatten.

Nach Autokorso: Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet

Bei den Teilnehmern des Korsos auf der A27 am Sonnabend war das anders. Der Konvoi wurde von Beamten des Polizeikommissariats Geestland und der Polizei Bremen gestoppt und kontrolliert. Gegen die Fahrzeugführer – überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt – wurden Strafverfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr eingeleitet.

So machen viele gerne auf ihren glücklichsten Tag aufmerksam: mit hinten am Auto angehängten Blechdosen. Sie sollten aber während der Fahrt nicht abfallen und Verkehr gefährden.

So machen viele gerne auf ihren glücklichsten Tag aufmerksam: mit hinten am Auto angehängten Blechdosen. Sie sollten aber während der Fahrt nicht abfallen und Verkehr gefährden. Foto: Rainer Jensen/dpa/dpa-tmn

Was die Beteiligten konkret erwartet, wollte die Polizei nicht kommentieren. „Wie die letztliche strafrechtliche Bewertung ausfällt, können wir von der Polizei nicht sagen. Die Entscheidung trifft die Justiz.“

Auch zum kulturellen Hintergrund und zu den Erklärungen der Beteiligten äußert sich die Behörde nicht. Erste Befragungen hätten der Polizei zufolge bereits vor Ort stattgefunden. „Dies sind Ermittlungsinhalte eines laufenden Strafverfahrens. Fragen zu kulturellen Hintergründen beantworten wir grundsätzlich nicht.“

Tradition oder Angeberei? Experten ordnen Autokorsos ein

Eine Erhebung der Polizei Baden-Württemberg aus dem Jahr 2022 stellte bei mehr als der Hälfte der Hochzeitskorsos eine türkische Herkunft der Teilnehmenden fest. Mit der ursprünglichen Tradition habe das jedoch nichts zu tun, so Experten: Blockaden auf Autobahnen oder an Verkehrsknotenpunkten seien neu und in der Türkei selbst unbekannt. „Leute, die in dieser Art den Verkehr gefährden, kann man eher als Chaoten bezeichnen. Da geht es darum, dass junge Männer ihre Grenzen austesten möchten“, sagte Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien in Essen gegenüber dem Südwestrundfunk.

Und das Thema dürfte in den kommenden Wochen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen – denn die Fußball-Weltmeisterschaft ist gestartet. Erfahrungsgemäß versammeln sich Fans verschiedener Herkunftsländer nach gewonnenen Spielen ihrer Mannschaften und fahren in Kolonnen durch die Straßen. Im Überschwang der Freude kann dabei mitunter der Sinn für Regeln und Verkehrsordnung verloren gehen.

Fußball-WM: Polizei appelliert an die Vernunft der Autofahrer

„Feiern ist immer erlaubt. Wichtig ist die Rücksicht auf andere“, sagt Polizeisprecher Hertz. Niemand dürfe sich so verhalten, dass andere oder man selbst gefährdet werde. Auch die Regelungen zur Nachtruhe gelten weiterhin – auch dann, wenn während der WM viele Spiele in den Abend- und Nachtstunden stattfinden. Die Toleranz ende dort, wo Rechte anderer verletzt werden.

Auch bei der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft wird es zu spontanen Feiern der Fans auf den Straßen kommen. Das ist ausdrücklich erlaubt und willkommen – solange die Rücksicht auf andere nicht auf der Strecke bleibt.

Auch bei der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft wird es zu spontanen Feiern der Fans auf den Straßen kommen. Das ist ausdrücklich erlaubt und willkommen – solange die Rücksicht auf andere nicht auf der Strecke bleibt. Foto: Andreas Arnold/dpa

Hertz betont: „Bei ordnungswidrigem Verhalten kann die Polizei das sogenannte Opportunitätsprinzip anwenden, also von einer Ahndung nach pflichtgemäßem Ermessen absehen. Sobald das Verhalten einen Straftatbestand erfüllt, sind wir verpflichtet, konsequent einzuschreiten.“

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