T„Hört auf euren Körper“: Wie Yvonne Softic den Krebs besiegte
Yvonne Softic ist Ernährungscoach und möchte ihr Wissen an andere weitergeben. Foto: Scheschonka
Wenn der eigene Körper zum Feind wird, reicht Durchhalten oft nicht aus. Yvonne Softic hat schmerzlich erfahren müssen, wie wichtig Gesundheit ist und ist heute Ernährungscoach.
Bremerhaven. Bereits als Jugendliche hat sich Yvonne Softic mit Ernährung beschäftigt. Die gelernte Hotelfachfrau war ständig müde, hatte ein schwaches Immunsystem und Akne. „Dass das vor allem mit meiner Ernährung zusammenhing, darauf bin ich erst später gekommen“, sagt die 36-Jährige.
„Als Teenie habe ich viel Fast Food und Fertigprodukte gegessen, täglich Softdrinks getrunken. Da habe ich mir wenig Gedanken drum gemacht“, führt sie weiter aus. „Meine Symptome wurden erst gelindert, als ich meine Ernährung umgestellt habe“, erinnert sie sich.
Erst Endometriose, dann Gebärmutterhalskrebs
Zu den genannten Beschwerden kam Endometriose hinzu, eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Oft sind starke Schmerzen, Entzündungen, Verwachsungen und Unfruchtbarkeit die Folge. Softic wird operiert, das überschüssige Gewebe entfernt. Bereits mit 19 Jahren stellen Ärzte bei ihr eine Krebsvorstufe fest, mit 29 erhält sie die Diagnose Gebärmutterhalskrebs.
Die Bremerhavenerin führt bis dahin ein geregeltes Leben, wird mit 26 sogar Mutter - angesichts der Endometriose nicht selbstverständlich. Dann schlägt die Müdigkeit wieder zu, gepaart mit Nachtschweiß. Sie lässt beim Arzt Blut abnehmen. „Da hieß es, alles sei okay.“
Starke Blutungen außerhalb der Periode führen sie schließlich in die Praxis ihrer Frauenärztin. „Die Dame am Empfang sagte mir, das könne schon mal vorkommen und hat mich weggeschickt“, erinnert sich die Bremerhavenerin. Softic, die damals in einer Druckerei arbeitet, bricht bei der Arbeit zusammen, eine Kollegin schickt sie ins Krankenhaus. „Da wurde festgestellt, dass ich Gebärmutterhalskrebs habe. Der Tumor war so groß wie ein Apfel und hatte schon in die Leiste gestreut“, berichtet die Mutter eines heute zehnjährigen Sohnes.
Diagnose, Chemo, Bestrahlung - und alleine im Krankenhaus
Die Diagnose kommt im März 2020 - kurz nach dem ersten Corona-Lockdown. „Ich war die meiste Zeit alleine im Krankenhaus, durfte meine Familie nicht sehen. Das war furchtbar“, erzählt sie. Der Tumor, die Gebärmutter und die Metastasen werden entfernt, ein sechsmonatiger Marathon aus Bestrahlung und Chemotherapie folgt.
„Die Eierstöcke wurden drin gelassen, da dort die Hormone produziert werden. Damit wollte man vermeiden, dass ich vorzeitig in die Wechseljahre komme.“ Ohne Erfolg. Softic wird im August 2020 als „krebsfrei“ entlassen. Doch damit ist ihr Leidensweg noch nicht vorbei.
„Viele sagen, dass der Krebs das Schlimmste ist. Doch was er mit sich bringt, auch was danach passiert ist, fand ich genauso schlimm“, sagt Softic. „Meine Organe waren durch den Tumor verschoben, mussten neu angeordnet werden. Mein Darm war im Bestrahlungsbereich. Dadurch waren die Darmwände sehr dünn und anfällig für Bakterien. Mein Stuhlgang wechselte zwischen Durchfall und Verstopfung. Meine kognitiven Fähigkeiten waren ebenfalls stark eingeschränkt“, berichtet die 36-Jährige. Eine riesige Narbe am Bauch erinnert heute noch an ihre Erkrankung.
Austausch mit Ärzten und der Wunsch nach mehr Aufklärung
„Ich habe anschließend viel ausprobiert, leicht verdauliche Kost zu mir genommen, die den Magen-Darm-Trakt nicht zu sehr belastet.“ Zusätzlich lässt sie sich von Ärzten und Heilpraktikern beraten, äußert auch ihren Wunsch nach besserer Kommunikation.
„Natürlich ist medizinisches Personal überlastet, aber ich hätte mir trotzdem eine bessere Aufklärung gewünscht, was mich nach der Therapie erwartet. So musste ich eben viel selbst in die Hand nehmen.“
Heute gesund - und motiviert, andere zu unterstützen
Vor vier Jahren lässt sich Yvonne Softic selbst zum Ernährungscoach ausbilden, studiert aktuell an der Heilpraktikerschule in Bremen. Seit Anfang des Jahres ist sie selbstständig, bietet ab Februar ihren ersten Kurs zum Thema Darmgesundheit an. Ein 30-Tage-Programm aus Yoga, Rezepten, Gesprächsrunden und Nahrungsergänzungsmitteln soll den Teilnehmern helfen, sich selbst zu helfen. „Ich kann und darf niemanden heilen“, stellt die 36-Jährige klar. „Aber eine gute Mischung aus Ernährung, Bewegung und Stressmanagement kann eine gesunde Basis schaffen und die Heilung fördern“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Mittlerweile produzieren ihre Eierstöcke sogar wieder Hormone, erzählt Softic.
Heute geht es ihr gut, sie lässt sich regelmäßig untersuchen und möchte ihr erlerntes Wissen an andere weitergeben. Ihre Krebserkrankung sieht sie als Chance und rät anderen: „Hört auf euren Körper und nehmt eure Symptome ernst.“
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