T„Ich bin selbst überrascht, dass wir es so lange ausgehalten haben“
Ein Leben zwischen Schleswig-Holstein und Buxtehude: Gudrun und Carl-Ludwig Boyens. Foto: Felsch
Vor genau 60 Jahren gaben sich Gudrun und Carl-Ludwig Boyens aus Buxtehude das Ja-Wort. Die beiden Rentner fanden nur zusammen, weil er einen Motorradunfall hatte.
Buxtehude. Womöglich war es Schicksal: Nach einem Motorradunfall machte Carl-Ludwig Boyens auf dem zweiten Bildungsweg seinen Ingenieur. Der gelernte Maurer aus Husum wechselte nicht nur den Beruf, sondern dafür auch den Ort. Für das Studium zog Carl-Ludwig Boyens nach Buxtehude, wo er seine spätere Frau kennenlernte.
„Ich soll ihn auf dem ersten Semesterball angeblich zum Tanz aufgefordert haben. Aber so richtig kann ich mich nicht erinnern, ob es wirklich so war“, erzählt Gudrun Boyens, die von ihren Vereinskolleginnen vom BSV „mitgeschleppt“ worden war in die Gaststätte Brand in der Innenstadt, in deren Saal sich die jungen Leute trafen.
Das Hochzeitsfoto von 1965. Foto: Felsch
„Frauen hatten freien Eintritt“, weiß die 80-Jährige, die als Baby mit ihren Eltern nach Buxtehude zog, weil ihr Vater eine Anstellung als Schriftsetzer beim TAGEBLATT bekommen hatte. Sie besuchte die Handelsschule, lernte Lohnbuchhalterin und arbeitete danach im Bau- und Betonwerk.
Hochzeit im Wohnzimmer
Kirchlich geheiratet haben Carl-Ludwig und Gudrun am 19. Februar 1965, heute vor genau 60 Jahren. An der kleinen Feier im 60 Quadratmeter großen Wohnzimmer von Gudruns Eltern nahm nur die engere Verwandtschaft teil.
„Wir hatten wenig Geld. Meine Geschwister und meine Eltern fuhren am nächsten Morgen ganz früh wieder zurück nach Husum“, erinnert sich Carl-Ludwig, genannt Calli.
Die frisch Vermählten wohnten zuerst in einem Zimmer in Gudruns Elternhaus. Als sich ein Jahr später das zweite Kind, Sohn Dirk, ankündigte, zogen sie nach Dammhausen. Die Wirtin seiner ehemaligen Studentenbude hatte für die wachsende Familie den Dachboden ausgebaut.
Gerne getanzt und gefeiert
Die weiteren Ehejubiläen fielen wesentlich größer aus. So schwärmen die Gäste besonders von der Goldenen Hochzeit. „Darüber sprechen die Leute heute noch, da wurde so viel getanzt, mehr als auf mancher grünen Hochzeit“, ist sich die im August 1965 geborene Tochter Silke sicher.
2015 haben Gudrun und Carl-Ludwig ihr Eheversprechen vor dem Altar wiederholt. Ein Film, der an dem Abend gedreht wurde, wird am Mittwoch auf dem Empfang gezeigt, den das Paar an seinem 60. Hochzeitstag gibt. Er wird ruhiger ausfallen als die früheren Partys, weniger Rock’n’Roll, aber trotzdem werden sich wohl wieder alle wohlfühlen, hofft das Paar, das immer gerne getanzt und viel gefeiert hat.
In der Zeit, als Carl-Ludwig beim Landesbauamt in Schleswig an der Schlei angestellt war - 45 Jahre, bis zu seiner Rente und auch darüber hinaus - erfreuten sie sich an einem großen Freundeskreis. Nicht nur in Hüsby, wo die Boyens, mittlerweile mit drei Kindern - Sohn Nils wurde Mitte der Siebziger geboren - ein Haus gebaut hatten. „Dort erlebten wir eine tolle Gemeinschaft, ebenso hier in Buxtehude“, betont der 81-Jährige.
Der Kontakt zu den Freunden in Buxtehude brach nie ab
Der Kontakt zu den alten Bekannten in Gudruns Heimat brach nie ab, was sich als Glücksfall erwies, denn 2011 kam das Ehepaar wieder zurück, um näher bei den mittlerweile erwachsenen Kindern und den sechs Enkeln zu sein.
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„Wir hatten gleich wieder Anschluss an ehemalige Studienkollegen und Freunde gefunden, was dazu beiträgt, dass wir uns hier sehr wohl fühlen“, sagt das Rentnerpaar, das im Hülsenbusch ein neues Zuhause geschaffen hat. Mit einem schönen Garten, in dem sie sich im Frühling und Sommer die Zeit vertreiben.
Urlaube in den USA, auf Teneriffa und in Dänemark
Langeweile kannten die beiden eigentlich nie. Gudrun war bis vor einem Jahr aktiv im Sportverein, ihr Mann war in Hüsby in der Feuerwehr, im Skatclub, im Schützenverein und spielte Theater. Ihre Urlaube verbrachten sie in den USA, auf Teneriffa, in der Türkei und Dänemark. Später ging es einmal im Jahr mit dem Sozialverband Apensen auf Tour.
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Auf die obligatorische Frage, was denn das Geheimnis ihrer langen Ehe sei, antwortet Gudrun: „Ich bin selbst überrascht, dass wir es so lange ausgehalten haben. Aber wir hatten auch genug zu tun: Hausbau, drei Kinder, sechs Enkel.“
Ihr Mann sagt: „Wir hatten nie den großen Zoff, das habe ich von meinen Eltern so gelernt, dem anderen nie lange böse sein. Wenn wir uns gestritten haben, was natürlich vorkam, war am nächsten Morgen vielleicht nicht alles vergessen, aber wir haben wenigstens wieder miteinander gesprochen.“ Und er fügt lächelnd hinzu: „Irgendwo müssen die 60 Jahre ja herkommen.“

Ein Leben zwischen Schleswig-Holstein und Buxtehude: Gudrun und Carl-Ludwig Boyens. Foto: Felsch