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Kreis Cuxhaven

TImmer mehr Wolfsrisse: „Haben ein ernstes Problem“

Immer mehr Wolfsrisse: „Haben ein ernstes Problem“

Der Wolf hat 2025 im Kreis Cuxhaven so viele Nutztiere gerissen wie noch nie. Politiker fordern Konsequenzen von der Bundes- und Landesregierung – wieder einmal. Was sagen die Abgeordneten?

Von Jan Iven Montag, 23.02.2026, 05:50 Uhr

Kreis Cuxhaven. „Die Zahlen des Wolfsmonitorings 2025 sind alarmierend“, sagt Claus Seebeck, Landtagsabgeordneter der CDU aus Flögeln.

„Ein Anstieg der Risse um 40 Prozent und mehr als eine Verdopplung der getöteten Tiere im Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass wir im Landkreis Cuxhaven ein ernstes Problem haben.“

Claus Seebeck (CDU): „Das ist eine neue Dimension“

Seebeck bezog sich auch auf die jüngste Hetzjagd von Wölfen auf eine Schafsherde in der Samtgemeinde Börde Lamstedt. „19 hochträchtige Tiere sind verendet.

Die Blutspur endete in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, Spielplatz und Bushaltestelle. Das ist eine neue Dimension“, sagte der Landtagsabgeordnete.

„Wenn Wölfe Schafherden kilometerweit treiben und die Spur mitten im Dorf endet, dann reden wir nicht mehr über abstrakte Monitoringzahlen, sondern über eine konkrete Gefährdung und massive Verunsicherung vor Ort“, so Seebeck.

Claus Seebeck, CDU-Landtagsabgeordneter.

Claus Seebeck, CDU-Landtagsabgeordneter. Foto: Overschmidt

Er forderte entschlossenes Handeln auf allen Ebenen. „Ich erwarte vom Bund, dass der vorliegende Gesetzentwurf zum Wolfsmanagement zügig beschlossen wird. Wir brauchen endlich mehr rechtliche Klarheit und echten Handlungsspielraum für die Länder“, sagte der Politiker. „Wir müssen die Sorgen der Menschen im ländlichen Raum endlich ernst nehmen.“

Zugleich nimmt er das Land Niedersachsen in die Pflicht, schnell in ein aktives Bestandsmanagement einzusteigen. „Wir müssen problematische Bestände frühzeitig regulieren und nicht erst handeln, wenn der nächste Schaden bereits eingetreten ist“, sagte Seebeck.

„Dort, wo Wölfe wiederholt Nutztiere reißen oder sich Siedlungen nähern, müssen schnelle und rechtssichere Entnahmen erfolgen. Die Instrumente sind vorhanden und sie müssen angewendet werden“, sagte er.

Oliver Lottke (SPD): „Wir stehen an einem Wendepunkt“

Der Landtagsabgeordnete Oliver Lottke (SPD) sagte: „Die Zahlen machen klar: Für viele Weidetierhalter geht es längst nicht mehr nur um einzelne Schadensfälle, sondern um die wirtschaftliche Existenz und die Zukunft der Weidetierhaltung.“

Oliver Lottke, SPD-Landtagsabgeordneter (Archivbild).

Oliver Lottke, SPD-Landtagsabgeordneter (Archivbild). Foto: Philipp Overschmidt

Und weiter: „Die stark gestiegenen Wolfsrisse zeigen, dass wir beim Wolfsmanagement an einem Wendepunkt stehen.“

Wie weit ist das neue Bundesjagdrecht?

Im Dezember hatte das Bundeskabinett die Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz auf den Weg gebracht. Damit sollen die neuen EU-Regelungen in bundesdeutsches Recht übertragen werden und die Jagd erleichtert werden. Die EU hatte den Status des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ gesenkt.

Der Gesetzentwurf wurde im Januar in den Bundestag eingebracht. Termine für die zweite und dritte Lesung stehen noch nicht fest. Beobachter gehen davon aus, dass das neue Gesetz frühestens ab Sommer beschlossen werden kann.

Von Oliver Lottke gab es Lob für den Gesetzentwurf. „Das ist eine wichtige und richtige Reaktion“, sagte der Loxstedter. Die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements schaffe mehr Rechtssicherheit bei der Entnahme von Problemwölfen und gebe den Ländern die Handlungsfähigkeit zurück. Wobei das Raubtier in Niedersachsen bereits im Landesjagdrecht geführt wird.

„Entscheidend wird sein, dass diese neuen Instrumente praxistauglich umgesetzt werden und die Beratungen auf Bundesebene nun zügig abgeschlossen werden“, so Lottke weiter.

Aber: „Der Wolf bleibt eine geschützte Art und sein günstiger Erhaltungszustand darf nicht gefährdet werden.“ Daher sei ein differenziertes und zielgenaues Wolfsmanagement notwendig. Von einer möglichen starren „Obergrenze“ halte er hingegen nichts.

Christian Meyer (Grüne): „Land will die EU-Regelung umgehend umsetzen“

Im Niedersächsischen Umweltministerium sieht man die schwierige Lage im Cuxland. „Während landesweit die Zahl der Nutztierrisse stagniert oder sogar zurückgeht, steigt die Zahl der Übergriffe im Raum Cuxhaven durch problematische Wölfe und Rudel“, sagte Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Daher habe das Land im Herbst eine Ausnahmegenehmigung für einen Schnellabschuss erteilt.

hristian Meyer (Grüne), Umweltminister von Niedersachsen.

Christian Meyer (Grüne), Umweltminister von Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Landesminister sieht nun die Bundesregierung am Zug, die erleichterten EU-Vorgaben zur Entnahme problematischer Wölfe und Rudel zügig zu übernehmen.

„Niedersachsen will diese Regelungen umgehend umsetzen und nicht wie andere Länder verschieben“, so Meyer. So diskutieren die Bundesländer etwa noch über mögliche Abschussquoten, zusätzliches Monitoring und Fragen der Rechtssicherheit.

„Es muss möglich sein, gerade bei vermehrten Nutztierschäden schnell und einfach Problemwölfe zu entnehmen, ohne den guten Erhaltungszustand zu gefährden“, so der Minister. Gerade für das Cuxland mit den hohen Risszahlen und den Deichen sei das besonders wichtig.

Wie geht es mit dem Gesetzgebungsverfahren weiter?

Am Montag, 23. Februar, werden sich Naturschutzverbände im Landwirtschaftsausschuss in Berlin zum neuen Gesetzentwurf äußern. Es wird mit Kritik gerechnet. (vdb)

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