TIn diesem Horneburger Laden bekämpfen sich Piraten, Orks und Aliens
Reicht es für einen Angriff? Tabletop-Spieler Sascha Dannenberg nimmt Maß. Foto: Buchmann
Zinnsoldaten kennt jeder. Aber was bitte ist ein Cadianischer Kastellan? Beim Tabletop tauchen Spieler mit Miniaturen und Würfeln in fremde Welten ein. Seit kurzem auch in Horneburg.
Horneburg. Blackbeard tritt aus der Deckung der Holzfässer und nimmt den Goblin mit seiner Pistole ins Visier. Wo schlägt die Kugel wohl ein: Kopf, rechter Arm, Unterleib? Der spitzohrige Goblin tobt, fletscht die Zähne. Doch auf diese Distanz sieht er gegen den Piraten kein Land. Ein Schuss, das war’s. Zwei gigantische Finger packen den Goblin an der Hüfte in die Luft. Für ihn ist das Spiel vorbei.
Nicht in Zoll, sondern in Zentimetern berechnen die Spieler die Züge ihrer Figuren. Foto: Buchmann
Chris Holstein nimmt den Verlust seines Goblins gelassen. „Ein Goblin allein kann nicht viel ausrichten, zusammen sind sie aber ungewöhnlich mutig“, sagt er mit Blick auf die restlichen Zinn-Kreaturen. Denn für ihn und seinen Gegner Sascha Dannenberg hat das Spiel im Horneburger Tabletop-Kontor erst begonnen.
Handbemalte Miniaturkrieger
Im vergangenen September öffnete Marcel Heins seine heiligen Hallen in der Langen Straße 22. Dort finden Interessierte alles rund um Tabletop; also strategische Spiele mit Miniaturen, Karten und Würfeln, typischerweise gespielt auf großen Tischen.

Die handbemalten Figuren bilden das Herzstück jedes Tabletop-Spiels. Foto: Buchmann
In welcher Welt die Spieler ihre handbemalten Figuren aufeinanderhetzen, ist eine Qual der Wahl. Ob bei Fantasyabenteuern mit Orks und Elfen, Science-Fiction-Schlachten zwischen Space Marines und Tyraniden oder historischen Weltkriegsgefechten: Beim Tabletop findet jeder seine Nische.
Jeder ist willkommen
Während sich Spieler und Bastler im Erdgeschoss mit Modellbausets und Werkzeug ausstatten, erwachen im Obergeschoss die Figuren zum Leben. Ein handgeschriebener Zettel am Treppengeländer weist den Weg nach oben zur Gaming Area.

Bei Bloodbowl treten Kreaturen aus dem Warhammer-Kosmos im American Football gegeneinander an. Foto: Buchmann
Wer den Raum mit den Tischgruppen betritt, merkt bald: Hier ist jeder willkommen. Jeder darf sich dazusetzen, Fragen stellen oder einfach still zuschauen. Eine kumpelige Runde mit kalter Cola, hier fühlen sich Anfänger wie Vollprofis sichtlich wohl.

Beim Tabletop gilt: den Gegner genau im Auge behalten. Foto: Buchmann
Chris Holstein und Sascha Dannenberg haben bei „Freebooter‘s Fate“ heute eine Mission: Schwarzpulver sammeln. Die Goblins haben sich inzwischen an Blackbeard gerächt und ihn hinterrücks überfallen. „Wir hatten noch eine offene Rechnung“, sagt Chris und lässt die Knöchel knacken.
Jeder Tisch eine eigene Welt
Die beiden Freunde spielen bereits seit 15 Jahren das in Deutschland entwickelte Piratenabenteuer. Dass sie jetzt in Horneburg spielen können, hat Vorteile. Sascha kommt nämlich aus Jork, Chris aus Fredenbeck. „Es sind für jeden exakt 13 Kilometer, das ist genau die Mitte“, sagt Sascha. Früher haben die beiden in seinem Wohnzimmer gespielt. „Wenn meine Frau es zuließ“, ergänzt er grinsend.

Bei der Vielzahl an Regeln müssen selbst geübte Spieler noch mal ins Regelwerk schauen. Foto: Buchmann
Jeder Tisch in der Gaming Area ist eine eigene Welt. Auf dem Tisch vor Sascha und Chris liegt ein quadratisches Spielfeld, auf dem zwei Halbinseln mit kleinen Fachwerkhäusern die Piratenkulisse bilden. Am Nachbartisch bauen Lutz und Joschi ganz andere Armeen auf; nicht aus Piraten, sondern aus Bestien und Elfenmagiern des Fantasyspiels „Warhammer: Age of Sigmar“.
Goldene Grundregel: Sei kein Arsch
Einen Tisch weiter würfeln vier Spieler ein Doppel-Duell in Blood Bowl aus. Hier bekämpfen sich Walküren, Orks und Wikinger in American Football bis aufs Blut.

Farbe, Klebstoff, Energydrinks: Dennys Winkler ist bestens für sein Modellprojekt ausgestattet. Foto: Buchmann
In der Kreativecke hat sich der Horneburger Dennys Winkler mit Skalpell, Klebstoff und Energydrinks niedergelassen, um an seinem Castigator-Kampfpanzer zu arbeiten. Den Laden habe er letztes Jahr im Vorbeilaufen entdeckt und gleich seine ersten Figuren gekauft.

Im September 2025 hat Marcel Heins seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Im Tabletop Kontor in der Langen Straße können Fans ihr Material kaufen und beim Spielen im Obergeschoss ausprobieren. Foto: Buchmann
Ohne Würfel, dafür mit kleinen Maßstäben, arbeiten die Freibeuter Sascha und Chris. Ihre Figuren bewegen sich nämlich in Zentimetern, Spielfelder gibt es beim Tabletop nicht. „Würfel sind bei Freebooters sogar verboten“, erklärt Sascha und zeigt einen Stapel illustrierter Hefte mit Regelwerk, Hintergrundgeschichten und Zusatzmissionen. Eine goldene Grundregel gelte für alle Spieler, egal an welchem Tisch: Sei kein Arsch.
Wir haben hier wirklich eine tolle Community.
Marcel Heins, Inhaber von Tabletop Kontor Heins in Horneburg.
Zwischendurch schaut Ladeninhaber Marcel Heins rein; in einer Hand eine Mate-Limo, in der anderen ein Duplo. Dass sich sein kleiner Laden so schnell herumspricht, habe er nicht erwartet. „Wir haben hier wirklich eine tolle Community“, schwärmt er.

Chris Holstein, Christina Overbeck und Sascha Dannenberg tauchen für einen Tag in die Welt der Freibeuter ab. Foto: Buchmann
Am Freibeuter-Tisch steht jetzt auch Christina Overbeck. Die 38-Jährige ist aus Beckdorf angereist, heute nur zum Zuschauen. „Mir gefallen die hübschen Figuren“, sagt sie mit Blick auf die Zinn-Piraten. Am liebsten baut sie ihre Mannschaft um die Pirate Queen auf. Neben einem Affen, der ihre Pistole nachlädt, beherrscht die Piratin das Fechten meisterhaft. „Das hat meinen Bruder das Fürchten gelehrt“, sagt Christina und lacht.
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