TIntensivstation: Diese Himmelpfortener retten fast 300 Igel pro Jahr
Ab einem Gewicht von 300 Gramm werden die Igel draußen versorgt. Foto: Helfferich
Sonja und Hotte Bayer fahren auf Igel ab. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Kaum, dass sie in Himmelpforten ihre Wohnung bezogen, stand der erste Igel vor der Terrassentür.
Himmelpforten. Zwei Tage später fanden die beiden einen zweiten abgemagerten Igel im Garten. „Die warteten auf uns“, ist sich Hotte Bayer sicher. Per Kleinanzeige kaufte das Paar einen Hasenstall und pflegte die Igel gesund. Das war Anfang 2023.
Sonja und Hotte Bayer hatten schon im Sauerland, wo Hotte herkommt, ehrenamtlich Igel gepflegt. Schon immer hatten sie das Gefühl, dass Igel sie gezielt aufsuchen. Und so sind sie überzeugt: „Der erste Igel hat uns vor zehn Jahren gefunden.“ Seither sind sie - inzwischen hochprofessionell - in die Igelhilfe eingestiegen.
Igel sind vom Aussterben bedroht
Das Paar füttert das ganze Jahr über Igel. Denn sie stehen auf der roten Liste: Der Bestand aller Igelarten sei auf 18 Prozent gesunken. Der Lebensraum verändere sich. Ursache seien unter anderem die Steingärten, die seit 2025 in Niedersachsen verboten seien, „aber das Verbot wird nicht umgesetzt“, ärgert sich Hotte Bayer.

Sonja und Hotte Bayer kümmern sich um kleine Igel. Foto: Helfferich
In den vergangenen drei Jahren haben Sonja und Hotte - 55 und 62 Jahre alt - eine professionelle Igelauffangstation eingerichtet und besuchen pro Jahr drei bis vier Schulungen, zum Beispiel zum Thema Mikroskopie auf Parasiten oder Hygienemanagement. „Parasitenbefall schwächt das Imunsystem“, erklärt Hotte. Die häufigsten Erkrankungen seien Atemwegserkrankungen und Abszesse.
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Die Igelfreunde verfügen über einen Raum, den sie zu einer Intensivstation für Igel eingerichtet haben. Vier Inkubatoren stehen dort und versorgen die Igelbabys mit Wärme. Drei weitere Wärmeschränkchen kommen demnächst dazu.
Außerdem können die kleinen Igel in vier Vernebelungsboxen Sauerstoff inhalieren. Acht Igelbabys werden hier versorgt und alle zwei Stunden mit Aufzugsmilch gefüttert. Damit sie besser verdauen können, reiben Sonja und Hotte nach dem Füttern auch alle zwei Stunden die Bäuchlein der winzig kleinen Igel.
Die Sterblichkeitsrate der kleinen Igel ist hoch
Doch der 62-Jährige warnt davor, ähnliches alleine zu versuchen. „Die Sterblichkeitsrate ist hoch. Tierfreunde sollten besser einen Tierarzt aufsuchen oder die Igel zu uns in die Igelstation bringen“, so Hotte.
Ab einem Gewicht von 300 Gramm werden die Igel in einem gedämmten Schuppen weiterversorgt. Dort sollen sie sich wieder an die Außentemperatur gewöhnen, erklärt Hotte. Anschließend könnten sie auch an ihre Fundorte zurückgebracht werden, wenn dort zugefüttert wird.
T 40 Jahre und eine halbe Million Euro: Spendensammler von der Oste hören auf
14.000 Euro hat das Ehepaar in den vergangenen drei Jahren für sein Herzensprojekt ausgegeben, so Sonja Bayer. Finanziert wird es weiter über Spenden und Aufrufe per Facebook. Aktuell haben sie nach eigenen Angaben 2800 Follower. 15 Pflegestellen kooperieren mit der Igelhilfe Himmelpforten, die pro Jahr etwa 300 Igel versorgt. Für dieses Engagement zeichnete kürzlich die Arbeitsgemeinschaft Osteland die Igelhilfe Himmelpforten mit dem Goldenen Hecht in der Kategorie Naturschutz aus.

Die Hoodies mit der Telefonnummer der Igelhilfe. Foto: Helfferich
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies über Horst Bayer, Kreissparkasse Stade, IBAN: DE83 2415 1116 0000 8401 16; per Paypal unter igelpflege-himmelpforten@gmx.de oder per Telefon unter 0160/ 3495881.
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