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T„Ein schicker Mann“: Die Kohrs aus Stade sind seit 70 Jahren verheiratet

Lieselotte und Werner Kohrs feiern dieses Jahr ihre Gnadenhochzeit - und geben sich ein zweites Mal das Jawort.

Lieselotte und Werner Kohrs feiern dieses Jahr ihre Gnadenhochzeit - und geben sich ein zweites Mal das Jawort. Foto: Haardt

Lieselotte und Werner Kohrs aus Stade feiern Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gab es keine große Party. Möbel waren erst mal wichtiger. Die Jubilare erzählen ihre Geschichte.

Von Rebecca Haardt Dienstag, 19.05.2026, 05:50 Uhr

Stade. „70 Jahre sind keine Kleinigkeit”, findet Werner Kohrs. Der 91-jährige Stader sitzt neben seiner Frau Lieselotte auf dem Sofa. Das Ehepaar feiert am 19. Mai seine Gnadenhochzeit. Beide haben keinen einzigen der Tage ihrer langen Ehe bereut: „Zu jeder Zeit, zu jeder Stunde, würde ich dich wieder als Mann nehmen”, sagt Lieselotte Kohrs. Deshalb werden sie sich am Sonntag, an Pfingsten, ein zweites Mal in Stade das Jawort geben.

Heiratsantrag bei Bootstour

Beim Tanzen in der mittlerweile geschlossenen Stader Gaststätte Zur Symphonie begegneten die beiden sich das erste Mal. Als sie ihren späteren Ehemann das erste Mal sah, hat es bei Lieselotte Kohrs direkt gefunkt: „Ich dachte nur: Junge, ist das ein schicker Mann.”

Doch erst nachdem sie sich wenig später im Zug noch mal trafen, wurden die beiden ein Paar. Der Tag ist den Eheleuten nach über 70 Jahren noch im Gedächtnis geblieben: „Ich trug einen kornblumenblauen Anzug und meine Frau eine grün-weiß gestreifte Bluse”, erinnert sich Werner Kohrs.

In die Eheringe der Kohrs ist das Datum ihrer Verlobung eingraviert: 28.9.55.

In die Eheringe der Kohrs ist das Datum ihrer Verlobung eingraviert: 28.9.55. Foto: Haardt

Danach ging es bei den Kohrs schnell. Werner Kohrs machte Lieselotte einen Heiratsantrag bei einer Bootstour auf dem Stader Burggraben und etwa ein Jahr nach ihrem Kennenlernen heirateten die beiden standesamtlich. Die Eile hatte einen besonderen Grund: „Damals gab es noch den Kuppelparagraf, da hätten wir als unverheiratetes Paar angezeigt werden können”, erklärt Werner Kohrs. Zumindest mit dem Zusammenleben wäre es schwierig geworden: Mietverträge mit unverheirateten Paaren galten bis in die 1970er Jahre als sittenwidrig und waren deshalb unwirksam.

Die Kohrs heirateten am 19. Mai 1956 - also vor genau 70 Jahren.

Die Kohrs heirateten am 19. Mai 1956 - also vor genau 70 Jahren. Foto: privat

„Gefeiert wie die Weltmeister”

Eine Hochzeitsfeier gab es bei den Kohrs nicht. Das Geld investierten die beiden lieber in Möbel. Der gelernte Dekorationsmaler Werner Kohrs arbeitete zunächst in Hamburg. Da ihm die tägliche Fahrt jedoch bald zu lang wurde, bewarb er sich beim Staatsarchiv in Stade und arbeitete dort mehr als 30 Jahre als Restaurator. Lieselotte Kohrs organisierte währenddessen den Haushalt und kümmerte sich um die drei Kinder.

In den 70 Ehejahren standen immer wieder Veränderungen an. Wegen der Kinder zogen die Kohrs mehrfach um und vergrößerten sich. Wichtig sei ihnen vor allem gewesen, das Leben zu genießen.

Sie fuhren gemeinsam in den Urlaub nach Italien, Spanien und besonders gern zum Wandern nach Bayern. Außerdem waren die Kohrs gerne Gastgeber für Feiern: „Wir haben gefeiert wie die Weltmeister. In einer unserer Wohnungen haben wir uns eine Bar einbauen lassen”, erzählen sie. Doch das Wichtigste war für Lieselotte und Werner Kohrs immer ihre Familie.

Familie ist besonders wichtig

„Die Familie war für uns immer das A und O”, sind die Eheleute sich einig. Sie legten darauf Wert, dass ihre Kinder eine gute Bildung bekamen. Das war für Werner Kohrs, der selbst nicht das Gymnasium besuchen konnte, eine Herzensangelegenheit. Mittlerweile haben die Kohrs eine große Familie: drei Kinder, sieben Enkel und acht Urenkelkinder. Viele davon werden dabei sein, wenn die Kohrs sich in der Johanniskirche in Stade am Sonntag ein zweites Mal das Eheversprechen geben.

In der Zeremonie werden sie sich ihre Eheringe erneut anstecken. Lieselotte Kohrs trug ihren Ring 60 Jahre lang ununterbrochen, bis er nach einer Verletzung nicht mehr passte. „Da habe ich mich auf einmal ganz nackt gefühlt”, sagt sie. Auch ihrem Mann passte der Ring nicht mehr. Jetzt haben sie die Ringe polieren und anpassen lassen.

Für die zweite Trauung der Kohrs wurden die Eheringe aufpoliert.

Für die zweite Trauung der Kohrs wurden die Eheringe aufpoliert. Foto: Haardt

Ihre zweite Hochzeit findet nicht an ihrem eigentlichen Hochzeitstag statt, sondern an Pfingsten. Das hat einen besonderen Grund: Lieselotte und Werner Kohrs lernten sich 1955 kurz vor Pfingsten kennen und heirateten 1956 einen Tag vor Pfingsten. „Deshalb ist das für uns der schönste Tag im Jahr, noch vor Weihnachten”, ist sich das Ehepaar einig.

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