TIst nur Bares Wahres? Redakteurinnen unterwegs - mit und ohne Bargeld
Anping Richter (links) hat eine Woche lang auf Bargeld verzichtet. Für ihre Kollegin Lena Stehr war Kartenzahlung tabu. Foto: Strüning
Bargeld oder Kartenzahlung - wie läuft das Bezahlen heute besser? Die TAGEBLATT-Redakteurinnen Anping Richter und Lena Stehr haben es eine Woche ausprobiert.
Stade. Eine Woche ohne Bargeld: Diese Aufgabe bekam Anping Richter, die sonst immer ein paar Münzen und Scheine dabei hat. Ihre Kollegin Lena Stehr zahlt dagegen auch Kleinstbeträge am liebsten mit Karte und musste sich sogar für das Foto Scheine von Kollegen leihen. Für sie war eine Woche Kartenzahlung tabu. Über ihre Erlebnisse haben sich die beiden gegenseitig interviewt.
Lena, wie viel Bargeld hast du abgehoben?
Lena: Ich habe erst mal 300 Euro abgehoben und mich gleich unwohl gefühlt. Normalerweise habe ich nie mehr als 5 Euro im Portemonnaie. Bargeld kann man ja nicht sperren, wenn das geklaut wird. Hast du dein Bargeld zu Hause weggeschlossen für die Woche ohne?
Anping: Ich habe ein paar Münzen im Portemonnaie gelassen.
Lena: Also hast du geschummelt?
Anping: Ein ganz leeres Portemonnaie bringt doch Unglück! Trotzdem habe ich aber nicht geschummelt. Genau deswegen war es geldtechnisch eine ziemlich holprige Woche. Gleich am ersten Tag musste ich 16 Euro Schulden machen. Das Kartenlesegerät im Bistro im Stadtteilhaus in Stade war nämlich kaputt. Der Kollege Björn Vasel musste Mittagstisch und Getränke für mich bezahlen. Ein paar Tage später habe ich für ihn Würstchen von Bömmelburg besorgt. Die konnte ich mit Karte zahlen, Björn hat das dann verrechnet.
Lena: Du hättest ihm natürlich das Geld auch per PayPal schicken können. Das durfte ich ja nicht. Eigentlich nutze ich PayPal sehr oft. Ich habe deswegen in der Woche nichts online bestellt - eine große Herausforderung.

Kein Bargeld zum chinesischen Neujahr: Mascha (links) und Marla Richter mussten mit Gutscheinen vorliebnehmen. Foto: Richter
Anping: Ich habe in der Woche einmal PayPal benutzt, weil wir in der Familie chinesisches Neujahr gefeiert haben. Eigentlich bekommen die Kinder da einen roten Umschlag mit Bargeld. Diesmal gab's stattdessen Gutscheine. Das Geld habe ich ihnen per PayPal geschickt, bei meiner kleinen Nichte an ihre Mama. Die hat das Geld dann ausgezahlt.
Vieles kann man nicht mit Karte bezahlen
Lena: Ich musste in der Woche 6 Euro für einen Schulausflug meiner Tochter bezahlen. Zum Glück läuft das immer mit Bargeld. Es gibt ja doch einiges, das man nicht mit Karte zahlen kann.

Kartenzahlung erst ab 10 Euro: Anping Richter muss Andreas Senkstock beim Marktstand von zum Felde deshalb zwei Kilo Mandarinen abkaufen. Foto: Richter
Anping: Allerdings. Das habe ich auf dem Stader Wochenmarkt gemerkt. Ein Stand, der hier nicht genannt werden möchte, nahm keine Kartenzahlung an. Als ich dann alles liegen lassen wollte, wurde mir PayPal angeboten. Und bei Zum Felde aus Steinkirchen durfte ich mit Karte zahlen. Allerdings habe ich dann zwei Kilo Clementinen gekauft, obwohl ich eigentlich nur ein Kilo wollte. Kartenzahlung ist da nämlich erst ab 10 Euro möglich. Das wurde mir auch erklärt: Die Abrechnung über Kartenzahlung kostet Gebühren. Außerdem ist jede Zahlung ein Buchungssatz. Die Tageskasse in bar dagegen muss nur einmal verbucht werden. Der Aufwand ist also bei Kartenzahlung viel größer.
In Deutschland werden immer häufiger auch kleine Beträge bargeldlos bezahlt. Beim Durchschnittsbetrag wurde 2025 mit 37,25 Euro ein neuer Tiefstand erreicht.
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Anping: Der Verkäufer war früher übrigens im sozialen Bereich tätig. Er sagt, dass Münzen und Scheine nicht nur für Kinder besser sind, um den Umgang mit Geld zu lernen. Seiner Erfahrung nach ist Bargeld auch für viele Erwachsene besser zu händeln. Wenn sie das Geld nicht bar vor sich haben, fehlt schnell die Übersicht.
Lena: Das kann ich nicht verstehen. Ich gucke täglich mehrfach online auf mein Bankkonto.
Anping: Das vermeide ich nach Möglichkeit. Solange ich Geld im Portemonnaie habe, brauche ich es ja auch nicht.
Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov aus dem Februar 2026 zahlen 73 Prozent der 2000 befragten Erwachsenen am liebsten immer noch bar. Nur 22 Prozent verzichten komplett auf Scheine und Münzen. Dabei werden Bankfilialen und Geldautomaten auch im Landkreis Stade immer weniger. Bundesweit sank die Zahl der Automaten von mehr als 59.000 im Jahr 2018 auf rund 51.000.
Lena: Ich habe immer alles genau im Blick. Mir gefiel es gar nicht, wie schnell das Bargeld weg war und ich wieder zum Automaten musste. Zum Glück gibt es bei Edeka Drewes in meinem Wohnort einen.
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Anping: Du Glückliche. Ich konnte beim Este-Markt in Estebrügge überraschenderweise nicht mit Karte zahlen und bin dann zur Sparkasse nebenan, um Bargeld zu holen. Aber der Automat war kaputt, also habe ich meine Regel doch nicht gebrochen. Beim Este-Markt hat man mich dann übrigens anstandslos anschreiben lassen. Es gibt noch zwei Orte, wo ich nicht mit Karte zahlen konnte: bei Kinkoi, dem neuen Restaurant in der Nähe des Pressehauses, und im Imbiss am See in Stade.

Am Hafenparkplatz in Stade ist keine Bargeldzahlung möglich. Foto: Stehr
Lena: Ich hatte nur einmal Schwierigkeiten. Beim neuen Parkautomat am Hafenparkplatz in Stade ist keine Bargeldzahlung möglich. Ich musste dann woanders hin.
Anping: Beim Parken ist es allerdings ein Riesen-Vorteil, die Park-App benutzen zu können. Das mache ich sowieso immer.
Das Kartenzahlsystem kann immer mal ausfallen
Lena: Ich zahle ja sowieso am liebsten alles digital, weil ich das einfach praktischer finde als im Portemonnaie nach Münzen zu kramen.
Inzwischen werden fast neun von zehn Zahlungen kontaktlos abgewickelt. Rund 8,3 Milliarden Bezahlvorgänge mit der Plastikkarte zählte Euro Kartensysteme, ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen, im vergangenen Jahr und damit 4,8 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024.
Lena: Mir ist aber in der Woche aufgefallen, dass es oft doch ganz gut ist, Bargeld dabei zu haben. In der Postfiliale in Stade war zum Beispiel das Kartenzahlsystem ausgefallen. So was kann ja immer überall passieren. Bargeld zu haben, hat mir irgendwie auch Sicherheit gegeben. Ich war aber doch erleichtert, als ich endlich wieder meine Karte zücken konnte.
Anping: Für mich fühlte es sich gut an, wieder Bargeld in der Tasche zu haben. Trotzdem denke ich, dass es am besten ist, hybrid unterwegs zu sein.
Die EU möchte deshalb laut Berichten von Techbook.de die Bargeld-Abhebung in Supermärkten, Drogerien und Baumärkten stärken. Künftig sollen Kunden bei vielen Händlern Bargeld abheben können – auch ohne vorher etwas zu kaufen. Geplant sind Beträge zwischen 100 und 150 Euro.
Lena: Denke ich auch. Allerdings habe ich jetzt schon wieder nur 5 Euro im Portemonnaie.
Anping: Unglaublich!
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