T„Jede Frau ist qualifiziert“: Drochterser SPD ringt um Kandidatinnen
Die SPD Drochtersen sucht weiter nach einer Frau, die für den Gemeinderat kandidieren möchte. Foto: Aaron G./Unsplash
Ohne Frauen fehlt die Hälfte der Perspektiven. In der Drochterser Politik kommen sie aber zu selten vor. Das bekommt die SPD zu spüren - und will es ändern.
Drochtersen. Petra Schlegel zögerte nicht, als sie 2016 erstmals ins Kommunalparlament einzog. „Ich wollte etwas für Frauen bewirken“, sagt Schlegel. Sie habe nicht alles gewusst, was das Amt verlangte, aber: „Das kann man sich aneignen“, sagt die SPD-Politikerin, die nach vielen Jahren im Rat nun aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht wieder kandidiert. Ihre Nachfolge ist offen - und ihre Partei sucht.
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SPD hat keine Frau auf ihrer Kandidatenliste
Frauen sind in der Drochterser Politik deutlich unterrepräsentiert. Das Gremium hat derzeit 27 Mitglieder, davon halten derzeit nur 3 Frauen ihr Mandat - je eine von SPD, CDU und der Freien Wählergemeinschaft.
Und nach Schlegels Abgang könnte die SPD-Fraktion ohne weibliche Stimme in die neue Ratsperiode ziehen. Bislang hat sie für die Kommunalwahl am 13. September keine Frau auf ihrer Kandidatenliste. „Es gibt leider zu wenige Frauen, die sich für Politik begeistern und sich das zutrauen“, sagt Schlegel.
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„Frauen bringen andere Sichtweise ein“
Dabei ringen der Parteivorsitzende Jan Büther und Fraktionschef Kai Schildt seit fünf Jahren um Kandidatinnen. Nicht weil es eine Pflichtübung ist, sondern weil sie überzeugt sind, dass Frauen häufig andere Ansichten zu Themen haben, und vielfältige Zusammensetzungen bessere Entscheidungen ermöglichen. „Frauen bringen eine andere Sichtweise ein“, bestätigt Schlegel.
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Büther denkt dabei bewusst weiter als nur die Frage Frau oder Mann. Er will im Gemeinderat gesellschaftliche Realität abbilden - nach Alter, Herkunft, Lebenssituation. „Vom Banker bis zum Bürgergeldempfänger“, sagt er.

Jan Büther will im Rat jede Lebensrealität abbilden. Foto: Wertgen
Jede Lebensrealität bringe eine andere Perspektive mit: Wer Kinder hat, sieht Kitafragen anders als jemand mit 18, der gerade anfängt. Büther findet: Der Rat entscheide besser, wenn er die Menschen des Ortes tatsächlich widerspiegele.
Fehlende Zeit ein großer Faktor
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber, wie schwer es ist, Frauen in die Politik zu bekommen. Eine Kollegin engagierte sich drei Jahre in der Fraktion - und sagte kurz vor der Aufstellung ab. Eine berufliche Umorientierung und eine Umschulung ließen ihr keinen Spielraum mehr.
Ein Paradebeispiel. Selten liege es an fehlendem Interesse, sagt Büther. Meistens sei es die Zeit - wer Familie, Beruf und Ehrenämter hat, stößt schlicht an Grenzen.
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Ein weiteres Hemmnis
Was Schildt darüber hinaus immer wieder beobachtet: Bei Frauen stehe zunächst die Frage im Raum, ob sie das Mandat überhaupt füllen könnten und was von ihnen erwartet werde. Petra Schlegel ist ein positiver Beleg dafür, dass man in die Rollen hineinwächst. „Jede interessierte Frau ist qualifiziert dafür“, so Schlegel.
Ein weiteres Hemmnis, das Schildt heraushört: die Sorge, am Ende als einzige Frau in der Fraktion zu sitzen. In der SPD-Fraktion und im Gemeinderat begegne man sich aber auf Augenhöhe, bestätigt Schlegel.
In Rollen hineinwachsen
Wer Ja sagt, werde nicht alleingelassen. Sitzungstermine richtet die Fraktion nach den Möglichkeiten ihrer Mitglieder, Ausschüsse lassen sich nach Zeitbudget und Interesse wählen.
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Seminare und Klausurtagungen helfen, Inhalte zu erschließen - vom Haushaltlesen bis zur Windenergie. „Wir lassen niemanden inhaltlich alleine“, sagt Büther.
Leichter Einstieg möglich
Wer zunächst ohne Kandidatur reinschnuppern möchte, kann als sachkundiger Bürger oder Bürgerin an Ausschüssen und Fraktionssitzungen teilnehmen, betont Schildt. Ohne Stimmrecht, aber nah dran. So haben schon einige den Einstieg in die Kommunalpolitik gefunden.

Frauen zögern zu häufig vor dem Schritt in die Politik. Das sei unbegründet, findet Kai Schildt. Foto: Wertgen
Die SPD Drochtersen gibt bei der Suche nicht auf. Am 22. Juni lädt sie zu einer zweiten Aufstellungsversammlung - unüblich, aber ein Zeichen dafür, wie ernst es der Partei ist. Und wer erst nach der Wahl den Einstieg wagen will, finde ebenfalls eine Rolle, so die beiden.
Die Kommunalpolitik lohnt sich, sagt Büther - die Kita, die gebaut wird, die Straße, die saniert wird, der Schwimmbadneubau, der endlich losgeht: Das passiert im Ort, sichtbar, greifbar, schnell.
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